Grand Prix von Deutschland Montoya gewinnt das Chaos-Rennen

Juan Pablo Montoya hat den Großen Preis von Deutschland auf dem Hockenheimring gewonnen. Nachdem Ralf Schumacher und Kimi Räikkönen bereits in der ersten Runde ausgeschieden waren, hätte nur noch Michael Schumacher den Kolumbianer gefährden können. Doch dann platzte dessen Reifen.


 Der neue Triumphator von Hockenheim: Juan Pablo Montoya
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Der neue Triumphator von Hockenheim: Juan Pablo Montoya

Hockenheim - Montoya hat sich in der Formel-1-WM zum schärfsten Verfolger von Titelverteidiger Michael Schumacher aufgeschwungen. Durch seinen zweiten Saisonsieg nach Monaco rückte der kolumbianische BMW-Williams-Pilot nach dem zwölften von 16 WM-Läufen in der Gesamtwertung mit 65 Punkten hinter Ferrari-Star Schumacher (71) auf Platz zwei vor.

Der Deutsche fiel nach einem Reifenschaden in der Schlussphase von Rang zwei auf Platz sieben zurück und blieb zum vierten Mal in Serie sieglos. "Da gibt es das schöne Wort, das mit S c h anfängt", sagte Schumacher frustriert, "das hat in der Vergangenheit andere getroffen, heute war ich dran. Wir können nur hoffen, dass wir uns in Budapest besser verkaufen."

Zweiter in dem chaotischen Rennen auf dem Hockenheimring wurde der Schotte David Coulthard im McLaren-Mercedes. Renault-Pilot Jarno Trulli (Italien) belegte nach 67 Runden den dritten Platz. Für das Mönchengladbacher Sauber-Duo verlief das Heimrennen unerfreulich. Nick Heidfeld blieb als Zehnter ohne Punkte; Heinz-Harald Frentzen war unmittelbar nach dem Start ausgeschieden.

Montoya dagegen gewann nach einer brillanten Leistung. "Es lief perfekt", sagte der Kolumbianer freudestrahlend und zuversichtlich für die restliche Formel-1-Saison: "Es sind noch vier Rennen. Da kann alles passieren."

Totalschaden: Kimi Räikkönen entstieg seinem Silberpfeil nach dem Startunfall unverletzt
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Totalschaden: Kimi Räikkönen entstieg seinem Silberpfeil nach dem Startunfall unverletzt

Der Grand Prix begann mit einem spektakulären Unfall: Etwa 200 Meter nach dem Start prallten der vorne liegende Ralf Schumacher und der von links hinten vorpreschende Kimi Räikkönen in Rubens Barrichellos Ferrari. Der finnische Silberpfeil-Pilot drehte sich danach mehrfach um die eigene Achse und prallte voller Wucht in einen Reifenstapel. "Das war nicht mein Fehler", sagte Räikkönen, "mir ist die Straße ausgegangen."

Ralf Schumacher konnte seinen schwer beschädigten Williams-BMW noch in die Box bringen, musste dann aber frustriert aussteigen. Damit waren drei der fünf WM-Kandidaten schon nach fünf Sekunden aus dem Rennen. Vom Automobil-Weltverband Fia wurde Schumacher als Schuldiger des Startcrashs bestraft. Die Rennkommissare entschieden nach einer Anhörung, dass er beim nächsten Grand Prix in Ungarn (24. August) zehn Startpositionen nach hinten rücken muss. BMW-Williams hat gegen diese Entscheidung jedoch Protest eingelegt.

"Ralf Schumacher gestand ein, bei diesem Manöver nicht auf die Position der anderen Autos geachtet zu haben", teilte die Fia nach der Anhörung des Trios mit. Deshalb sei es zu der Bestrafung gekommen. Unmittelbar nach dem Unfall hatte Schumacher noch gesagt: "Ich wüsste nicht, was ich da falsch gemacht haben sollte." Bei dem Zusammenprall seien Unterboden, Seitenkasten und Kühler kaputt gegangen. "Es hätte keinen Sinn mehr gemacht", sagte der 27-Jährige, der nun keine WM-Chance mehr für sich sieht: "Die Sache hat sich heute erledigt."

Nachdem Michael Schumacher am Rande des Rennens die angebliche Teamorder von McLaren-Mercedes in Silverstone kritisiert hatte ("Ich bin total überrascht, dass es keine Spekulationen darüber gegeben hat, wie leicht Kimi David überholt hat. Für mich war die Sache klar."), stellt sich nun eher die Frage, ob es jetzt bei BMW-Williams zu einer inoffiziellen Teamorder zugunsten von Montoya kommt, da erstmals in diesem Jahr eine Teamorder zugunsten eines Fahrers offiziell verboten ist.

Crash in der ersten Runde: Das Aus für Kimi Räikkönen (r.)
REUTERS

Crash in der ersten Runde: Das Aus für Kimi Räikkönen (r.)

Opfer des an die Startunfälle von 2000 und 2001 erinnernden Crashs wurden auch die weit hinten losgefahrenen Heinz-Harald Frentzen und Ralph Firman. Der Brite krachte mit seinem Jordan in den Sauber des Mönchengladbachers. Für Frentzen war es schon der fünfte Saisonausfall. Sofort kam das Safety-Car auf die Strecke und neutralisierte das Rennen bis zur vierten Runde.

Pole-Man Montoya konnte seine Führung vor dem Renault-Duo Jarno Trulli/Fernando Alonso verteidigen. Michael Schumacher, von Rang 6 gestartet, war nun Vierter. Der Kolumbianer baute seinen Vorsprung bis zum ersten Boxenstopp kontinuierlich aus. Parallel tankten Montoya und Michael Schumacher erstmals in der 18. Runde. Dabei büßte der Deutsche weitere wertvolle Sekunden ein. Nach dem ersten Grand-Prix-Drittel lag er schon 21 Sekunden hinter dem Südamerikaner.

Neue Hoffnung auf seinen 50. Ferrari-Sieg keimte bei Schumacher in der 31. Runde auf, als er den eingangs des Motodrom ins Gras rutschenden Alonso leicht überholen und sich auf Rang 3 vorschieben konnte. Nach Montoyas zweitem Stopp wenig später lag Schumacher noch 8,8 Sekunden zurück. Die anschließenden Reifenwechsel änderten nichts Wesentliches an der Konstellation: Obwohl der Kolumbianer drei und damit ein Mal mehr als die restlichen Top-Platzierten in die Box fuhr, deklassierte er die Konkurrenten in beeindruckender Manier.

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