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07. Oktober 2007, 09:41 Uhr

Großer Preis von China

Hamilton holt Alonso und Räikkönen zurück ins Titelrennen

Von Pavo Prskalo

Drama um Lewis Hamilton: Der Brite schied beim China-Grand-Prix auf Rang zwei liegend aus. Den Sieg in Shanghai sicherte sich Kimi Räikkönen vor Fernando Alonso. Damit wird der Weltmeister beim Großen Preis von Brasilien in zwei Wochen ermittelt.

Shanghai - Hamilton musste das Rennen in der 32. Runde aufgeben, nachdem er in der Kurve zur Boxeneinfahrt von der Strecke ins Kiesbett gerutscht war. "Ich bin sehr enttäuscht, aber es gibt ja noch ein Rennen. Ich liege immer noch vorn, ich greife an", sagte der 22-Jährige direkt nach seinen ersten Ausfall in der laufenden Saison. Hamilton war auf Platz zwei liegend auf dem Weg, sich frische Pneus abzuholen, weil sich seine Intermediate-Reifen bei feuchten Bedingungen stark abgenutzt hatten. Zwar versuchte Hamilton, auf die Strecke zurückzukehren, doch es gelang ihm trotz Hilfe der Streckenposten nicht, den Boliden wieder auf Kurs zu bringen. "Es war mein erster Fehler im ganzen Jahr, und der ist ausgerechnet auf dem Weg in die Box passiert. Sowas passiert mir normalerweise nicht", sagte Hamilton.

Damit vergab er die erste von zwei Chancen, sich als jüngster Formel-1-Pilot den WM-Titel zu sichern. Den Sieg in Shanghai sicherte sich Ferrari-Pilot Räikkönen vor Hamiltons Teamkollegen Alonso. Rang drei ging an Felipe Massa (Ferrari). Bester Deutscher war Sebastian Vettel im Toro Rosso als Vierter.

"Das ist Motorsport", sagte McLaren-Teamchef Ron Dennis, "es ist anders gekommen als erwartet. Wir setzen jetzt voll auf Brasilien. Beide Fahrer liegen in aussichtsreicher Position." Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug gab sich trotz des Hamilton-Ausfalls optimistisch: "Beide Fahrer können noch Weltmeister werden. Die Ausgansposition ist immer noch sehr, sehr gut. Wer jetzt auf Panik macht, ist falsch bei uns."

Vor dem letzten Grand Prix in Brasilien in zwei Wochen führt Hamilton mit 107 Punkten zwar noch in der Fahrerwertung, sein Vorsprung auf Alonso ist allerdings von zwölf auf vier Punkte zusammengeschmolzen. "Es wird nicht leicht, Lewis im letzten Rennen vier Punkte abzunehmen", sagte Alonso: "Irgendetwas Dramatisches muss in Brasilien passieren, sonst schaffe ich das nicht."

Auch Räikkönen kann mit sieben Punkten Rückstand auf Hamilton in Brasilien noch Formel-1-Champion werden. "Ich hoffe auf ein gutes Auto, wir haben heute gesehen, was alles möglich ist", sagte der Finne: "Allerdings sehe ich unsere Chancen nicht so gut."

Hamiltons Reifen immer schwächer

Bis zur Hälfte des Rennens war Hamilton klar auf Titelkurs. Ohne Probleme verteidigte der Engländer beim Start Platz eins. Bei feuchter Witterung - die befürchteten Ausläufer des Taifuns "Krosa" waren allerdings nicht zu spüren - baute Hamilton seine Führung vor Räikkönen, Massa und Alonso kontinuierlich aus. Auch nach den ersten Boxenstopps änderte sich nichts an der Rangfolge. Der beste Neuling in der Formel-1-Historie führte souverän das Feld an.

Als allerdings nach 27 von 56 Runden der Regen heftiger wurde, rächte es sich für Hamilton, beim ersten Boxenstopp auf einen Reifenwechsel verzichtet zu haben. Räikkönen kam immer näher und überholte ihn. Die Reifen an Hamiltons McLaren-Mercedes bauten immer mehr ab. Als er dann seine Reifen wechseln wollte, rutschte er in der Boxeneinfahrt ins Kiesbett, blieb stecken und musste aufgeben. "Die Reifen sind immer schlechter und schlechter geworden, man konnte fast die Felgen sehen", sage Hamilton: "Als ich in die Boxengasse eingebogen bin, war es wie Eis. Ich konnte nichts machen. Es hätte alles perfekt laufen können, aber so ist es halt schief gegangen."

Durch Hamiltons Ausfall war der Weg frei für Räikkönen, der nach 305,066 Kilometern in 1:37:58,359 Stunden als Erster über die Ziellinie raste.

Für Nick Heidfeld im BMW-Sauber lief es dagegen nicht so gut. Er musste sich mit Platz sieben zufriedengeben. Nico Rosberg landete im Williams auf dem 16. Platz. Ralf Schumacher schied im vorletzten Rennen für Toyota nach einem Dreher aus, Sekunden später war auch für Adrian Sutil der Grand Prix nach einem Unfall mit seinem Spyker beendet.

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