Großer Preis von Italien Montoyas erster Sieg

Der kolumbianische BWM-Williams-Pilot Juan-Pablo Montoya hat am Sonntag den Großen Preis von Italien in Monza gewonnen. Es war sein erster Triumph in der Formel 1.


Juan-Pablo Montoya: Bei der Siegerehrung wurde auf die obligatorische Champagnerdusche verzichtet
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Juan-Pablo Montoya: Bei der Siegerehrung wurde auf die obligatorische Champagnerdusche verzichtet

Monza - Juan-Pablo Montoya (BMW-Williams) gewann das Rennen, in das er von der Pole Position aus gegangen war, vor dem Ferrari-Fahrer Rubens Barrichello. Dritter vor 150.000 Zuschauern auf dem italienischen Hochgeschwindigkeitskurs wurde Montoyas Teamkollege Ralf Schumacher vor seinem Bruder Michael im Ferrari. Mit seinem zweiten Platz von Monza verbesserte sich Barrichello deutlich in der Fahrerwertung. Mit 54 Punkten liegt "Rubinho" jetzt nur noch drei Punkte hinter dem Zweitplatzierten David Coulthard (McLaren-Mercedes), der das Rennen am Sonntag vorzeitig beenden musste.

Vor dem Rennen war bei der traditionellen Fahrerparade vor der Hauptribüne eine Schweigeminute im Gedenken an die Opfer der Terroranschläge in den USA eingelegt worden. Zahlreiche Teams hatten ihre Wagen mit Zeichen der Trauer versehen. "Die meisten Piloten wären hier nicht angetreten, wenn sie die Wahl gehabt hätten", zog Ralf Schumacher das Fazit des Rennwochenendes.

Sein Bruder Michael verschwand nach dem Grand Prix kommentarlos im Ferrari-Motorhome un ließ eine Stunde nach dem Rennen erklären: "Zum Glück ist alles gut gegangen und nichts passiert. Ich bin froh,dass das Rennen vorbei ist und alle heil geblieben sind. Es ist schade für Rubens, der hätte gewinnen können. Aber das Wichtigste ist, dass nichts Schlimmes passiert ist an diesem Wochenende." Bei der Siegerehrung wurde auf die obligatorische Champagnerdusche verzichtet.

Ralf Schumacher bleibt lange draußen

Nach zahlreichen Führungswechseln hatte der bis dahin eher unauffällig fahrende Ralf Schumacher 25 Runden vor Rennende die Spitze übernommen. Zu diesem Zeitpunkt allerdings war er der einzige Fahrer des Führungsquartetts mit Barrichello, Montoya und Michael Schumacher, der noch keinen Boxenstopp absolviert hatte.

In der Folgezeit fuhr Ralf Schumacher dank seines immer leichter werdenden Autos an der Spitze schnelle Rundenzeiten und konnte den Abstand zu Barrichello halten. In der 35. Runde aber musste dann auch der jüngere der beiden Schumacher-Brüder in die Box, stand dort knappe acht Sekunden, in denen das Verfolgertrio Barrichello, Montoya und Michael Schumacher an ihm vorbeizog.

Juan-Pablo Montoya führt vor Michael Schumacher
REUTERS

Juan-Pablo Montoya führt vor Michael Schumacher

BMW-Williams profitiert von Ferrari-Boxenstopps

Als die Ferrari dann ihren jeweils zweiten Stopp nahmen, profitierten die beiden, auf Ein-Stopp-Strategie vertrauenden BMW-Williams davon. Zwölf Runden vor dem Ende lag Montoya in Führung vor Ralf Schumacher, Barrichello und Michael Schumacher. Was die Situation so interessant machte, war die Tatsache, dass Montoya wieder langsamer wurde, Ralf Schumacher sich ihm Runde um Runde näherte - mit Barrichello am Hinterrad.

Doch dann spielten die Hinterreifen des jüngeren der beiden Schumacher-Brüder nicht mehr mit, sein Wagen lag nicht optimal und eingangs der 46. Runde "kassierte" der Brasilianer den Deutschen und dessen BMW. Barrichello konnte die sieben Sekunden Vorsprung, die Montoya an der Spitze aufwies, nicht mehr entscheidend verringern und damit den ersten Grand-Prix-Sieg des Kolumbianers verhindern.

McLaren-Mercedes fällt komplett aus

Nach nicht einmal der Hälfte der Renndistanz von 53 Runden hatte sich das McLaren-Mercedes-Team aus dem Geschehen verabschiedet. Nachdem David Coulthard sein Auto bereits in der siebten Runde "abgestellt" hatte, dreizehn Runden später folgte ihm sein Teamkollege Mika Häkkinen.

Auch Heinz-Harald Frentzen (Prost) musste das Rennen in der 30. Runde aufgeben. Der vierte Deutsche im Feld, der Mönchengladbacher Nick Heidfeld (Sauber) belegte am Ende Rang elf. Dreizehn Wagen kamen ins Ziel.

Streitpunkt Indianapolis

Der Befehl der Formel-1-Bosse, trotz der Terror-Anschläge in den USA am 30. September in Indianapolis den 16. Grand-Prix dieser Saison stattfinden zu lassen, stößt bei vielen Fahrern auf Unverständnis. "Dass man mitten in den Herd hineinfliegt, kann ich nicht nachvollziehen. Das ist doch ein schlechter Witz. In Indianapolis waren im letzten Jahr 200.000 Zuschauer. Das ist einfach unverantwortlich", kritisierte BMW-Williams-Pilot Ralf Schumacher die Entscheidung.

Trotz aller Gefahren stand eine Absage für Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone nie ernsthaft zur Diskussion. "Wir haben nie in diese Richtung gedacht. Wir haben Verträge, und die müssen wir einhalten", sagte der Engländer im Interview mit dem Fernsehsender RTL, "die Leute in Indianapolis wollen, dass das Rennen stattfindet."



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