Grand Prix der USA Totaler Ferrari-Triumph perfekt

Der Große Preis der USA wurde wie erwartet zu einem Ferrari-Festival. Nach dem WM-Titel für Michael Schumacher und dem Sieg in der Konstrukteurswertung holte Rubens Barrichello in Indianapolis auch noch die Vize-Weltmeisterschaft für den italienischen Rennstall.


Rubens Barrichello (l.) und Michael Schumacher: Doppelt hält besser
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Rubens Barrichello (l.) und Michael Schumacher: Doppelt hält besser

Indianapolis - Barrichello gewann am Sonntagabend MESZ in Indianapolis den 16. WM-Lauf und sorgte gemeinsam mit Weltmeister Michael Schumacher für den achten Ferrari-Doppelsieg dieser Saison und den insgesamt 60. seit 1951. Dritter im vorletzten Grand Prix der Serie 2002 wurde der Schotte David Coulthard (McLaren-Mercedes).

Barrichello sicherte sich vor 130.000 Zuschauern am legendären Oval-Kurs der "Indy 500" mit seinem vierten Saisonsieg bereits vor dem Finale im japanischen Suzuka am 13. Oktober den Titel des Vize-Weltmeisters. In der Gesamtwertung führt Schumacher, der von der Pole-Position gestartet war und zum 21. Mal in Folge ohne Defekt ins Ziel kam, mit 134 Punkten vor Barrichello (71).

Erstmals seit 1979 schaffte die Scuderia wieder das Triple. Damals war Jody Scheckter (Südafrika) Weltmeister vor dem Kanadier Gilles Villeneuve geworden; zudem hatte Ferrari die Konstrukteurs-WM gewonnen.

Schumacher ließ Barrichello noch vorbeiziehen

Gleichauf waren Barrichello und Schumacher mit Tempo 300 über die Ziellinie gerast. Der Computer errrechnete schließlich einen Vorsprung von elf Tausendstelsekunden für den Brasilianer. "Wir haben einen Mordsspaß gehabt, da war aber nichts abgesprochen. Ich habe nur versucht, so schnell wie möglich zu sein", versicherte Barrichello, "vielleicht war Michael einfach nur sehr nett und wollte mit mir zusammen über die Ziellinie fahren."

Michael Schumacher nahm seinen knapp verpassten Saisonsieg Nummer elf mit Humor. "Das war meine persönliche Entscheidung und so vorher nicht geplant. Wir wollten in Go-Kart-Manier nebeneinander über die Linie fahren, das haben wir nicht ganz geschafft", sagte der Deutsche, "wir wussten zunächst beide nicht, wer eigentlich gewonnen hat. Dass Rubens am Ende die Nase vorn hatte, hat mich aber gefreut."

"Mein Plan war das nicht", fügte Ferrari-Technikchef Ross Brawn hinzu. Dass Schumacher Barrichello auf den letzten Metern noch vorbeiziehen ließ und so seinen insgesamt 64. Grand-Prix-Sieg vergab, sorgte bei den "Roten" für große Verwunderung. "Da waren wir selbst alle überrascht", gestand Brawn.

Noch ein Rekord für Ferrari

Mit dem Zweifach-Erfolg schrieben die beiden Ferrari-Piloten ein weiteres Kapitel Formel-1-Geschichte. Das dominierende Fahrerduo sorgte dafür, dass Ferrari als erstes Team überhaupt die Schallmauer von 200 WM-Punkten (205) in einer Saison durchbrach. Den bisherigen Rekord (199) hatte seit 1988 McLaren-Honda mit seinen Fahrern Ayrton Senna und Alain Prost gehalten.

Im Rennen um die besten Plätze im geschlagenen Feld hat der Kolumbianer Juan Pablo Montoya mit 47 Zählern derzeit die Nase vorn. Der BMW-Williams-Pilot belegte trotz einer peinlichen Kollision mit seinem Teamkollegen Ralf Schumacher in der zweiten Runde den vierten Gesamtrang hinter Coulthard und sicherte dem deutsch-britischen Rennstall erstmals Platz zwei in der Marken-WM.

Ralf Schumacher, der seinem Teamkollegen in einer Kurve in die Seite gerutscht war und dabei seinen Heckflügel verlor, musste nach dem Crash einen Zwangsstopp in der Box einlegen, während Montoya ohne größere Probleme weiterfahren konnte. Erst nach mehr als einer Minute ging Schumacher mit einer Runde Rückstand wieder auf die Strecke. Am Ende wurde er zwei Runden zurück nur 16. und Letzter.

Heidfeld gewinnt Sauber-Duell gegen Frentzen

Sauber-Pilot Nick Heidfeld fuhr auf den neunten Rang. Sein neuer Teamkollege Heinz-Harald Frentzen landete zweimal im Kiesbett und wurde schließlich nach 73 Runden 13. Allerdings waren die Bedingungen auch alles andere als optimal. Der vom Brasilianer Felipe Massa übernommene Bolide konnte in aller Eile nicht mehr für den größeren Frentzen hergerichtet werden.

Noch schlimmer traf es allerdings Kimi Räikkönen. Der McLaren-Mercedes-Pilote musste seinen Silberpfeil in der 52. Runde mit einem Motorschaden abstellen. Für den jungen Finnen war es bereits der zehnte Ausfall in dieser Saison.



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