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Großer Preis von Europa: Vettel, der Überflieger

Foto: Daniel Ochoa de Olza/ AP

Frustrierte Formel-1-Konkurrenz Regeländerung verleiht Vettel Flügel

Mit einer Regeländerung wollte der Motorsport-Weltverband Fia die Formel 1 spontan spannender machen. Doch ausgerechnet der souveräne WM-Führende Sebastian Vettel profitierte beim Rennen in Valencia am stärksten von der Neuerung.

Ein Witzbold brachte es irgendwie auf den Punkt: "Die Fia ändert alle 90 Minuten die Regeln und am Ende gewinnt der Deutsche." Der etwas veränderte Satz, den Englands Nationalspieler Gary Lineker irgendwann in den Achtzigern nach frustrierenden Niederlagen bei Länderspielen geprägt hatte ("Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten, am Ende gewinnen die Deutschen"), beschreibt in der Tat die Situation in der Formel 1 im Moment.

Fest steht: Die erste Hürde der Automobilbehörde haben Sebastian Vettel und sein Red-Bull-Team locker genommen. Mit der zitierten Regeländerung wollte die Fia verhindern, dass die Rennställe den Motor mit einem speziellen Mapping im Qualifying dazu missbrauchen, mehr Sprit zu verbrennen. Dadurch wird mehr Zwischengas abgegeben um damit einen erhöhten Saugeffekt beim Diffusor, dem tunnelartigen Unterboden am Heck des Autos, zu erzielen.

Doch das im Qualifying ab sofort verbotene spezielle Motormapping hat den Sieg von Sebastian Vettel nicht verhindern können. Im Fahrerlager waren viele Experten im Vorfeld des GP der Meinung gewesen, dass diese Regeländerung Red Bull am meisten schaden könnte. Das Gegenteil trat ein: Vettel gewann sein sechstes Rennen in dieser Saison, sein Vorsprung in der WM ist nach knapp der Hälfte der Saison schon auf 77 Punkte angewachsen.

Schlimmer noch für alle Red-Bull-Gegner: Vettel fuhr das erste Mal in dieser Saison die schnellste Rennrunde. Er war bei seinem schnellsten Umlauf knapp eine halbe Sekunde besser als Ferrari-Pilot Fernando Alonso und nahm dem vermeintlichen größten Konkurrenten im Titelkampf, McLaren-Pilot Lewis Hamilton, gar 1,2 Sekunden ab. Fazit: Vettel und Red Bull vergrößerten nach der Regeländerung sogar den Vorsprung auf die Konkurrenz.

Nächstes Rennen - nächste Regeländerung

Für das kommende Rennen in Silverstone kommt die nächste Regeländerung. Ab dem britischen GP in zwei Wochen darf der Diffusor nicht mehr angeblasen werden, wenn der Fahrer vom Gaspedal geht. Bisher produzierten die Motoren auch dann noch Abgase, wenn der Pilot nicht auf dem Gaspedal stand - durch eine spezielle Einstellung der Zündung.

Wieder sind die meisten Experten der Ansicht, dass diese Regeländerung Red Bull schaden könnte. Sebastian Vettel ist da ganz anderer Meinung: "Es wurde viel vor Valencia geredet, jetzt passiert das Gleiche vor Silverstone. Die Regeländerungen betreffen uns alle, nicht nur Red Bull. Ich bin der Meinung, dass eventuell die Mercedes-Teams und Lotus-Renault mehr darunter leiden als wir."

Die Hoffnung der Konkurrenz stirbt zuletzt. "Wir müssen uns in Silverstone ansehen, welchen Effekt die Änderung des Reglements bezüglich des Auspuffs wirklich haben wird", ist Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali gespannt. "Dann werden wir vor allem auf Strecken mit viel Abtrieb wirklich sehen, wie das Kräfteverhältnis in der zweiten Weltmeisterschaft aussehen wird."

Ein wenig Mut dürfte Ferrari der zweite Platz von Fernando Alonso gemacht haben, der sich zwischen die beiden Red-Bull-Piloten Vettel und Webber schob und seine "Position im Sandwich zwischen Red Bull" laut eigener Aussage sehr genoss. Domenicali richtete dann auch gleich eine Kampfansage an Vettel: 'Wir konnten heute einen Red Bull hinter uns lassen, jetzt knöpfen wir uns den nächsten vor."

Red Bulls Motorsportchef Helmut Marko jedenfalls hat Ferrari in Verdacht, in Sachen Regeländerungen den meisten Druck auf die Fia ausgeübt zu haben. "Ferrari profitiert am meisten davon." Denn in Maranello war man mit der Entwicklung des aktuellen Autos sehr konservativ. Dafür spricht, dass man sich bei Ferrari immer häufiger als Fahrzeugbauer und nicht als Aerodynamiker ansieht.

Zwischen den Zeilen heißt das aber auch: Die Aerodynamikabteilung in Maranello ist einfach nicht gut genug. Marko umschreibt das so: "Wenn man ein System nicht kopieren kann, dann versucht man es wenigstens zu verhindern." Doch Marko sagt den schlechten Verlierern weiter den Kampf an: "Wir wären nicht Red Bull, wenn wir nicht auch schon Überlegungen hätten, wie wir das wieder abfedern könnten." Soll heißen: Vettel und Red Bull werden auch weiterhin siegen.

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