Grand Prix von Europa Michael Schumacher siegt souverän

Nach einem eher unspektakulären Rennen auf dem Nürburgring hat Michael Schumacher seinen Vorsprung in der Formel-1-WM ausbauen können. Zum erwarteten Bruderduell kam es aufgrund einer Zeitstrafe für Ralf Schumacher nicht.


Michael Schumacher, der König vom Nürburgring
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Michael Schumacher, der König vom Nürburgring

Nürburgring - Ein "Kavaliersdelikt" von Ralf Schumacher hat seinem Bruder Michael auf dem Nürburgring den Weg zum Sieg geebnet. In der 39. Runde musste Ralf Schumacher in seinem BMW-Williams in eine Zeitstrafe von zehn Sekunden absitzen, weil er bei seinem Boxenstopp elf Runden zuvor verbotenerweise eine weiße Linie überfuhr. Dadurch fiel der 25-Jährige, der sich bis dahin ein packendes Duell mit seinem Bruder an der Spitze geliefert hatte, auf den vierten Platz zurück.

Für Michael Schumacher war danach vor 142.000 Zuschauern der Weg zum fünften Saisonsieg frei, den er von da an auf eher unspektakuläre Weise einfuhr. Der Ferrari-Star verwies nach 69 Runden den Kolumbianer Juan Montoya mit 4,2 Sekunden Vorsprung auf den zweiten Rang und feierte gewohnt überschwänglich seinen dritten Nürburgring-Triumph nach 1995 und 2000.

Prost-Rekord im Visier


"Schumi" freut sich über seinen fünften Saisonsieg
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"Schumi" freut sich über seinen fünften Saisonsieg

Der Schotte David Coulthard belegte im McLaren-Mercedes den dritten Platz vor Ralf Schumacher. Im Titelrennen dürfte in der Eifel eine Vorentscheidung gefallen sein. Michael Schumacher führt nach dem neunten von 17 WM-Läufen die Gesamtwertung mit 68 Punkten und bereits 24 Zählern vor Coulthard (44) an. Für den Weltmeister war es der 49. Grand-Prix-Erfolg seiner Karriere, lediglich der viermalige Champion Alain Prost (Frankreich) hat mehr Siege (51) auf dem Konto.

"Es gibt nichts Schöneres, als den Heim-Grand-Prix zu gewinnen. Ralf hat viel Druck gemacht, wir können froh sein, dass es heute so gut ausgegangen ist", sagte Michael Schumacher anschließend. Der Weltmeister kritisierte jedoch die Sportkommissare für die Regelauslegung im Fall seines Bruders: "Die waren sehr pingelig und haben für eine Kleinigkeit Ralfs Rennen zerstört." In Zukunft sieht der Ferrari-Pilot seinen Bruder und BMW-Williams als Hauptkonkurrenten: "Das wäre bestimmt sehr eng geworden, leider werden wir nie herausfinden, welchen Ausgang das Duell heute genommen hätte."

Zu den Pechvögeln des Wochenendes gehörten wieder einmal die Mönchengladbacher Heinz-Harald Frentzen und Nick Heidfeld. Frentzen musste an zehnter Stelle liegend 20 Runden vor Schluss seinen Jordan nach einem Dreher neben der Strecke abstellen. Einziger Lichtblick für Frentzen in einer ansonsten enttäuschenden Woche: Eddie Jordan bestätigte, dass der Deutsche auch 2002 für sein Team fahren wird. Heidfeld musste in der 56. Runde mit technischem Defekt seines Sauber aufgeben.

Hartes Startmanöver


Am Start hatte Michael Schumacher mit einem harten Manöver Platz eins gegen seinen Bruder verteidigt, als er Ralf nah an die rechte Begrenzungsmauer drängte. Der BMW-Williams-Pilot steckte zurück und reihte sich hinter dem Ferrari an Platz zwei ein. Juan Montoya verteidigte Rang drei, dahinter bogen schon Coulthard und Mika Häkkinen in die erste Kurve ein. Heidfeld verbesserte sich vom zehnten auf den neunten Platz und überholte dabei Frentzen.

Nachdem Michael Schumacher in den ersten Runden zunächst Ralf bis auf dreieinhalb Sekunden enteilt war, schob sich sein jüngerer Bruder ab Runde zehn kontinuierlich wieder näher heran. In Runde 18 nutzte er fast einen Fahrfehler von Michael zum Überholen, musste dann aber erneut zurückstecken.

Coulthard profitiert vom Regelverstoß


In Runde 28 setzte sich das Bruder-Duell an der Box fort, als die Brüder gleichzeitig zum ersten Halt fuhren. Michael wurde 1,3 Sekunden schneller abgefertigt und blieb vor Ralf, der zunächst hinter Coulthard wieder auf die Strecke kam. Auf der Ausfahrt aus der Boxengasse, unterlief dem BMW-Williams-Fahrer der entscheidenden Fehler, als die weiße Begrenzungslinie auf den letzten Meter überfuhr.

Ralf Schumacher ließ sich auch nach dem Rennen von BMW-Motorsport-Direktor Gerhard Berger nicht beruhigen, für den die Entscheidung der Sportkommissare korrekt war. "Das ganze Rennen hat mich wütend gemacht. Erst war ich am Start schneller, dann ist das Malheur an der Boxenausfahrt passiert", schimpfte Ralf und schilderte die entscheidende Szene: "Ich habe mich auf den Verkehr von hinten konzentriert und nicht auf die weiße Linie geachtet." Für Berger indes stand nach Ansicht der Videobilder fest: "Regeln sind Regeln, und Ralf hat einen Fehler gemacht."

In Runde 39 musste dann Ralf Schumacher deswegen die obligatorische Zehn-Sekunden-Strafe abbrummen, die letztlich das Rennen entschieden hat. Michael Schumacher konnte den Vorsprung locker verteidigen und brachte seine klare Führung auch nach dem zweiten Boxenstopp in Runde 50 vor Montoya ins Ziel. Coulthard profitierte von Ralf Schumachers Regelverstoß und rettete sich, obwohl der Silberpfeil wirklich nicht rund lief, aufs Podium.



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