Großer Preis von Ungarn Mr Hamiltons Weltmeisterstück

Die Formel 1 geht nach dem Großen Preis von Ungarn in die Sommerpause. Aber der Weltmeistertitel ist schon so gut wie vergeben - Lewis Hamilton und Mercedes sind einfach zu clever für die Konkurrenz.

Ah, noch eine Trophäe: Lewis Hamilton sammelt fleißig
Tibor Illyes/EPA-EFE/REX

Ah, noch eine Trophäe: Lewis Hamilton sammelt fleißig

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Neun Rennen wird es in dieser Formel-1-Saison noch geben, das Motorsportjahr ist damit erst ungefähr zur Hälfte herum - aber dem Weltmeister kann man getrost jetzt schon gratulieren. Der Zeitpunkt, Lewis Hamilton schon zum nächsten WM-Titel zu beglückwünschen, wäre jedenfalls nicht besser gewählt als jetzt. Mit dem Husarenstück vom Hungaroring hat sich Hamilton den WM-Titel bereits frühzeitig verdient.

Es war eine atemberaubende Aufholjagd, die der Titelverteidiger auf seiner Paradestrecke hingelegt hatte. Vom Start weg war der junge Racer Max Verstappen vorneweg gefahren, bis auf eine kurze Phase nach dem Boxenstopp hatte er das Feld dominiert. In der Formel-1-Szene keimte leise Hoffnung, dass dieses WM-Jahr doch noch aus seiner Langeweile erlöst und Hamilton und Mercedes ein Herausforderer erwachsen würde.

Aber wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass Hamilton und Mercedes die cleverste, ausgebuffteste Kombination in der derzeitigen Formel 1 sind, dann war es dieses Rennen. Die Strategie des Rennstalls, 20 Runden vor Schluss einen zweiten Boxenstopp einzulegen und Hamilton für den Schlussspurt mit frischen Reifen zu versorgen, war schon meisterlich. Die Strategie allerdings dann auch noch so punktgenau aufgehen zu lassen, das war ein fahrerisches Weltmeisterstück.

Allen anderen in Sachen Taktik überlegen

"Er ist in der eigenen Liga gefahren", sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolf über seinen Star. Und genau das trifft es derzeit: Hamilton gewinnt auch nicht jedes Rennen, von den bisherigen zwölf hat er acht für sich entschieden. Aber er ist in Sachen Renntaktik allen anderen überlegen.

Das gilt umso mehr, wenn man den direkten Vergleich mit seinem Teamkollegen Valtteri Bottas anstellt. Der Finne hatte einen Traumstart in die Saison, er ist von Mercedes ähnlich gut ausgestattet wie Hamilton, aber er hat nicht die Nervenstärke des Briten, nicht die Chuzpe, nicht die Kaltschnäuzigkeit in Drucksituationen. In Ungarn geriet er als Zweiter im Qualifying gleich in der ersten Kurve mit Hamilton aneinander, es war klar, wie dieses Duell ausgehen würde.

Bottas musste mit defektem Frontflügel an die Box und alle seine Ambitionen fahren lassen, Hamilton platzierte sich in Lauerstellung hinter Verstappen. Er bewies Geduld, viel Geduld und schlug drei Runden vor Schluss zu.

Es gehört zu den Paradoxien dieser Saison, dass sie an sich extrem spannungs- und überraschungsarm ist, was den Ausgang angeht. Und dass dennoch die Rennen derzeit faszinieren. "Die Formel 1 hat gerade ein Riesenhoch", sagt Ex-Champion und RTL-Experte Nico Rosberg. Und tatsächlich boten die einzelnen Rennen in den vergangenen Wochen immer wieder Zünd- und Gesprächsstoff. Die Aufholjagd von Sebastian Vettel in Hockenheim, der Triumph von Verstappen in Österreich, jetzt die kalkulierte Aufholkunst von Hamilton.

Nur noch zehn Siege hinter Schumacher

Der Brite fährt ungefährdet seinem sechsten WM-Titel entgegen, der Sieg in Ungarn war sein 81. Grand-Prix-Erfolg. Er liegt nur noch zehn Siege hinter der Bestmarke von Michael Schumacher. Die immerhin wird er in dieser Saison nicht mehr einholen können. Aber im kommenden Jahr. Hamilton könnte dann auch schon der erste Rennfahrer mit 100 Grand-Prix-Erfolgen werden.

Von solchen Zahlen ist der vierfache Champion Sebastian Vettel derzeit ziemlich weit entfernt. Ferrari kann das Jahr im Grunde abhaken, Teamchef Mattia Binotto machte schon im Interview vor dem Rennen einen fast fatalistischen Eindruck. Nach zwölf Grand-Prix-Rennen stehen die Italiener noch ohne Saisonsieg da, Verstappen und Red Bull haben ihnen im Moment den Rang zwei auch noch abgelaufen.

"Wir haben heute eins auf die Mütze bekommen", sagt Vettel. Früher wäre der Deutsche schwer angesäuert nach solchen Tagen gewesen, hätte sich wütend erst einmal der Presse entzogen. Jetzt schleckte er ein Eis beim Interview. Ein entspannter Sebastian Vettel - das ist gar kein gutes Zeichen für Ferrari.

insgesamt 28 Beiträge
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bernhardlang 05.08.2019
1. Es war nicht taktisches können
von Hamilton, er beschwerte sich ja noch am Boxenfunk über den zweiten Reifenwechsel als Fehler. Das Rennen haben die Leute hinter den Kulissen entschieden
babblebrox 05.08.2019
2. Ja..., Gähn....
war da was ausser eine Notiz? Mercedes ist z. Z. das Maß der Dinge wie der FCB. Ich habe die DTM wieder für mich entdeckt, da fahren Autos, es wird gerauft und der Ausgang ist nicht nur eine Sache der Taktik. Schöne Woche noch
haifasuper 05.08.2019
3. F1
Mit Spielberg, Silverstone und zuletzt Hockenheim gab es drei klasse Rennen. Es war mir nur klar, sofern es in Ungarn nicht regnet, wird das ein mittelmäßiges Ding.
Nutzer ohne Namen 05.08.2019
4. beitrag 1 hat Recht!
Der Sieg gehört nicht Hamilton, er gehört James Vowles! Er hat ist diese Entscheidung getroffen, für seine Ideen hat er diese Saison aber schon häufig einen auf die Mütze bekommen. Das musste Hamilton nach Zieldurchfahrt auch anerkennen und hat sich bei Ihm entschuldigt. Sicherlich braucht es einen Fahrer der ständig "pinke" Zeiten fahren kann, Schumacher hat den Großen Preis von Frankreich auch mal mit einem Qualifying-Rennen und 5 Boxen-Stopps gewonnen. Wenn Reifen & Auto (Verschleiß, Spritlimit & Hitze) das zulassen, dann sollte jeder F1-Fahrer das auch umsetzen können, sonst ist er in der F1 fehl am Platz!
p.stoeckli 05.08.2019
5. Fahrer nur 30%
In diesem F1 Zirkus ist das Team, bzw. die Technik viel wichtiger als der Fahrer. Das beste Auto gewinnt, nicht der beste Fahrer.
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