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17. September 2016, 11:35 Uhr

Formel-1-Streit um Ecclestone

"... dann könnte Bernie einfach gehen"

Aus Singapur berichtet Karin Sturm

Eigentlich soll Bernie Ecclestone für weitere drei Jahre an der Spitze der Formel 1 stehen. Dass es so kommt, glaubt in der Branche jedoch kaum jemand. Das Verhältnis zu den neuen Besitzern ist angespannt.

Das erste Rennen nach dem Verkauf der Formel 1 an Liberty Media sollte ohne ihn stattfinden. Er werde nicht zum Singapur-Grand-Prix kommen, hatte Bernie Ecclestone angekündigt, da er dringender im Büro in London gebraucht werde. Jetzt tauchte er doch im Fahrerlager auf, zusammen mit dem neuen Präsidenten Chase Carey und dem Vorbesitzer, CVC-Chef Donald McKenzie. Wie Ecclestone mit äußerst missmutiger Miene hinter den beiden hertrottete, ein bisschen wie ein überflüssiges Anhängsel, und wie er sich dann stillschweigend ganz aus dem Tross entfernte, als Carey einen Antrittsbesuch bei den Mercedes-Bossen Toto Wolff und Niki Lauda machte, das sprach schon Bände.

Dass Ecclestone wirklich noch drei Jahre an der Spitze der Formel 1 steht, wie im Rahmen der Übernahme offiziell verkündet, glaubt kaum noch jemand. Genauso wenig wie an das bisher öffentlich demonstrierte angeblich so gute Verhältnis zwischen Ecclestone und den neuen Besitzern. Schon im Vorfeld des Deals war zu hören, dass der Formel-1-Zampano genau diesen Käufer nicht wollte und immer wieder andere Interessenten ins Gespräch brachte. Weil er wusste, dass die Amerikaner nur für eine Übergangsphase mit ihm planten. Dass Liberty-Media-Besitzer John Malone, der in den USA als extrem harter Hund gilt, mit Ecclestone von Anfang an nicht klar kam, wollen hinter vorgehaltener Hand einige wissen, die vom Verlauf der Verhandlungen mehr mitbekamen.

"Auf Konfliktkurs mit Bernie"

Auch umgekehrt ist fraglich, wie lange es der fast 86-jährige Ecclestone unter den neuen Verhältnissen aushält, denn von Arbeitsteilung hat er noch nie viel gehalten. Max Mosley, von 1993 bis 2009 Fia-Präsident und alter Ecclestone-Kumpel, sieht Problempotenzial: "Das sind Personen, die eine aktivere Rolle spielen werden. Das bringt sie möglicherweise auf Konfliktkurs mit Bernie."

Mosley hält zwar auch eine Zusammenarbeit für möglich. Wenn Chase Carey wirklich so viel auf dem Kasten habe, "wie die Leute sagen, dann wird er clever genug sein, von Bernie zu lernen und mit ihm auskommen. Die meisten Leute, die mit Ecclestone nicht klarkamen, waren Menschen, die einfach nicht auf seinem Niveau gearbeitet haben." Sollten die neuen Besitzer Ecclestone hingegen zu sehr ins Geschäft pfuschen, so glaubt Mosley, "könnte Bernie auch einfach gehen".

Mögliche Reibungspunkte gibt es zuhauf. Liberty Media setzt im Gegensatz zu Ecclestone auf mehr Rennen in Europa, geringere Antrittsgelder, dafür mehr TV-Einnahmen und verstärktes Social-Media-Engagement. Denkbar wäre ein interner Deal, bei dem alle Seiten ihr Gesicht wahren können und der bisherige Boss dann doch über kurz oder lang in den "verdienten Ruhestand" geht.

Ecclestone spricht vom Abschied nach der Saison

Dass solche Vermutungen nicht aus der Luft gegriffen sind, bestätigte Ecclestone selbst. Inzwischen ist durchgesickert, dass er tatsächlich schon in Monza gegenüber einem Kreis enger Vertrauter, darunter auch Ex-Michael-Schumacher-Teamchef Eddie Jordan und Ecclestones langjähriger Statthalter im Fahrerlager, Pasquale Lattuneddu, deutlich machte, dass er unter den jetzigen Bedingungen keine Lust mehr habe und nach Saisonende weg sein werde.

Eventuelle Nachfolger im operativen Geschäft werden schon gehandelt. Vor allem der Name von Zak Brown steht da ganz oben. Der 44-Jährige ist der Gründer der größten Motorsport-Marketingagentur der Welt, JMI, und war für das Einfädeln vieler großer Sponsoren-Deals verantwortlich, unter anderem für LG, Johnnie Walker und Procter&Gamble. Der Amerikaner war bis vor Kurzem auch noch selbst als Rennfahrer aktiv. Er soll die Formel 1 vor allem stärker in die sozialen Medien bringen - ein stark vernachlässigter Bereich.

Lange wurde auch Alejandro Agag gehandelt. Der 45-jährige Spanier, der mit der Tochter des ehemaligen spanischen Ministerpräsidenten José María Aznar verheiratet ist, trat früher als Teambesitzer in der GP 2 auf und ist derzeit CEO und Promoter der Formel E, die ebenfalls zu Liberty Media gehört. Dort wurde er bereits "der Bernie Ecclestone der Formel E" genannt. Allerdings soll es gegen ihn bei einigen Teams Widerstände geben. Englische Medien brachten jüngst zwei Überraschungskandidaten ins Spiel: Ex-McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh, der inzwischen das America's-Cup-Segelteam von Ben Ainslie leitet, sich aber angeblich eine Rückkehr in die Formel 1 gut vorstellen könnte. Und den früheren Schumacher-Intimus Ross Brawn.

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