Formel-1-Streit um Ecclestone "... dann könnte Bernie einfach gehen"

Eigentlich soll Bernie Ecclestone für weitere drei Jahre an der Spitze der Formel 1 stehen. Dass es so kommt, glaubt in der Branche jedoch kaum jemand. Das Verhältnis zu den neuen Besitzern ist angespannt.

Bernie Ecclestone (r.), Chase Carey (M.)
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Bernie Ecclestone (r.), Chase Carey (M.)

Aus Singapur berichtet Karin Sturm


Das erste Rennen nach dem Verkauf der Formel 1 an Liberty Media sollte ohne ihn stattfinden. Er werde nicht zum Singapur-Grand-Prix kommen, hatte Bernie Ecclestone angekündigt, da er dringender im Büro in London gebraucht werde. Jetzt tauchte er doch im Fahrerlager auf, zusammen mit dem neuen Präsidenten Chase Carey und dem Vorbesitzer, CVC-Chef Donald McKenzie. Wie Ecclestone mit äußerst missmutiger Miene hinter den beiden hertrottete, ein bisschen wie ein überflüssiges Anhängsel, und wie er sich dann stillschweigend ganz aus dem Tross entfernte, als Carey einen Antrittsbesuch bei den Mercedes-Bossen Toto Wolff und Niki Lauda machte, das sprach schon Bände.

Dass Ecclestone wirklich noch drei Jahre an der Spitze der Formel 1 steht, wie im Rahmen der Übernahme offiziell verkündet, glaubt kaum noch jemand. Genauso wenig wie an das bisher öffentlich demonstrierte angeblich so gute Verhältnis zwischen Ecclestone und den neuen Besitzern. Schon im Vorfeld des Deals war zu hören, dass der Formel-1-Zampano genau diesen Käufer nicht wollte und immer wieder andere Interessenten ins Gespräch brachte. Weil er wusste, dass die Amerikaner nur für eine Übergangsphase mit ihm planten. Dass Liberty-Media-Besitzer John Malone, der in den USA als extrem harter Hund gilt, mit Ecclestone von Anfang an nicht klar kam, wollen hinter vorgehaltener Hand einige wissen, die vom Verlauf der Verhandlungen mehr mitbekamen.

"Auf Konfliktkurs mit Bernie"

Auch umgekehrt ist fraglich, wie lange es der fast 86-jährige Ecclestone unter den neuen Verhältnissen aushält, denn von Arbeitsteilung hat er noch nie viel gehalten. Max Mosley, von 1993 bis 2009 Fia-Präsident und alter Ecclestone-Kumpel, sieht Problempotenzial: "Das sind Personen, die eine aktivere Rolle spielen werden. Das bringt sie möglicherweise auf Konfliktkurs mit Bernie."

Mosley hält zwar auch eine Zusammenarbeit für möglich. Wenn Chase Carey wirklich so viel auf dem Kasten habe, "wie die Leute sagen, dann wird er clever genug sein, von Bernie zu lernen und mit ihm auskommen. Die meisten Leute, die mit Ecclestone nicht klarkamen, waren Menschen, die einfach nicht auf seinem Niveau gearbeitet haben." Sollten die neuen Besitzer Ecclestone hingegen zu sehr ins Geschäft pfuschen, so glaubt Mosley, "könnte Bernie auch einfach gehen".

Mögliche Reibungspunkte gibt es zuhauf. Liberty Media setzt im Gegensatz zu Ecclestone auf mehr Rennen in Europa, geringere Antrittsgelder, dafür mehr TV-Einnahmen und verstärktes Social-Media-Engagement. Denkbar wäre ein interner Deal, bei dem alle Seiten ihr Gesicht wahren können und der bisherige Boss dann doch über kurz oder lang in den "verdienten Ruhestand" geht.

Ecclestone spricht vom Abschied nach der Saison

Dass solche Vermutungen nicht aus der Luft gegriffen sind, bestätigte Ecclestone selbst. Inzwischen ist durchgesickert, dass er tatsächlich schon in Monza gegenüber einem Kreis enger Vertrauter, darunter auch Ex-Michael-Schumacher-Teamchef Eddie Jordan und Ecclestones langjähriger Statthalter im Fahrerlager, Pasquale Lattuneddu, deutlich machte, dass er unter den jetzigen Bedingungen keine Lust mehr habe und nach Saisonende weg sein werde.

Eventuelle Nachfolger im operativen Geschäft werden schon gehandelt. Vor allem der Name von Zak Brown steht da ganz oben. Der 44-Jährige ist der Gründer der größten Motorsport-Marketingagentur der Welt, JMI, und war für das Einfädeln vieler großer Sponsoren-Deals verantwortlich, unter anderem für LG, Johnnie Walker und Procter&Gamble. Der Amerikaner war bis vor Kurzem auch noch selbst als Rennfahrer aktiv. Er soll die Formel 1 vor allem stärker in die sozialen Medien bringen - ein stark vernachlässigter Bereich.

Lange wurde auch Alejandro Agag gehandelt. Der 45-jährige Spanier, der mit der Tochter des ehemaligen spanischen Ministerpräsidenten José María Aznar verheiratet ist, trat früher als Teambesitzer in der GP 2 auf und ist derzeit CEO und Promoter der Formel E, die ebenfalls zu Liberty Media gehört. Dort wurde er bereits "der Bernie Ecclestone der Formel E" genannt. Allerdings soll es gegen ihn bei einigen Teams Widerstände geben. Englische Medien brachten jüngst zwei Überraschungskandidaten ins Spiel: Ex-McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh, der inzwischen das America's-Cup-Segelteam von Ben Ainslie leitet, sich aber angeblich eine Rückkehr in die Formel 1 gut vorstellen könnte. Und den früheren Schumacher-Intimus Ross Brawn.



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reflektionist 17.09.2016
1. Lasst den Opa doch endlich in den Ruhestand!
Mensch, da wird ein internationales Großereignis von einem 86-jährigen vermarktet… und keiner hat den Mut, zu sagen, dass das einfach nicht zusammenpasst. Lasst den Mann endlich seinen verdienten Ruhestand genießen, Mir persönlich ging dieser größenwahnsinnige Zwerg schon immer gehörig auf den Senkel. Dass sich Großkonzerne wie Mercedes vor den Karren eines nachgewiesenen Steuerbetrügers spannen lassen ist eigentlich unerträglich.
frummler 17.09.2016
2. lange überfällig
die F1 ist schon lange mausetod! und bernie der hauptverantwortliche dafür! unsinnige regeln millonen antrittsgelder für die rennstrecken total überteuerte preisse nur damit mann auto´s sieht die langweiliger nicht sein könnten jeder rennwagen einer tourenwagenmeisterschaft hat den namen rennwagen mehr verdient als diese kisten in der F1! ihn meinem umfeld gibt es jahren der sich das noch antut die meisten gehen lieber zum 24std rennen oder schauen die dtm oder andere tourenwagenmeisterschaften an! den da gibt es noch echten rennsport wo mann auch mal überholen darf ohne gleich vom teamchef einen auf die mütze zu bekommen
herbert 17.09.2016
3. mit Ecclestone kam die teuerste und langweiligste Formel 1
Teuer für die Fans. Früher konnte man ins Fahrerlager und ganz in der Nähe der Rennautos schon Tage vor dem Rennen. Heute werden da VIP Karten verkauft mit einem Wahnsinnspreis. Die Rennstrecken sind heute so langweilig geworden, wo die Fahrer nur noch geradeaus fahren müssen, anstatt durch Kurven und Hindernisse gefordert zu werden. Ich selber kenne alle Rennstrecken und habe es genossen früher in der Nähe der Rennställe zu sein. Doch dann kam Ecclestone und machte aus der ganzen Geschichte ein Monster mit Horrorpreise. Er hat schlicht die Fans beschissen und selber ist er irre reich geworden. Das wirkliche Autorennen so wie früher kann man in Le Mans erleben. Da müssen Fahrer und Rennställe zeigen was sie können. Und es gibt keine Ecclestone Figur !
zTyphoon 17.09.2016
4. Schön.
Vielleicht werden die Tickets dann auch mal bezahlbar, wenn die Austragungsorte nicht mehr die, aus der Luft gegriffenen, 30 Millionen an Bernie zahlen müssen. Vielleicht kapieren es ja die neuen Inhaber, dass Formel 1 seine Tradition braucht. Legendäre Strecken, Lärm, mehr Leistung, Tankstopps. Naja, viel schlechter kann es ja eigentlich nicht werden.
harigr 17.09.2016
5. Ist ja völlig normal
im Wirtschaftsleben, das bei einer Übernahme und Neustart mit einem 86-jährigen begonnen wird. Ich find´Formel 1 zwar nur noch doof, aber so doof sind die Neuen auch nicht.
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