Großer Preis von Brasilien Alonso neuer Weltmeister

Die Entscheidung ist gefallen: Fernando Alonso ist neuer Formel-1-Weltmeister und dazu der jüngste aller Zeiten. Der Spanier benötigte einen dritten Rang beim Großen Preis von Brasilien, und genau dort landete der Renault-Pilot auch. Für Kimi Räikkönen war der zweite Platz in Sao Paulo wertlos.


Weltmeister Alonso: Erster Titel
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Weltmeister Alonso: Erster Titel

Sao Paulo - Räikkönen wurde beim Großen Preis von Brasilien Zweiter hinter seinem Teamkollegen Juan Pablo Montoya im McLaren-Mercedes. Es war Montoyas dritter Saisonsieg. Alonso wurde Dritter und holte sich seinen ersten Formel-1-Titel. Der 24-Jährige wurde der jüngste Champion aller Zeiten, ließ in Sao Paulo ausgerechnet seinen Vorgänger Michael Schumacher im Ferrari hinter sich und beendete damit dessen fünfjährige Herrschaft. "Fernando ist ein würdiger Weltmeister. Es war uns allen klar, dass die Ablösung irgendwann mal kommt - heute war es halt so weit", sagte Schumacher, der den Blick bereits nach vorn richtete: "Wir wollen uns in den letzten Rennen ein gutes Gefühl für die neue Saison holen, da greifen wir wieder an." Bei zwei noch ausstehenden Rennen führt Alonso die Gesamtwertung mit 23 Punkten Vorsprung uneinholbar vor Räikkönen (117:94) an. Für Renault-Teamchef Flavio Briatore war es nach den Titeln mit Schumacher 1994 und 1995 (Benetton Renault) die dritte Fahrer-WM."Es ist für mich derzeit unmöglich, meine Gefühle auszudrücken. Es ist ein sehr, sehr emotionaler Tag für mich", sagte ein sichtlich bewegter Alonso. Am Anfang dachte er, er könne mit den Silberpfeilen um den Sieg mitfahren, doch so sei es später ein einsames Rennen für ihn gewesen: "Immerhin konnte ich Michael Schumacher kontrollieren und hinter mir halten." Fünfter wurde Alonsos Teamkollege Giancarlo Fisichella vor Rubens Barrichello im zweiten Ferrari. Ralf Schumacher kam im Toyota als Achter ins Ziel und verbuchte damit noch einen WM-Punkt. Durch den Doppelsieg übernahm McLaren wieder die Führung in der Konstrukteurswertung (164 Punkte) vor Renault (162). In der Fahrerwertung rutschte Michael Schumacher hinter Montoya zurück. Beide sind punktgleich, jedoch hat der Kolumbianer mehr Rennen in diesem Jahr gewonnen als der siebenmalige Weltmeister. Als fairer Verlierer zeigte sich Mercedes-Sportchef Norbert Haug: "Fernando hat die WM verdient gewonnen, er war insgesamt zuverlässiger als wir. Wir haben zu Saisonbeginn viele Punkte nicht gemacht, das hängt uns heute nach."

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Großer Preis von Brasilien: König Fernando

Einen schwarzen Tag erlebte das BMW-Williams-Team. Für den Heidfeld-Ersatz Antonio Pizzonia war das "Heimspiel" nach nur sechs Sekunden und einer Startkollision beendet. Sein Teamkollege Mark Webber, der ebenfalls in diesen Crash verwickelt war, musste kurz darauf sein beschädigtes Auto an der Box abstellen. Nach schier endloser Reparatur nahm der Australier das Rennen mit 25 Runden Rückstand wieder auf - und kam schließlich als Letzter ins Ziel. Ob der verletzte Heidfeld die letzten beiden Rennen in Suzuka (9. Oktober) und Schanghai (16. Oktober) fahren kann, ist derzeit noch ungewiss.Nachdem das Rennen nach der turbulenten Anfangsphase wieder frei gegeben worden war, zog Montoya in Runde drei an Alonso vorbei an die Spitze. Auch Räikkönen attackierte den Spanier, der seinen zweiten Platz aber zunächst zäh verteidigte. Michael Schumacher wurde nach einem guten Start vom Italiener Giancarlo Fisichella wieder von Rang vier verdrängt. Bereits in Runde 23 fuhr Alonso als erster aus der Spitzengruppe zum ersten Tankstopp an die Box. Räikkönen blieb hingegen acht Runden länger auf der Strecke und reihte sich schließlich vor Alonso und hinter Teamkollege Montoya auf Platz zwei ein. Auch für Schumacher verlief der erste Stopp erfreulich, der 36-Jährige kam knapp vor Fisichella wieder als Vierter aus der Box. Montoya und Räikkönen zogen vorne als Silberpfeil-Doppelspitze einsam ihre Kreise. Alonso konnte dem Duo nicht mehr folgen, sein dritter Platz geriet aber nicht mehr in Gefahr.

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F1-Star Alonso: Supertalent auf der Überholspur

An der Strecke konnte sich Alonso über die Unterstützung durch seinen Vater Jose Luis freuen, der extra aus Spanien angereist war, um den ersten WM-Titel seines Filius nicht zu verpassen. Vater und Sohn verbindet eine enge Beziehung. "Ich bin niemandem zu Dank verpflichtet außer meinem Vater. Er hat mir diese Karriere erst ermöglicht", hatte Alonso junior im Vorfeld des Grand Prix gesagt.



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