GP von Brasilien Häkkinen nutzt das Chaos im Qualifying

Bei einem Qualifying, das wegen herunterfallenden Werbebanden, mehrfach unterbrochen wurde, waren die Silberpfeile einmal mehr das Maß aller Dinge. Der "Scuderia" und den anderen Teams blieb nur das Nachsehen.


Mika Häkkinen: "Wir sind gerüstet"
AFP

Mika Häkkinen: "Wir sind gerüstet"

Sao Paulo - Die Mercedes-Silberpfeile von Weltmeister Mika Häkkinen (Finnland) und David Coulthard (Schottland) waren auch "am Tag der fliegenden Werbetafeln" im Chaos-Training von Sao Paulo das Maß aller Dinge. Dabei sicherte sich Häkkinen in 1:14,111 Minuten wie schon im Vorjahr die Pole Position für den Großen Preis von Brasilien, der am Sonntag (19.00 Uhr MESZ/live in Premiere World und RTL) als zweiter von 17 Läufen der Formel-1-WM gestartet wird.

Zweitschnellster auf dem 4,309 km langen Kurs war Häkkinens McLaren-Teamkollegen Coulthard in 1:14,285. Für Häkkinen war es die insgesamt 23. Trainingsbestzeit seiner Karriere. Ferrari-Superstar Michael Schumacher, vor zwei Wochen Auftaktsieger in Melbourne, belegte mit dem Rückstand von 0,397 Sekunden den dritten Rang (1:14,508) vor seinem neuen Teamkollegen Rubens Barrichello aus Brasilien (1:14,636).

Zweitbester des deutschen Fahrer-Quartetts war Heinz-Harald Frentzen. Der WM-Dritte aus Mönchengladbach landete im Jordan auf Position sieben (1:15,455). Ralf Schumacher kam im Williams-BMW auf Platz elf (1:15,561). Neuling Nick Heidfeld (Mönchengladbach) blieb im Prost nur Rang 19 (1:17,112).

Der Samstag zeigte unterdessen, dass selbst die High-Tech-Welt der Formel-1-WM vor unliebsamen Überraschungen nicht sicher ist. Jährlich werden in dem PS-Zirkus Milliarden umgesetzt, und dann sorgten in Sao Paulo simple Werbetafeln gleich dreimal für einen Abbruch des Zeittrainings.

"Wenn ich diese Tafeln aufgehängt hätte, dann wäre das nicht passiert", meinte Mercedes-Sportchef Norbert Haug und schimpfte: "Das war nicht Formel-1-würdig, dafür muss der Veranstalter jetzt kritisiert werden. Ich hoffe, Bernie Ecclestone macht das." Zum Abschneiden seiner Fahrer meinte Haug: "Wir sind gerüstet. Wir stehen zum zweiten Mal in dieser Saison in der erste Startreihe, damit haben wir unsere Stärke gezeigt."

Für Ralf Schumacher können "derartige Vorkommnisse auf solchen Strecken schon mal auftreten. Zum Glück ist keinem etwas passiert." Heinz-Harald Frentzen wetterte: "Das war ein Chaos-Training, aber gut für die Zigarettenfirma, die die Werbetafeln aufgehängt hat. Immer wenn wir fahren wollten, fielen die Schilder runter."

Zunächst hing die Werbebande schief, danach brach sie auf der Start-Ziel-Geraden in zwei Teile. Aus Sicherheitsgründen dauerte die zweite Unterbrechung deutlich länger. Die kaputte Tafel wurde entfernt, lediglich der Rahmen blieb in der Verankerung.

Die Veranstalter ließen nach dem Malheur alle Reklameschilder des Hauptsponsors (Marlboro) für den Grand Prix in Sao Paulo von den Helfern überprüfen. Das half aber nicht viel: Denn nur wenige Minuten, nachdem das Training wieder freigegeben worden war, kam die nächste Unterbrechung, die den Fahrern mit den Roten Flaggen angezeigt wurde.

Ende der Start-Ziel-Geraden löste sich eine Werbetafel und flog direkt vor das Auto des heranrasenden Prost-Piloten Jean Alesi. Der Franzose konnte nicht mehr ausweichen und erfasste das Werbeschild mit dem rechten Vorderrad seines Fahrzeuges. Alesi kam mit dem Schrecken davon, an seinem Auto wurde der Frontflügel beschädigt.

NIcht zu bremsen: Häkkinen im Silberpfeil in Sao Paulo
AP

NIcht zu bremsen: Häkkinen im Silberpfeil in Sao Paulo

Zu diesem Zeitpunkt lag Häkkinen bereits vor Coulthard und Schumacher in Führung. Nachdem die Aufräumarbeiten abgeschlossen waren, setzte in Sao Paulo der große Regen ein. Dadurch konnte niemand mehr seine Zeit verbessern.

Wirbel gab es auch um das Schweizer Sauber-Team. Unmittelbar nach dem Zeittraining teilte der Rennstall mit, dass es Probleme mit den Heckflügeln an den Autos von Diniz und Salo gibt, die erst nach einer Überprüfung in der heimischen Fabrik in Hinwil gelöst werden könnten. "Deshalb haben wir keine andere Wahl, als die Autos vom Rennen zurückzuziehen", erklärte Teamchef Peter Sauber: "Unser wichtigstes Anliegen war immer die Sicherheit unserer Fahrer."

Mika Salo hatte im freien Training am Vormittag einen schweren Unfall am Ende der Zielgeraden unverletzt überstanden, nachdem bei Tempo 300 der Heckflügel weggebrochen war und das Rennauto dadurch instabil wurde. Im Zeittraining am Nachmittag fuhren Salo und Diniz jeweils nur drei Runden, bevor die Entscheidung zum Rückzug fiel. "Ich bin sicher, dass unsere Partner den Entschluss respektieren und unterstützen", sagte Sauber. Diniz hatte den 20. Startplatz belegt, Salo nur die 22. und letzte Position.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.