WM-Wertung in der Formel 1 Die Verfolger machen es Hamilton leicht

Theoretisch können noch fünf Fahrer Formel-1-Weltmeister werden - praktisch steht Lewis Hamilton nach dem Sieg in Sotschi dicht vor dem WM-Sieg. Das liegt auch an den Schwächen seiner Konkurrenz.

Lewis Hamilton (M.) nach seinem Sieg in Sotschi
Luca Bruno/AP

Lewis Hamilton (M.) nach seinem Sieg in Sotschi

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Lewis Hamilton geht eigentlich keiner Champagnerdusche aus dem Weg. Geht es beim Versprühen des Schaumweins auf den Podesten der Formel-1-Welt doch darum, sich für ein erfolgreiches Rennen zu belohnen. Doch als der Brite nach dem Großen Preis von Russland in frischen Klamotten vor der Mercedes-Garage kniete und die Pokale vor seinem Team präsentierte, nahte die nächste Dusche - und Hamilton ergriff die Flucht.

Trotz seines Sieges in Sotschi und seines komfortablen Vorsprungs in der WM-Wertung will der 34-Jährige nicht über die Möglichkeit sprechen, schon bald wieder Weltmeister zu sein, es wäre das sechste Mal. "An den Titelgewinn denke ich gar nicht", sagte Hamilton im Anschluss an das Rennen, das er vor allem dank Ferraris technischer Probleme gewann.

Ein Blick auf die WM-Wertung zeigt, wie nah Hamilton der Titelverteidigung ist. Er liegt mit 322 Punkten

  • 73 Punkte vor Teamkollege Valtteri Bottas (249),
  • Ferraris Jungstar Charles Leclerc (215) hat bereits einen Rückstand von 107 Punkten,
  • dicht gefolgt von Max Verstappen im Red Bull (212).
  • Sebastian Vettel (194) könnte den WM-Titel nur noch gewinnen, wenn er alle fünf ausstehende Rennen gewinnt, Hamilton fünfmal ausscheidet und Vettel zudem den jeweiligen Punkt für die schnellste Rennrunde holt.

Im optimalen Fall kann ein Fahrer noch 130 WM-Punkte sammeln.

Der mathematische Vorteil ist das eine. Aber Hamilton ist auch der mit Abstand konstanteste Fahrer - und die vier Konkurrenten machen es dem Mercedes-Piloten aus unterschiedlichen Gründen leicht:

Valtteri Bottas ist für Mercedes vieles, aber kein WM-Kandidat
Charles Coates/Getty Images

Valtteri Bottas ist für Mercedes vieles, aber kein WM-Kandidat

Valtteri Bottas: Der Finne war mit zwei Siegen und drei zweiten Plätzen furios in die Saison gestartet. Doch sportlich ist er nicht auf Augenhöhe mit Hamilton. Nach Jahren der konfliktreichen Teamduelle zwischen Hamilton und Nico Rosberg wollten die Silberpfeile einen Fahrer, der sich als Nummer zwei im Team ruhig verhält und in der Öffentlichkeit keine Forderungen stellt. In Bottas haben sie ihn gefunden.

Das Rennen in Sotschi hat das erneut gezeigt. Bottas konnte in keiner Phase das Tempo von Hamilton, Leclerc und Vettel mitgehen. Und als Mercedes die Führung durch die von Vettel verursachte Safety-Car-Phase in den Schoß fiel, hatte Bottas zum wiederholten Male nur eine Aufgabe: einen Verfolger (diesmal Leclerc) auszubremsen und Hamiltons Sieg abzusichern.

Der Konflikt zwischen Sebastian Vettel (l.) und Charles Leclerc belastet Ferrari
Mark Thompson/Getty Images

Der Konflikt zwischen Sebastian Vettel (l.) und Charles Leclerc belastet Ferrari

Charles Leclerc und Sebastian Vettel: Die Erinnerung an die erfolgreichen, aber mitunter turbulenten Mercedes-Jahre mit Hamilton und Rosberg zeigen, dass die fehlende Festlegung auf eine Nummer eins Erfolge, sprich Weltmeisterschaften, einbringen kann. Hamilton hatte 2014 und 2015 gewonnen, Rosberg holte 2016 den Titel. Doch letztlich war die Dominanz der Mercedes-Motoren so groß, dass der Gesamterfolg nicht gefährdet war.

So weit ist Ferrari noch lange nicht. Die Scuderia hat zwar den stärksten Motor zur Verfügung und kann auf Geraden einen erheblichen Geschwindigkeitsvorteil nutzen. Doch in der Formel 1 gehört mehr dazu: Kurvengeschwindigkeit, technische Zuverlässigkeit, Renntaktik - und möglichst fehlerfreie Leistungen der Piloten. In diesem Punkt kommen Leclerc und Vettel mittlerweile der Bestform nahe, doch das kommt in dieser Saison etwas spät. Und der immer offensichtlicher ausgetragene Konflikt zwischen dem Monegassen und dem Deutschen hilft Ferrari nicht.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff kennt solche Probleme: "Es zeigt, dass es nicht ganz trivial ist, an der Spitze zwei Fahrer zu managen, die den Anspruch stellen zu gewinnen", sagte der Österreicher in Sotschi. "Wir haben das als Team auch mitgemacht, und es ist nicht einfach."

Max Verstappen ist talentiert, aber nicht konstant
Mark Thompson/Getty Images

Max Verstappen ist talentiert, aber nicht konstant

Max Verstappen: Bleibt noch das niederländische Toptalent von Red Bull, das in den vergangenen Wochen vom fast gleichaltrigen Leclerc in den Schatten gestellt wurde. Verstappens Siege in Österreich und Deutschland haben gezeigt, welches Potenzial in ihm steckt. Er kann das aber noch nicht konstant abrufen, zudem funktioniert sein Rennwagen nicht auf allen Strecken.



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
rudig 30.09.2019
1. Prima,
ich bin froh wenn Mercedes gewinnt und Hamilton ist sowieso der beste und gegenüber Vettel auch der sympathischere Fahrer! Nächste Saison könnte ihm allerdings Leclerc gefährlich werden.
hefe21 30.09.2019
2. Seven Up
Sehr gute Bestandsaufnahme. Ironischerweise entscheidet Ferrari im Handling seines Fahrerkonfliktes, ob Hamilton schon nächste Saison den vermeintlich langlebigsten Schumirekord, die 7 WM-Titel, egalisieren kann. Vettel wird aber nach 5 Jahren Kampf mit dem bockigen Pferd nicht freiwillig zurückstecken und damit auch noch seinem Jungspundkollegen den eigenen Rekord als jüngster F1-Weltmeister zum Fraße vorzuwerfen. Am härtesten trifft das Aufleuchten von Leclerc jedoch nicht die schon vier- und fünffachen Weltmeister VET und HAM, sondern seinen Jahrgangskollegen Verstappen, der sich selbst schon als kommender Fixstern am F1-Firmament installierte und der nun im gleissenden Licht des Monegassen echte Probleme mit der eigenen Sichtbarkeit bekommen könnte. Dem Versprechen des Göttervatters Mateschitz, aus ihm den jüngsten Weltmeister zu machen, droht nun ein Sternschnuppenschicksal.
Intelligenz? Wo? 30.09.2019
3. Auch nur die halbe Wahrheit
Der gute alte Toto mal wieder, gibt auch nur die halbe Wahrheit Preis. Es stimmt das es speziell 2015 u. 2016 für Mercedes nicht ganz "einfach" war. Zwei Fahrer so in der Balance zu halten, das keiner wirklich bevorteilt wird. Was er aber nicht ausspricht, ist die Tatsache, dass Mercedes die Jahre 2015 und 2016 dank 2 Fahrern die beide Weltmeister werden wollten, so Dominiert hat wie nie zu vor. Natürlich war auch das Überlegene Auto nicht ganz unschuldig daran. Aber das hat/hatte Mercedes auch 2017/18 und 2019 bis zur Sommerpause. Ein Bottas wie im Artikel erwähnt, ist ein Spitzen Fahrer. Aber so mummpitz wie in Singapur wo man ihm sagte er solle SEKUNDEN pro Runde langsamer fahren damit Hamilton vor ihm raus kommt. Ist zwar schön einfach für Mercedes, wie damals Baricello für Ferrari, der auch fast anhalten sollte um Schumacher vorbei zu lassen. Aber gut für den Sport ist das nicht. Was Ferrari gerade macht, ist in dieser Saison noch ok, für die geht es im Grunde um nix mehr, außer darum so viele Siege einzufahren wie möglich, für die eigene Moral. Aber sollte Ferrari nächstes Jahr von Anfang an ein Konkurrenzfähiges Auto haben. Sollten sie sich gut überlegen ob sie vor den Rennen schon ausmachen, wer wem den Platz zurück geben soll. Nicht nur das sowas sehr schlecht ist fürs Team interne Klima, Mercedes wird das ausnutzen so gut sie können. Und das wir letztlich Ferrari noch mehr schaden als etwaige Interne Spannungen.
celtics 30.09.2019
4. Verdient
LH ist in den letzten Jahren fahrerisch sehr erwachsen geworden. Selbstverschuldete Unfällen, die zu Beginn seiner Karriere häufig passierten kommen nicht mehr vor. Und dass, obwohl er meistens immer noch am Limit fährt. VER hat sich ebenfalls in dieser Hinsicht sehr viel verbessert.
helmutderschmidt 30.09.2019
5. Neuzeit Formel 1 wäre interessant gewesen.
Wenn Nico Rosberg bei Mercedes weitergefahren wäre!
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