Großer Preis von Großbritannien Barrichello trotzt allen Turbulenzen

Zwei Safety-Car-Phasen, ein lebensmüder Demonstrant und jede Menge Boxenstopps. Das Formel-1-Rennen in Silverstone war nichts für schwache Nerven. Am Ende siegte Ferrari-Rennfahrer Rubens Barrichello vor Juan-Pablo Montoya und Kimi Räikkönen. Michael Schumacher wurde Vierter und verteidigte seine WM-Führung.


Silerstone-Sieger Rubens Barrichello: "Er ist ganz toll gefahren"
REUTERS

Silerstone-Sieger Rubens Barrichello: "Er ist ganz toll gefahren"

Silverstone - Ein dramatischer Zwischenfall hat den Großen Preis von Großbritannien zu einem Roulette gemacht, aus dem Rubens Barrichello, 31, am Sonntag in Silverstone als großer Sieger hervor gegangen ist. Mit seinem insgesamt sechsten Erfolg half der Brasilianer seinem Ferrari-Stallgefährten Michael Schumacher, nach dem elften Lauf der Weltmeisterschaft die sichere Führung in der Gesamtwertung gegen den Finnen Kimi Raikkönen zu behaupten. Der fünfmalige Weltmeister kam nach einer tollen Aufholjagd hinter Barrichello, Juan-Pablo Montoya (Kolumbien) und Raikkönen noch auf Platz vier und wusste am Schluss nicht, ob er froh oder enttäuscht sein sollte: "Wenn man alle Umstände bewertet, muss man sogar noch zufrieden sein."

Wütender Haug


Für ein dramatisches Intermezzo sorgte in der zwölften Runde ein Zuschauer, der auf die Piste rannte und damit sich und die Piloten in Lebensgefahr brachte. Das Drama ereignete sich auf einer Geraden, auf der die Piloten dem Fan mit 300 Stundenkilometer entgegen rasten. Damit wiederholte sich ein Zwischenfall aus dem Jahr 2000 auf dem Hockenheim-Ring, wo ebenfalls ein Fan auf die Rennstrecke gestürmt war - und ebenfalls Barrichello gewonnen hatte. "Das war viel gefährlicher, als es aussah. Es hätte das Schlimmste passieren Können", schimpfte Mercedes-Motorsport-Chef Norbert Haug und sprach sogar von einem "Anschlag", der Konsequenzen haben müsse.

Das Rennen in Silverstone musste zweimal per SafetyCar unterbrochen werden. Die Reihenfolge der Fahrer wurde total durcheinander gewürfelt. So war es auch dem überlegenen Ferrari-Paket zu verdanken, dass sich Barrichello wieder ganz nach vorn fuhr und Michael Schumacher mit seinem vierten Rang noch für Schadensbegrenzung sorgen konnte. Das Punkteverhältnis vor den fünf letzten Rennen der Saison lautet nun 69:62 gegenüber Raikkönen.

Während der in letzter Zeit viel kritisierte Barrichello zum großen Gewinner in Silverstone wurde und Ferraris Vorsprung in der Teamwertung auf zehn Punkte gegenüber Williams-BMW ausbauen half, wurde Ralf Schumacher zum großen Verlierer. Nach seinen zwei Siegen auf dem Nürburgring und in Magny-Cours blieb für den 28-Jährigen auf seinem BMW-Williams nur der neunte Platz übrig, womit er erstmals in dieser Saison bei einem Grand Prix keinen WM-Punkt einfahren konnte. In der Gesamtwertung liegt Ralf Schumacher hinter seinen Stallgefährten Montoya (55) auf dem vierten Platz (53).

Lob für Barrichello


Rubens Barrichello auf der Strecke in Silverstone
AP

Rubens Barrichello auf der Strecke in Silverstone

"Ich konnte Rubens zum Schluss nicht mehr halten", sagte Raikkönen, der mit seinem McLaren-Mercedes auch dem Ansturm von Montoya nicht widerstehen konnte. Der waghalsige Barrichello erntete für seinen Parforce-Ritt Anerkennung von allen Seiten. Der Brasilianer hat nun wieder ein sehr gutes Argument in seinen Vertragsverhandlungen mit Ferrari. Der Kontrakt, der bis 2004 geht, war zuletzt durch eine Serie von Fehlern von Barrichello in Frage gestellt worden. "Er ist ganz toll gefahren", lobte Michael Schumacher.

Bei Lufttemperaturen von 20 Grad verdrängten der Italiener Jarno Trulli (Renault) und Raikkönen den Trainingsschnellsten Barrichello durch einen Blitzstart vom ersten Platz, die Schumacher-Brüder behaupteten Rang vier und fünf. Doch bereits nach drei Runden musste das Safety Car erstmals auf die Strecke, nachdem sich ein Verkleidungsteil von David Coulthards Wagen gelöst hat und auf der Strecke lag.

Für Aufregung sorgte allerdings die zweite Safety-Car-Phase in der zwölften Runde. Während das Rennen neutralisiert wurde und ein Streckenposten den auf der Piste den Rennwagen entgegenlaufenden Fan zu Fall brachte, versuchten fast alle Piloten die Ausnahmesituation zum Nachtanken zu nutzen. Das Chaos an den Pumpstationen wirbelte das gesamte Feld durcheinander. Plötzlich war der Brasilianer Cristiano da Matta auf seinem Toyota in Front, Michael Schumacher wurde um neun Ränge auf den 14. Platz zurückgeworfen.

Den größten Nutzen aus diesem Boxen-Roulette zog zunächst Raikkönen. Als Fünfter und Bestplatzierter der Favoriten nach der Unterbrechung gewann er die Spitze, und die Konkurrenz blieb erst einmal im aufgescheuchten und durcheinander gewirbelten Feld stecken. Mit großem Einsatz und riskanten Überholmanövern mühte sich Michael Schumacher, in dem Rennen über 308,355 Kilometer (60 Runden á 5,141 km) Boden gut zu machen.



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