GP von Silverstone Nach Schumacher die Sintflut 

Michael Schumacher ist bei den Kollegen der Formel 1 nicht gerade übermäßig beliebt. Sein Parkmanöver in Monaco hat die angespannte Situation weiter verschärft. Vor dem Großen Preis von Silverstone muss er sich vor der Fahrervereinigung rechtfertigen. Bange ist ihm davor nicht.

Von Malte Knuth


Silverstone - Wenn die Königsklasse des Motorsports an diesem Wochenende an ihre Geburtsstätte nach Silverstone zurückkehrt, wird Michael Schumacher vom Jubel der 85.000 Formel-1-Fans wenig haben. Der siebenfache Weltmeister hat bei den Briten nach seinem ehemals kompromisslos geführten Duell mit dem Engländer Damon Hill ohnehin kaum Kredit, seine Straßensperr-Aktion in Monte Carlo dürfte die Situation aber noch weiter verschärft haben. "Ich hoffe, dass Publikum wird nicht zu hart zu Schumacher sein", sagte Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. "Er hat etwas Unrechtes getan und wurde bestraft. Damit müsste es durch sein."

Ferrari-Pilot Schumacher: "Für die tut es mir Leid."
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Ferrari-Pilot Schumacher: "Für die tut es mir Leid."

Doch auch bei den Kollegen ist der Ferrari-Pilot mehr als zuvor in Misskredit geraten. Beim Treffen der Fahrervereinigung (GPDA) am heutigen Nachmittag dürfte es heiß hergehen. Williams-Pilot Mark Webber wollte den Eklat von Monaco "Auge in Auge ausdiskutieren. Er wird sich erklären müssen", sagte der Australier.

Sogar die Abwahl des Deutschen von seinem Amt als GPDA-Direktor ist nicht mehr auszuschließen. "Es ist nicht unmöglich, dass einige das vorhaben“, sagt Schumacher, zeigte sich aber wie gewohnt unbeeindruckt: "Ich bin zuversichtlich. Wir Fahrer haben untereinander immer Lösungen gefunden." Dabei klingt der siebenfache Weltmeister nicht so, als würde er großartig an dem Job hängen.

Wie bereits in der Vergangenheit präsentiert sich der Ferrari-Pilot auch in den Tagen nach den Monaco-Geschehnissen gewohnt kritikresistent. Insbesondere die Vehemenz, mit der viele auf sein Verhalten in Monaco regierten, stieß bei Schumacher auf Unverständnis: "Einige nutzen das Ganze für ein persönliches Schlachtfeld, um sich auszutoben. Was passiert ist und daraus gemacht wurde, steht wirklich in keinem Verhältnis zueinander", sagte der 37-Jährige.

Späte Entschuldigung

Immerhin rückte der ehemalige Champion elf Tage nach dem kritisierten Manöver mit einer Entschuldigung heraus. "Diejenigen, die ihre Runden verloren haben, für die tut es mir Leid", so Schumachers knapper Kommentar, der die Rückstufung in der Startaufstellung zugleich als "ungerecht" abkanzelte. Auch in seiner vielleicht letzten Saison sind große Gesten seine Sache nicht. In Schumachers Welt zählt allein der Erfolg und nach der letztjährigen Durststrecke, ist der Ferrari-Pilot 2006 wieder in einer Position, die es ihm erlaubt mit harten Bandagen zu kämpfen. Niemand weiß das besser, als der vielfache Champion selbst. Die zahlreichen Triumphe haben seine Kritikresistenz nur noch verstärkt. Nach ihm die Sintflut.

Warum sollte Schumacher auch seine Zeit mit Spekulationen über die extra seinetwegen einberufene Fahrersitzung verschwenden? Der Rekord-Weltmeister redet lieber über seine Aussichten im Titelkampf, die sich nach Fernando Alonsos Erfolg im Fürstentum nicht gerade verbessert haben. Der Spanier führt mit 21 Punkten Vorsprung, bei noch elf ausstehenden Grand-Prix-Entscheidungen. Für Schumacher alles andere als eine Vorentscheidung: "Die WM ist absolut offen. Alles wird sich darum drehen, wer bei den Weiterentwicklungen besser vorankommt“, zeigt sich der Ferrari-Pilot optimistisch, denn er weiß: "In diesem Bereich sehen wir bei Ferrari traditionell gut aus."

Hoffnung auf reichlich WM-Punkte in Silverstone dürften Schumacher auch die jüngsten Testergebnisse machen, die er in der vergangenen Woche in Barcelona eingefahren hat. Schumacher sagt: "Wir fahren nach Silverstone, um zu gewinnen." Dass er gerade in England ein paar ganz üble Momente seiner Karriere erlebte, bleibt unerwähnt. 1999 zog sich der Kerpener bei einem Unfall mehrere Beinbrüche zu und fiel monatelang aus. 1994 hatte er ein Überholverbot missachtet und wurde für ein Rennen gesperrt. "Ich fahre immer gerne in Silverstone", beharrt der Ferrari-Fahrer.

Unter Siegzwang stehen auch die Mc-Laren-Mercedes-Piloten Kimi Räikkönen und Juan Pablo Montoya. Für den Finnen Räikkönen ist es nach seinem Ausfall in Monaco die letzte realistische Chance ins Titelrennen einzugreifen. "Wir hoffen, nach unseren Testfahrten in Barcelona einen weiteren Schritt nach vorne gemacht zu haben", gibt sich Mercedes Sportchef Norbert Haug zuversichtlich. Ob sie Renault oder Ferrari wirklich gefährden können, werden die Rennzeiten im freien Training zeigen. Dort wird es auch Aufschluss darüber geben, ob der Wiesbadener Nico Rosberg sein für dieses Wochenende festgelegtes Ziel erreicht. Vom Sieg spricht der Williams-Pilot nicht, er möchte lediglich ein "paar Zähler" mitnehmen.

dpa/sid



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