Hamiltons dritter Platz in Spa Crash Test Dummies

Lewis Hamilton startete in Spa als Vorletzter. Am Ende wurde er Dritter, musste aber gar nicht viel dafür tun. Diverse Unfälle spülten den Briten nach vorne - zum Ärger von Sieger und WM-Rivalen Nico Rosberg.

Die Ferrari-Piloten zerstörten schon in der ersten Kurve ihr Rennen
AFP

Die Ferrari-Piloten zerstörten schon in der ersten Kurve ihr Rennen

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Ausgangslage: Sechs der sieben vergangenen Rennen gewann Lewis Hamilton - so hat der Titelverteidiger im Zweikampf mit Teamkollege Nico Rosberg einen 43-Punkte-Rückstand in eine 19-Punkte-Führung umgewandelt. Eigentlich spricht wenig für den Deutschen, aber Hamilton musste beim Großen Preis von Belgien aus der letzten Reihe starten. Diese Chance galt es für Rosberg zu nutzen. Und die anderen Top-Teams? Ferrari kam mit den heißen Verhältnissen in den Ardennen gut zurecht und rückte wieder an Red Bull heran.

Ruhmreiche letzte Startreihe: Formel-1-Regeln muss man nicht immer verstehen, wie das Qualifying-Theater zu Beginn der Saison oder das Hin und Her beim Boxenfunk gezeigt haben. Neues Beispiel gefällig? Mercedes und McLaren tauschten im Laufe des Wochenendes verschiedene Bestandteile der Motoren an den Boliden von Lewis Hamilton und Fernando Alonso - in der Summe bekamen die beiden Weltmeister jeweils 60 Strafplätze aufgebrummt. 60 Plätze zurück bei 22 Rennwagen. Alonso, ohnehin genervt vom Regelchaos in der Formel 1, kommentierte die Versetzung auf seine Weise:

Ergebnis: Rosberg erfüllte die Pflicht souverän und gewann in Spa sein sechstes Saisonrennen. Im optimalen Fall hätte er wegen Hamiltons Strafversetzung sogar die WM-Führung übernehmen können, aber ein kurioses Rennen ermöglichte dem Briten Platz drei. Vor dem nächsten Rennen in Monza am kommenden Sonntag (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) hat Hamilton noch neun Punkte Vorsprung. Auf Platz zwei landete Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo.

Startphase: Max Verstappen hatte sich in der Qualifikation den zweiten Platz hinter Rosberg gesichert und ging als einziger Fahrer aus der Spitzengruppe mit superweichen Reifen ins Rennen. Wegen des besseren Grips rechneten viele Experten mit einem Angriff des Niederländers auf Rosberg - aber es kam anders: Verstappen kam nicht gut weg und so drängten sich die Ferrari-Fahrer Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen von hinten neben den Red-Bull-Piloten. In der ersten Kurve wurde es zu eng für drei Autos, Vettel ließ seinem Teamkollegen zu wenig Platz und so kam es zur Kollision. Alle drei Autos wurden beschädigt, es gab eine virtuelle Safety-Car-Phase - und Hamilton lachte sich am Ende des Feldes ins Fäustchen.

Rennabbruch: Doch es kam noch besser für Hamilton. Der Reifenplatzer von Carlos Sainz und der Unfall zwischen Jenson Button und Pascal Wehrlein spielten dem von hinten durch das Feld pflügenden WM-Spitzenreiter bereits in die Karten - aber dann kam der spektakuläre Crash von Kevin Magnussen. In der legendären "Eau Rouge"-Kurve brach das Heck des Dänen aus, der Renault-Fahrer lenkte zu stark ein und landete im Reifenstapel. Zunächst versuchte die Rennleitung die Schäden an der Strecke in einer Safety-Car-Phase zu reparieren, dann entschied sie sich aber für einen Rennabbruch. Das Fahrerfeld war kräftig durchgemischt worden, Alonso und Hamilton gingen nach der Wiederaufnahme von Platz vier und fünf aus zurück ins Rennen.

Oldie vs. Youngster: Kimi Räikkönen ist mit 36 Jahren nicht nur der älteste Fahrer im Feld, er ist auch der Schweigsamste. Wenn der Routinier aus sich rausgeht, muss etwas passiert sein. Wie beim Großen Preis von Ungarn, als er sich zunächst per Boxenfunk und später auch vor Journalisten über ein Manöver von Verstappen echauffierte. Der Niederländer, mit 18 Jahren der mit Abstand jüngste Formel-1-Fahrer, muss immer mal wieder Kritik für seinen Fahrstil einstecken. Diese Diskussionen dürften nach Spa neue Nahrung bekommen. Wieder verteidigte Verstappen seinen Platz vor Räikkönen mit grenzwertigen Mitteln, der Finne landete deshalb neben der Strecke. "Sein einziges Interesse ist, mich von der Strecke zu drängen", sagte Räikkönen per Funk zu seinen Mechanikern. Am Ende rächt er sich auf seine Art, wurde Neunter und drängte den Elften Verstappen so aus den Punkten.

Verstappen-Fans an der Strecke in Spa-Francorchamps
Getty Images

Verstappen-Fans an der Strecke in Spa-Francorchamps

Der niederländische Schumacher: Auch wenn Verstappen einen Rückschlag hinnehmen musste, wird er dieses Wochenende in guter Erinnerung behalten. Schon Stunden vor Rennbeginn bildeten sich rund um die Strecke kilometerlange Staus und viele Fans aus seiner niederländischen Heimat feierten auf den Campingplätzen und den Tribünen eine Oranje-Party. Eine solche Begeisterung für einen Fahrer gab es zuletzt in den Anfangsjahren von Michael Schumacher.

Formel-1-Saison 2016
Die Teams und Fahrer
Mercedes
Lewis Hamilton und Nico Rosberg
Ferrari
Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen
Williams
Felipe Massa und Valtteri Bottas
Red Bull
Daniel Ricciardo und Max Verstappen
Force India
Nico Hülkenberg und Sergio Pérez
Renault
Kevin Magnussen und Jolyon Palmer
Toro Rosso
Daniil Kwjat und Carlos Sainz jr.
Sauber
Marcus Ericsson und Felipe Nasr
McLaren Honda
Fernando Alonso und Jenson Button
Manor
Rio Haryanto und Pascal Wehrlein
Haas
Romain Grosjean und Esteban Gutierrez
Der Rennkalender
20. März: Australien (Melbourne)
3. April: Bahrain (as-Sachir)
17. April: China (Shanghai)
1. Mai: Russland (Sotschi)
15. Mai: Spanien (Barcelona)
29. Mai: Monaco (Monte Carlo)
12. Juni: Kanada (Montréal)
19. Juni: Europa (Baku)
3. Juli: Österreich (Spielberg)
10. Juli: Großbritannien (Silverstone)
24. Juli: Ungarn (Mogyoród)
31. Juli: Deutschland (Hockenheim)
28. August: Belgien (Spa-Francorchamps)
4. September: Italien (Monza)
18. September: Singapur (Singapur)
2. Oktober: Malaysia (Sepang)
9. Oktober: Japan (Suzuka)
23. Oktober: USA (Austin)
30. Oktober: Mexiko (Mexiko-Stadt)
13. November: Brasilien (Interlagos)
27. November: Abu Dhabi (Yas-Insel)
Die Rekorde
Die meisten WM-Titel
Michael Schumacher (7)
Die meisten Grand-Prix-Siege
Michael Schumacher (91)
Die meisten Siege in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 13)
Die meisten Start-Ziel-Siege
Ayrton Senna (19)
Die meisten Podestplätze
Michael Schumacher (155)
Die meisten Podestplätze in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 17)
Die meisten Polepositions
Michael Schumacher (68)
Die meisten Polepositions in einer Saison
Sebastian Vettel (15)
Die schnellsten Rennrunden
Michael Schumacher (77)
Die meisten Grand-Prix-Starts
Rubens Barrichello (323)
insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
breguet 28.08.2016
1.
Der Unfall in der ersten Runde geht eindeutig aufs Konto von Vettel, wie hier richtig beobachtet. Warum der nicht bestraft wurde ist ein weiteres Rätsel der Formel eins und Herrn Whiting.
frietz 28.08.2016
2.
Zitat von breguetDer Unfall in der ersten Runde geht eindeutig aufs Konto von Vettel, wie hier richtig beobachtet. Warum der nicht bestraft wurde ist ein weiteres Rätsel der Formel eins und Herrn Whiting.
na, dann hätten sie mal die Sportshau gucken müssen, dort schob man die schuld auf verstappen. dabei liegt auch mmn die schuld eindeutig bei vettel, der raikönnen reingefahren ist. Dass verstappen ganz innen vorbei wollte, ist immer noch nicht verboten. ihm deshalb schuld zu geben, ist ein witz
DMenakker 28.08.2016
3.
Runde 1 war ein normaler Rennunfall. Wenn man aber schon einen Schuldigen heraussuchen will, dann muss man beachten, dass Vettel früher an Raikönnen dran war, als Verstappen. Verstappen hätte also sehen müssen, dass er, wenn er versucht sich innen reinzudrängen, für die beiden äusseren Fahrer eine Situation erschafft, die nur im crash enden kann. Aber soweit muss ein 18-jähriger Vollgasteenie ja noch nicht mal unbedingt denken, deswegen läuft sowas ja unter "normalem" Unfall ohne formell Schuldigen. Was sich Verstappen aber später geleistet hat, war unter aller Sau. Da gehört mal locker eine Sperre über ein ganzes Rennen verhängt. Sowas, nur ohne Verzögerung, ist Schumi schon vorgeworfen worden, da hat V noch in die Windeln gesch.... . Mit gleichzeitiger Verzögerung ( und wenn es nur Fuß vom Gas ist ), hat das fast schon Sabotagecharakter.
Shivon 28.08.2016
4.
Schöne Strecke (keine Betonwüste!) und spannendes Rennen. Ich sehe zwar auch eine Teilschuld bei Vettel, aber ich hätte das als Rennunfall eingeordnet.
Grorm 28.08.2016
5.
Zitat von breguetDer Unfall in der ersten Runde geht eindeutig aufs Konto von Vettel, wie hier richtig beobachtet. Warum der nicht bestraft wurde ist ein weiteres Rätsel der Formel eins und Herrn Whiting.
Ja, schon ein schlimmes Schicksal, als Deutscher geboren zu sein - zumindest, wenn ich mir Ihre Beiträge so durchschaue ...
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