Gerichtsurteil Formel-1-Boss Ecclestone droht Entmachtung

Bernie Ecclestone droht nach einer Gerichtsniederlage der Verlust seiner Kontrolle über die Formel 1. Der Londoner High Court gab der Klage eines Bankenkonsortiums statt, das 75 Prozent an der Vermarktungsgesellschaft Slec hält. Nach dem Gerichtsurteil könnten die Banken den Impresario nun schrittweise entmachten.


Formel-1-Boss Ecclestone: Verfahren aufmerksam beobachtet
REUTERS

Formel-1-Boss Ecclestone: Verfahren aufmerksam beobachtet

London - In dem Verfahren hatten die Banken zwei Management-Ernennungen der Gesellschaft Formula One Holdings (Foh) angefochten, die der Slec gehört. Die Banken argumentierten, obwohl sie die Mehrheit besäßen, hätten sie wegen der Zusammensetzung des Foh-Boards keine Kontrolle über die Gesellschaft.

Die Banken ringen seit langem um mehr Macht in der Formel 1, die faktisch noch immer von Ecclestone kontrolliert wird, obwohl dieser über eine Familien-Holding nur noch über rund 25 Prozent der Slec-Anteile verfügt. Die Gerichtsentscheidung könnte nun die Kontrolle Ecclestones über die lukrative Formel 1 schwächen. Das Verfahren wird auch von den in der Rennserie aktiven Autoherstellern wie DaimlerChrysler, BMW, Renault oder Fiat (Ferrari) aufmerksam verfolgt. Sie drohen, ab 2008 eine eigene Rennsportserie aufzubauen, falls sie nicht einen höheren Anteil aus den Erlösen der Formel 1 erhalten.

Ecclestone (l.), Ferrari-Star Schumacher: "Die Entscheidung bedeutet nichts"
DPA

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Die BayernLB, die an der SLEC mit schätzungsweise 50 Prozent beteiligt ist, begrüßte die Entscheidung des Londoner Gerichts. Sie sei ein weiterer Schritt zur Erhöhung der Einflussmöglichkeiten der Banken in der Formel-1-Gruppe. Das Urteil habe zur Folge, dass in der Foh die Board-Sitze nun entsprechend der Anteile an der Slec besetzt werden.

Ecclestone erklärte, die Gerichtsentscheidung bedeute überhaupt nichts. Die Banken wollten lediglich ihre Beteiligung wertvoller machen. Er verwies darauf, dass die Banken die Beteiligung nur als Sicherheit bekommen hätten. "Sie haben das Haus bekommen, und sie wollen es nicht. Nun wollen sie aus ihrem Haus Kapital schlagen", sagte er. Die Banken waren an die Beteiligung an der Formel 1 im Zuge der Pleite des Kirch-Konzerns geraten, der Milliardenkredite nicht zurückzahlen konnte.

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