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GP von Deutschland: Ferrari feiert Doppelsieg

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Großer Preis von Deutschland Ferrari verdirbt Vettel den Heimsieg

Er wollte sich mit einem Triumph im Titelkampf zurückmelden - doch Sebastian Vettel verpatzte den Start und kam trotz Pole-Position auf dem Hockenheimring nur als Dritter ins Ziel. Ferrari feierte zwar einen Doppelsieg, sorgte aber für Ärger wegen einer verbotenen Teamorder.

Großen Preis von Deutschland

Michael Schumacher

Es ist wie so oft in den vergangenen Jahren am Hockenheimring: Ferrari gewinnt den . Doch diesmal löst das Ergebnis keine Jubelstimmung auf den Tribünen aus. Denn es ist nicht wie 2002, 2004 und 2006 , der für den italienischen Formel-1-Traditionsrennstall triumphiert, sondern der Spanier Fernando Alonso. Schumacher fährt mittlerweile für Mercedes - und der Konkurrenz hinterher. In Hockenheim erlebt der 41-Jährige erneut ein Debakel, muss sich überrunden lassen und belegt am Ende Platz neun.

Red-Bull

Die Hoffnungen der deutschen Motorsport-Fans lagen vor dem Wochenende ohnehin auf Sebastian Vettel. Der -Pilot wollte sich mit einem Heimsieg im Titelkampf zurückmelden, den vor zwei Wochen in Silverstone verlorenen Boden auf die McLaren-Rivalen Lewis Hamilton und Jenson Button wieder gutmachen.

Zunächst schien das Vorhaben zu gelingen. Vettel sicherte sich im Qualifying am Samstag die Pole-Position - die perfekte Ausgangsposition für den ersten Heimsieg des 23-Jährigen. Doch der Start misslang Vettel gründlich. "Ich weiß nicht, was passiert ist. Ich kam die ersten fünf bis zehn Meter nicht richtig weg und war sogar froh, dass der Motor nicht abgestorben ist. Die Drehzahl war ganz unten", sagte er in der Pressekonferenz nach dem Rennen.

"Platz drei war heute das Maximum"

Vettel

Alonso und Massa nutzten diesen Patzer und zogen noch vor der ersten Kurve vorbei. Nach wenigen hundert Metern waren Vettels Sieghoffnungen fast völlig dahin. Zumal er während des gesamten Rennens nicht mehr in die Position kam, einen Angriff auf die Ferraris zu starten. "Platz drei war heute das Maximum", sagte , "ich habe ein bis zwei Zehntelsekunden pro Runde verloren. Da konnten wir nicht mithalten."

Mit dem Ergebnis kann Vettel nicht zufrieden sein.

Statt der erhofften 25 WM-Zähler sammelte er lediglich 15 - und verpasste so den Sprung auf Platz zwei in der Gesamtwertung. Der Rückstand auf Spitzenreiter Lewis Hamilton (157 Punkte) beträgt 21 Zähler, statt der möglichen elf Punkte.

Zum wiederholten Mal in dieser Saison verpasste Vettel die optimale Ausbeute mit dem eigentlich überlegenen Red-Bull-Boliden. Zu Beginn des Formel-1-Jahres bremsten ihn technische Probleme aus, ein missglückter Boxenstopp warf ihn in China zurück und in der Türkei kollidierte er mit Teamkollege Mark Webber.

In der WM-Wertung liegen deshalb Hamilton und Vorjahres-Weltmeister Jenson Button (143 Punkte) vorn. Das McLaren-Duo punktet zuverlässig, so wie auch in Hockenheim mit den Plätzen vier und fünf.

Fataler Ferrari-Funkspruch

Äußerst sprunghaft in ihren Leistungen präsentierte sich dagegen das Ferrari-Duo in den vergangenen beiden Rennen. Auf die Plätze 14 und 15 vor zwei Wochen beim Großen Preis von Großbritannien folgte nun ein Doppelsieg in Hockenheim. "Das Auto ist deutlich verbessert", sagte Alonso. "Wir wissen, dass es auf gewissen Strecken besser funktioniert als auf anderen."

Die überraschende Leistungssteigerung hatte sich bereits im Qualifying am Samstag angedeutet, als Alonso die Pole-Position lediglich um zwei Tausendstelsekunden verpasste. "Wir stehen erstmals in dieser Saison in der ersten Startreihe. Das ist ein Schritt nach vorn", hatte der zweimalige Weltmeister gesagt. "Wir haben gute Chancen im Rennen."

Er sollte Recht behalten.

Der Triumph der Roten besitzt allerdings einen faden Beigeschmack. Massa führte 49 von 67 Runden lang das Rennen an, dann griff die Ferrari-Box per Funkspruch ein: "Fernando ist schneller. Kannst du diese Nachricht bestätigen?" Kurz darauf beschleunigte der 29-Jährige nicht richtig aus einer kurve heraus, Alonso zog mühelos vorbei. "Tut mir leid, Junge", funkte Renningenieur Rob Smedley an den Brasilianer.

Alonso

Massa

Laut Regelwerk des Internationalen Automobilverbands Fia allerdings ist eine Stallorder verboten. "Das war keine Teamorder", sagte Teamchef Stefano Domenicali. Weiteren Nachfragen wichen er sowie und der sichtlich unzufriedene jedoch aus. "Wir haben einen guten Job für das Team gemacht", war Massas einzige Antwort auf der Pressekonferenz.

100.000 Dollar Geldbuße

Die Rennkommissare der Fia verhängten dennoch wegen des Vorwurfs der Teamorder eine Geldstrafe in Höhe von 100.000 Dollar gegen Ferrari. Zudem wird der Fall zur weiteren Untersuchung an den Motorsport-Weltrat übergeben. Am Rennergebnis von Hockenheim ändert sich allerdings nichts. Weitere Konsequenzen sind derzeit nur schwer absehbar: Der Motorsport-Weltrat dürfte es schwer haben, die Strafe zu ändern. Er könnte das Reglement anpassen. Aber auch eine Rückstufung der Piloten in der Startaufstellung für das Rennen am kommenden Sonntag in Ungarn (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) oder eine Bewährungsstrafe sind möglich.

Ferrari

wird die Geldbuße gerne in Kauf nehmen. Aus Sicht des Rennstalls war es beinahe zwingend erforderlich, dass Alonso den Grand Prix gewinnt. Massa liegt im Gesamtklassement zu weit zurück, um noch in den WM-Kampf eingreifen zu können. Alonso (123 Punkte) ist durch den Sieg, der sieben Zähler mehr bringt als Platz zwei, wieder in Schlagdistanz zu den besten Vier gerückt.

Der ehemalige Ferrari-Pilot Schumacher zeigte Verständnis für die Aktion: "Es geht um den Titel. Wenn da am Ende die Punkte aus Hockenheim fehlen, fragt doch jeder: Was sind das denn für Deppen?" Schumacher selbst hat momentan ganz andere Sorgen, als sich über Titelchancen Gedanken zu machen.

Schwächelnder Rekordweltmeister

Das Heim-Comeback des Mercedes-Werksteams ging gründlich daneben, beide Silberpfeile wurden überrundet. Nico Rosberg fuhr als Achter über die Ziellinie. Schumacher ergatterte als Neunter gerade noch zwei WM-Punkte. Der schwächelnde Rekordweltmeister gab dem Auto die Schuld. "Es wird für jeden ersichtlich sein, dass das Problem nicht zwischen Lenkrad und Tank liegt", sagte Schumacher.

Den Grund für die Schwierigkeiten sieht er im generellen Testverbot während der Saison. Bei fast jeder Gelegenheit forderte der siebenmalige Champion in Hockenheim eine Aufhebung des Test-Banns. "Dass man bei einem Sport auf diesem Niveau keine Möglichkeit hat zu trainieren, ist lächerlich", sagte Schumacher. Seine Forderung ist verständlich, galt er doch stets als fleißigster Tester und Entwickler unter den Formel-1-Piloten. Zusätzliche Kilometer im Silberpfeil würden seinen Erfahrungsrückstand mit den aktuellen Fahrzeugen verringern.

So bleibt Schumacher nur die Hoffnung, 2011 in einem siegfähigen Auto zu sitzen.

mit Material der dpa
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