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30. September 2019, 10:27 Uhr

WM-Wertung in der Formel 1

Die Verfolger machen es Hamilton leicht

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Theoretisch können noch fünf Fahrer Formel-1-Weltmeister werden - praktisch steht Lewis Hamilton nach dem Sieg in Sotschi dicht vor dem WM-Sieg. Das liegt auch an den Schwächen seiner Konkurrenz.

Lewis Hamilton geht eigentlich keiner Champagnerdusche aus dem Weg. Geht es beim Versprühen des Schaumweins auf den Podesten der Formel-1-Welt doch darum, sich für ein erfolgreiches Rennen zu belohnen. Doch als der Brite nach dem Großen Preis von Russland in frischen Klamotten vor der Mercedes-Garage kniete und die Pokale vor seinem Team präsentierte, nahte die nächste Dusche - und Hamilton ergriff die Flucht.

Trotz seines Sieges in Sotschi und seines komfortablen Vorsprungs in der WM-Wertung will der 34-Jährige nicht über die Möglichkeit sprechen, schon bald wieder Weltmeister zu sein, es wäre das sechste Mal. "An den Titelgewinn denke ich gar nicht", sagte Hamilton im Anschluss an das Rennen, das er vor allem dank Ferraris technischer Probleme gewann.

Ein Blick auf die WM-Wertung zeigt, wie nah Hamilton der Titelverteidigung ist. Er liegt mit 322 Punkten

Im optimalen Fall kann ein Fahrer noch 130 WM-Punkte sammeln.

Der mathematische Vorteil ist das eine. Aber Hamilton ist auch der mit Abstand konstanteste Fahrer - und die vier Konkurrenten machen es dem Mercedes-Piloten aus unterschiedlichen Gründen leicht:

Valtteri Bottas: Der Finne war mit zwei Siegen und drei zweiten Plätzen furios in die Saison gestartet. Doch sportlich ist er nicht auf Augenhöhe mit Hamilton. Nach Jahren der konfliktreichen Teamduelle zwischen Hamilton und Nico Rosberg wollten die Silberpfeile einen Fahrer, der sich als Nummer zwei im Team ruhig verhält und in der Öffentlichkeit keine Forderungen stellt. In Bottas haben sie ihn gefunden.

Das Rennen in Sotschi hat das erneut gezeigt. Bottas konnte in keiner Phase das Tempo von Hamilton, Leclerc und Vettel mitgehen. Und als Mercedes die Führung durch die von Vettel verursachte Safety-Car-Phase in den Schoß fiel, hatte Bottas zum wiederholten Male nur eine Aufgabe: einen Verfolger (diesmal Leclerc) auszubremsen und Hamiltons Sieg abzusichern.

Charles Leclerc und Sebastian Vettel: Die Erinnerung an die erfolgreichen, aber mitunter turbulenten Mercedes-Jahre mit Hamilton und Rosberg zeigen, dass die fehlende Festlegung auf eine Nummer eins Erfolge, sprich Weltmeisterschaften, einbringen kann. Hamilton hatte 2014 und 2015 gewonnen, Rosberg holte 2016 den Titel. Doch letztlich war die Dominanz der Mercedes-Motoren so groß, dass der Gesamterfolg nicht gefährdet war.

So weit ist Ferrari noch lange nicht. Die Scuderia hat zwar den stärksten Motor zur Verfügung und kann auf Geraden einen erheblichen Geschwindigkeitsvorteil nutzen. Doch in der Formel 1 gehört mehr dazu: Kurvengeschwindigkeit, technische Zuverlässigkeit, Renntaktik - und möglichst fehlerfreie Leistungen der Piloten. In diesem Punkt kommen Leclerc und Vettel mittlerweile der Bestform nahe, doch das kommt in dieser Saison etwas spät. Und der immer offensichtlicher ausgetragene Konflikt zwischen dem Monegassen und dem Deutschen hilft Ferrari nicht.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff kennt solche Probleme: "Es zeigt, dass es nicht ganz trivial ist, an der Spitze zwei Fahrer zu managen, die den Anspruch stellen zu gewinnen", sagte der Österreicher in Sotschi. "Wir haben das als Team auch mitgemacht, und es ist nicht einfach."

Max Verstappen: Bleibt noch das niederländische Toptalent von Red Bull, das in den vergangenen Wochen vom fast gleichaltrigen Leclerc in den Schatten gestellt wurde. Verstappens Siege in Österreich und Deutschland haben gezeigt, welches Potenzial in ihm steckt. Er kann das aber noch nicht konstant abrufen, zudem funktioniert sein Rennwagen nicht auf allen Strecken.

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