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Erfolg in Belgien: Vettel und Webber feiern Doppel-Triumph

Foto: Valdrin Xhemaj/ dpa

Großer Preis von Belgien Red Bulls Reifenkritik lässt Pirelli toben

Nun wird über die Schuldfrage gestritten: Red-Bull-Chefdesigner Adrian Newey bezeichnete die Pirelli-Reifen nach dem Rennen in Spa als Sicherheitsrisiko. Der Hersteller konterte die Kritik - verantwortlich sei ganz allein der Rennstall. Sebastian Vettels Triumphfahrt geriet da fast in den Hintergrund.

Eigentlich gab es keinen Grund zur Kritik für Red-Bull-Chefdesigner Adrian Newey nach dem Großen Preis von Belgien. Seine Autos landeten einen Doppelsieg, und Sebastian Vettel baute seinen Vorsprung in der WM-Wertung auf 92 Punkte vor seinem Teamkollegen Mark Webber aus.

Trotzdem traf Newey nach dem Rennen Aussagen, die sogar für einen Gerichtsfall sorgen könnten. In einem BBC-Interview bezeichnete Newey die Reifen des italienischen Exklusivausrüsters Pirelli als Sicherheitsrisiko und brachte so das Blut der Italiener in Wallung. Ihre Reifen könnten platzen? Das können die Pirelli-Verantwortlichen nicht durchgehen lassen. Deshalb drohen sie Newey mit einer Klage wegen Rufschädigung, wenn der diese Aussagen nicht zurücknimmt. "Darüber muss man nachdenken," so ein Pirelli-Sprecher.

Der Reifenlieferant schiebt den Schwarzen Peter dem Briten und Red Bull zu: "Hätte sich Red Bull wie alle anderen auch an unsere Vorgaben gehalten, wären sie nie in Schwierigkeiten gekommen." Reifenhersteller Pirelli gibt vor jedem Rennen Randdaten für die Teams vor. Unter anderem werden dabei Untergrenze und Obergrenze von Reifendruck sowie der Sturz, also der Neigungswinkel der Räder, empfohlen.

Reifenprobleme bescheren Vettel ungutes Gefühl

Red Bull habe sich in Spa darüber hinweggesetzt und sich so selbst und in Eigenverantwortung in Schwierigkeiten gebracht, so Pirelli. Im Klartext: Um bei kühlen Asphalttemperaturen die Reifen schneller zum Arbeiten zu bringen - eine Schwäche Red Bulls bei den vergangenen drei Rennen - setzte sich Red Bull über die von Pirelli geforderten Daten hinweg und fuhr einen Radsturz, der außerhalb der Grenzwerte lag. Und bekam Schwierigkeiten.

"Nach meiner Pole-Position am Samstag haben wir Probleme mit unseren Reifen festgestellt", sagte Vettel: "Da fehlten richtig große Stücke auf der Lauffläche, und wir wussten nicht, ob sie überhaupt halten würden und nicht platzen. Es gab sogar die Überlegung, ob wir uns frische Sätze geben lassen und dafür aus der Box starten und dadurch ans Ende des Feldes rutschen." Laut Reglement müssen die ersten zehn eines Qualifyings mit der gleichen Fahrzeugabstimmung das Rennen starten, mit dem sie auch das letzte Zeittraining bestritten haben. Das betrifft auch die Reifen.

Während Vettel selbst das ungute Gefühl beschrieb, das ihm die Reifen beschert hatten, bekam Pirelli Unterstützung von der Red-Bull-Konkurrenz. So sagte man bei Ferrari, dass man sich an die empfohlenen Werte gehalten habe - und keine Sicherheitsprobleme aufgetreten seien.

Vettel: "Ich will immer gewinnen, egal wo"

Das Reifen-Risiko, das Vettel und sein Team eingegangen sind, hat aber auch gezeigt, dass Vettel seinen WM-Vorsprung nicht nur verwalten will, wie es einige Kritiker angeprangert hatten. Ein reiner Punkteverwalter wäre anders gefahren. Vettel sagte dazu: "Das war sowieso Blödsinn. Ich will immer gewinnen, am liebsten jedes Rennen, egal wo. Der Sieg in Spa schmeckt besonders süß, da die Strecke für mich neben Suzuka (Großer Preis von Japan, d. Red.) zu den attraktivsten überhaupt zählt."

In Spa zeigte sich auch, dass die Ferrari-Piloten Fernando Alonso und Felipe Massa keine Chance haben, mit Vettel und Webber mitzuhalten. Nach den vergangenen Rennen wähnte man sich bei dem italienischen Rennstall wieder auf Augenhöhe mit Red Bull. Doch das erwies sich als Irrtum. Alonso wurde Vierter, Massa landete auf Rang acht.

McLaren erscheint da doch gefährlicher. Dort könnte das Motto "Fortschritt durch Rückschritt" lauten: McLaren hat keine neuen Teile mehr am Auto ausprobiert, sondern sich ganz auf das optimale Verwerten der alten, aber bekannten Teile konzentriert. "Dadurch", sagt Ex-Weltmeister Jenson Button, "holen wir jetzt das Maximum aus dem Auto heraus."

WM-Spannung tendiert gen null

Red Bull hatte sich trotz Reifenrisikos auch am Auto verbessert. "Besonders im Bereich des Vorderwagens hatten wir Neuerungen, die uns schneller machten", gab Teamchef Christian Horner zu.

Für die WM bedeutete das Rennen in Spa mit dem Sieger Vettel vor allem eines: Der Titelkampf ist so gut wie entschieden. Nicht nur, dass Vettel jetzt schon drei WM-Punkte mehr auf dem Konto hat als bei seinem Titelgewinn 2010. Vettels Punktevorsprung ist auch der drittgrößte Vorsprung der Formel-1-Historie. Nur Michael Schumacher mit Ferrari 2004 und Nigel Mansell (Williams) 1992 hatten nach elf Saisonrennen die Nase noch weiter nach vorn.

Der Titel ist ihm unter normalen Umständen nicht mehr zu nehmen. Während Schumacher in BMW-Pilot Juan-Pablo Montoya und Mansell in Ayrton Senna nur jeweils einen Titelkonkurrenten hatten, gibt es hinter Vettel eine Vielzahl von Fahrern, die noch um Rennsiege mitfahren. "Dieses Jahr gibt es praktisch sechs Piloten, die Rennen gewinnen können", analysiert Ex-Teamchef Eddie Jordan, "die nehmen sich gegenseitig die Punkte weg. Alles läuft für Vettel".

In Zahlen heißt das: Webber holte als WM-Zweiter aufgrund der starken Konkurrenz durchschnittlich etwa 14 Punkte pro Rennen. Bleibt dieser Wert bis zum Ende der Saison bestehen, könnte Webber Vettel im letzten Saisonrennen in Brasilien überholen - allerdings nur, wenn der keine Punkte mehr holt. Deshalb ist sich Eddie Jordan sicher: "Man müsste Vettel schon mit Gewalt vom Auto weghalten. Das Ding ist gegessen."

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