Großer Preis von Malaysia Krieg wird die Formel 1 nicht stoppen

Der Krieg im Irak hat auch die Formel 1 eingeholt. Das zweite Rennen der neuen Saison am Sonntag in Malaysia soll allerdings nicht abgesagt werden. Die Reaktionen der Fahrer fallen durchaus unterschiedlich aus.


Während Juan Pablo Montoya (unten, Mitte) spricht, hören ihm seine Fahrerkollegen Rubens Barrichello (unten l.), Jarno Trulli (u.r.), Heinz-Harald Frentzen (oben rechts), Jenson Button (o.M.) und Jos Verstappen (o.l.) zu
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Während Juan Pablo Montoya (unten, Mitte) spricht, hören ihm seine Fahrerkollegen Rubens Barrichello (unten l.), Jarno Trulli (u.r.), Heinz-Harald Frentzen (oben rechts), Jenson Button (o.M.) und Jos Verstappen (o.l.) zu

Kuala Lumpur - "Wir fahren nicht mit geschlossenen Augen und wissen sehr genau, was um uns herum passiert", sagte Weltmeister Michael Schumacher am Donnerstag auf einer Pressekonferenz vor dem Großen Preis von Malaysia in Kuala Lumpur. "Ich hätte aber viel lieber darüber diskutiert, wie man den Krieg hätte vermeiden können, doch es war immer nur die Frage, wann es losgeht, nicht warum."

Eine Absage des zweiten von 16 WM-Läufen am Sonntag (8.00 Uhr MEZ) ist für die Fahrer aber kein Thema. "Ich fühle mich sehr sicher und sehr wohl. Das Einzige, was hier gefährlich ist, das ist dieses Lungenvirus", sagte Vorjahressieger Ralf Schumacher. Die malaysischen Kampfjets, die nur wenige Stunden nach dem Kriegsausbruch im Irak demonstrativ über der Rennstrecke für ihre sonntägliche Flugshow übten, verbuchte er ironisch als "zusätzliche Sicherheitskräfte".

Schumacher kritisiert Formel-1-Boss


Für seinen Bruder Michael sind die Piloten ohnehin nicht die richtigen Ansprechpartner zum Thema einer möglichen Absage. "Die Formel 1 ist ein großes Gebilde, da gibt es keine Einzelentscheidungen, außer vielleicht von Max Mosley", sagte Schumacher und übte in einem RTL-Interview Kritik am Chef des Automobil-Weltverbandes Fia: "Ich bin nur ein kleines Rädchen und kann nichts eintscheiden. Das kann nur Mosley, der leider wieder nicht hier ist. Das finde ich nicht gut." Es hätte für Schumacher "schon Gesprächsbedarf" gegeben.

Nachdem bereits in Melbourne Mosleys geplante Aufklärung über die zahlreichen Regeländerungen nach einer mysteriösen Flugpanne ausgefallen war, sagte der Engländer auch seine Reise nach Malaysia kurzfristig ab, "weil eine Veranstaltung, für die ich gekommen wäre, im letzten Moment abgesagt wurde".

Zu dem Krieg im Irak äußerten sich auch viele andere Fahrer. "Ich glaube nicht, dass es irgendeine Auswirkung auf den Krieg hat, ob wir hier fahren oder nicht. Deshalb ist es in Ordnung, dass wir fahren", sagte Nick Heidfeld. Sein Mönchengladbacher Orts- und Sauber-Teamkollege Heinz-Harald Frentzen hofft, "dass die betroffenen Menschen dort nicht zu sehr unter dem Krieg leiden".

Barrichello will Zuschauer "vom Krieg ablenken"


Für den Brasilianer Rubens Barrichello ist es sogar wichtig, am Wochenende ein Rennen zu fahren. Zuschauer an der Strecke und vor den Fernsehern könnten sich damit "ein bisschen vom Krieg ablenken".

Auch BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen plädierte dafür, Sport und Politik zu trennen. "Wir sind hier, um den Fans in Asien guten Sport zu bieten. Dafür gehen wir an den Start", sagte Theissen, "wir fühlen uns sicher, und es gibt im Moment keinen Grund, zu reagieren."

Sein Pilot Juan Montoya dagegen war nur wenig beeindruckt von den Kriegsnachrichten: "Bei uns zu Hause in Kolumbien haben wir seit mehr als 30 Jahren Krieg. Nachrichten von Toten und Entführungen gibt es bei uns jeden Tag. Ich bin daran gewöhnt, schlechte Nachrichten zu verdrängen und mich auf meinen Job zu konzentrieren."

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