Großer Preis von Monaco Triumph des Silberpfeils

Beim Großen Preis von Monaco gab es für taktische Spielereien keinen Platz. Den Sieg auf dem spektakulären Straßenkurs holte sich David Coulthard im McLaren-Mercedes, der damit den ersten Saisonsieg für die Silberpfeile herausfuhr. Knapp dahinter wurde Michael Schumacher Zweiter.


Start zum Großen Preis von Monaco: David Coulthard hat sich schon vor der ersten Kurve an Juan Pablo Montoya vorbeigeschoben
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Start zum Großen Preis von Monaco: David Coulthard hat sich schon vor der ersten Kurve an Juan Pablo Montoya vorbeigeschoben

Monte Carlo - David Coulthard hat beim Großen Preis von Monaco den ersten Saisonsieg für McLaren-Mercedes eingefahren. Der von Position zwei gestartete Schotte ging am Sonntag nach einem grandiosen Start, bei dem er Montoya hinter sich ließ, in Führung und verteidigte den ersten Platz bis ins Ziel des Stadtkurses von Monte Carlo. Weltmeister Michael Schumacher musste in seinem Ferrari mit Platz zwei vorlieb nehmen, baute seine Führung in der WM-Gesamtwertung aber auf 60 Zähler aus. Schumachers schärfster Konkurrent Juan Pablo Montoya (Williams-BMW) fiel aus. Sein Teamkollege Ralf Schumacher, der erstmals in seiner Karriere in Monte Carlo aufs Treppchen fuhr, wurde Dritter. "Es ist ein unglaubliches Gefühl, fantastisch. Ich habe nicht damit gerechnet", jubelte Coulthard, der die Trophäe von Fürst Rainier erhielt, nach seinem Triumph. "Eine grandiose fahrerische Leistung von David", lobte auch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug den Schotten und schloss den 31-Jährigen glücklich in die Arme.

Vierter wurde der Renault-Fahrer Jarno Trulli vor Giancarlo Fisichella im Jordan. Sensationell fuhr Heinz-Harald Frentzen, der im Arrows-Cosworth Platz sechs erreichte und einen weiteren WM-Punkt für das Arrows-Team einfuhr. Zwischen Frentzen und Rubens Barrichello entbrannte über die letzten Runden ein grandioser Kampf über diesen WM-Zähler, bei dem der Mönchengladbacher alle Angriffe des überlegenen Ferrari-Fahrers abwehren konnte.

Spielberg-Affäre vergessen


Zwei Wochen nach dem Stallregie-Eklat von Spielberg konnte im Fürstentum von Ferrari-Teamorder keine Rede sein: Schumacher-Kollege Rubens Barrichello war von Anfang an hinter dem Weltmeister und nach einer Kollision mit Kimi Räikkönen und Zeitstrafen am Ende Siebter. Schumacher verpasste den erhofften sechsten Sieg und damit die Einstellung des Monaco-Rekordes von Ayrton Senna.

Nach 78 Runden und 262,860 Kilometer in den Häuserschluchten des Fürstentums siegte Coulthard ganz knapp vor dem viermaligen Champion sowie vor dem deutlich zurück liegenden Ralf Schumacher. In der WM-Wertung führt der zuletzt vier Mal in Folge siegreiche Michael Schumacher mit 60 Punkten. Auf Grund des Ausfalls von Juan Pablo Montoya vergrößerte er seinen WM-Vorsprung auf 33 Zähler. Der Kolumbianer und Ralf Schumacher sind punktgleich (27) Zweite vor Coulthard (20). Heinz-Harald Frentzen holte als Sechster einen Punkt, Nick Heidfeld wurde Achter.

"Alles in Allem bin ich sehr zufrieden mit dem zweiten Platz. Wir haben unseren Vorsprung ausgebaut. Das ist für uns das Wichtigste", gab sich Schumacher nach dem Rennen als fairer Sportsmann und gratulierte Coulthard: "Er ist ein tolles Rennen gefahren und hat den Sieg verdient." Auch Ralf Schumacher hatte allen Grund zur Freude. Erstmals kam er in der Formel 1 in Monaco überhaupt ins Ziel. "Ich bin sehr glücklich. Ich hatte schon gedacht, Monaco mag mich nicht."

Genugtuung für Coulthard


Coulthard feierte nicht nur seinen ersten Sieg seit dem 13. Mai 2001 (Österreich), er entschädigte sich gleichzeitig für sein letztjähriges Monaco-Pech: Damals war der Schotte am Vorstart stehen geblieben. Für McLaren-Mercedes war es der erste Sieg seit Mika Häkkinens Erfolg am 30. September letzten Jahres in Indianapolis.

Bei Sommerwetter in der High-Society-Metropole, wo sich geschätzte 100.000 Fans drängelten, erwischte der vom dritten Platz aus ins Rennen gegangene Schumacher einen ordentlichen Start. Nachdem erstmals in dieser Saison kein Ferrari in der von Michelin-bereiften Autos dominierten ersten Reihe stand, zog Coulthard sofort an Pole-Position-Inhaber Montoya vorbei. Schumacher ging vor seinem Bruder Ralf als Dritter in die erste Kurve. Fortan raste das Spitzen-Quartett in dieser Reihenfolge durch die Häuserschluchten, wo Überholen fast unmöglich ist. Coulthard legte Spitzenzeiten vor, während Schumacher hinter Montoya fest hing. Im Mittelfeld arbeiteten sich Arrows-Pilot Frentzen und Heidfeld im Sauber auf Grund zahlreicher Ausfälle nach vorne.

Ein Unfall des Japaners Takuma Sato nach der Tunnel-Ausfahrt schreckte das Publikum kurzzeitig auf. Anders als bei seinem schlimmen Crash vor zwei Wochen konnte der Jordan-Pilot sein Auto aber schnell verlassen. Auch Barrichello sorgte für eine Aufsehen erregende Kollision, mit der er sein und Räikkönens Auto beschädigte. Felipe Massa im Sauber rauschte kurz vor Ende des Rennens in einen Reifenstapel, blieb bei diesem Unfall aber unverletzt.

Ein weiterer Rekord für Schumacher


Michael Schumacher ging nach 44 Runden als Erster der Top-Fahrer an die Box, reihte sich danach als Vierter wieder ein. In der 47. Runde musste Montoya nach einem Motorschaden aufgeben. Nachdem erst Ralf Schumacher (50.) zum Tanken kam und anschließend Coulthard (51.) einen blitzschnellen Stopp hinlegte, war das Formel-1-Spektakel vorzeitig entschieden. Der 31-jährige Schotte übernahm wieder die Spitze. Schumacher blieb ihm bis zum Schluss dicht auf den Fersen, kam jedoch im engen Kurvengeschlängel nicht mehr vorbei.

Schumacher ist der erste Pilot, der die stolze Marke von 100 Grand Prix für Ferrari erreicht hat. Am Vorabend hatte er zusammen mit dem Team gefeiert. "So ein Rekord ist schön. Es ist auch eine Ehre für mich. Dass wir so lange zusammen sind, zeigt unser großes gegenseitiges Vertrauen und unser tolles Verhältnis", sagte der dienstälteste Ferrari-Pilot.

Das Team hatte am Vortag nach Wochen der Proteste in Sachen Stallorder offiziell eine überraschende Kehrtwende demonstriert. Präsident Luca di Montezemolo hatte eine Änderung der umstrittenen Strategie angekündigt. So etwas wie in Spielberg "kann man nur einmal machen", so der Italiener. "Das ist sehr vernünftig", fand Schumacher. Nach wie vor müssen er und sein Team jedoch am 26. Juni zur Anhörung vor dem Fia-Weltrat antreten. Ferraris offensichtliche Stallorder in Spielberg, als Barrichello kurz vor dem Ziel Schumacher passieren lassen musste, hatte weltweit für Empörung gesorgt.



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