Überraschungssieger Verstappen Scary Max

Die Formel 1 verneigt sich vor Max Verstappen: Der Red-Bull-Pilot ist der jüngste Grandprix-Sieger der Geschichte. Wer so cool fährt wie er, hat das Zeug zum Weltmeister.

REUTERS

Aus Barcelona berichtet


Kimi Räikkönen gesellt sich nur ungern vor die Presse. Einzige Ausnahme ist der obligatorische Medientermin nach jedem Formel-1-Rennen, denn dort muss der finnische Renn-Oldie nur auftreten, wenn er auf dem Podium gelandet ist. So auch in Barcelona, wo er als Zweiter hinter Sensationssieger Max Verstappen ein zuvor verkorkstes Ferrari-Wochenende rettete - immerhin sicherten Räikkönen und der Dritte, Sebastian Vettel, 33 Punkte mehr als WM-Rivale Mercedes nach deren Doppelausfall.

Der 36-Jährige hätte die letzten Runden gegen Verstappen gern etwas enger gestaltet, kam aber nicht nah genug heran. "Ich freue mich für Max", sagte Räikkönen nach dem Duell zwischen dem ältesten und dem jüngsten Fahrer in der Formel 1. "Ich bin ja schon gegen seinen Vater gefahren", das klinge insgesamt schon "scary", also unheimlich.

Unheimlich war auch Verstappens Leistung. Der 18-Jährige fuhr in seinem 24. Formel-1-Rennen erstmals auf das Podest - und krönte sich sogar zum jüngsten Sieger in der Geschichte der Formel 1. "Ich kann es noch gar nicht glauben", sagte der Niederländer. Nach dem guten Qualifying mit Platz vier habe er mit dem Podium geliebäugelt, "der Sieg ist aber eine große Überraschung".

Neues Auto, alte Souveränität

Dabei hatte das Wochenende in Barcelona Verstappen nicht nur sportlich alles abverlangt. Noch am Donnerstag musste der Youngster Fragen zum überraschenden Cockpit-Wechsel zwischen ihm und Daniil Kwjat beantworten. Red Bull hatte nach der Degradierung des Russen viel Kritik einstecken müssen.

Verstappen lächelte aber alle kritischen Nachfragen mit einer Souveränität weg, die Nico Rosberg mit seinen 30 Jahren gern hätte. "Ich freue mich auf die Herausforderung." Dieser Satz wurde zum Mantra des Wochenendes. "Ich fahre für ein Top-Team, und genau das wollte ich die ganze Zeit." Tatsächlich soll er die Red-Bull-Verantwortlichen bekniet haben, ihm diese Chance zu geben.

Und dann setzte sich Verstappen am Freitag in ein völlig neues Auto - und fuhr sofort in Schlagdistanz zu seinem erfahrenen Teamkollegen Daniel Ricciardo. Anlaufschwierigkeiten scheint Verstappen nicht zu kennen, er leistete sich in Barcelona keinen einzigen Fehler.

Nach Schwierigkeiten mit den soften Reifen entschied sich Verstappen zusammen mit dem Team dann im Laufe des Rennens zu einer Strategieänderung. Er wechselte auf Medium-Reifen und sparte so einen Boxenstopp. "Von da an habe ich nur noch meine Geschwindigkeit und meine Reifen verwaltet", sagte Verstappen - und ließ Räikkönen nicht in seine Nähe kommen. So fahren wahre Champions.

Der Vater als Strippenzieher

Der von Räikkönen genannte Vater Jos war auch an der Strecke. 2003 hatte der ehemalige Teamkollege von Michael Schumacher seine Formel-1- Karriere bei Minardi beendet, nach insgesamt zwei Podestplatzierungen. Verstappen junior ist schon jetzt erfolgreicher. "Er hat es verdient", sagte der Vater mit einem Taschentuch in der Hand. "Wie er gefahren ist, das war Wahnsinn."

Jos Verstappen ist auch der Manager seines Sohns. In dieser Rolle hat der 44-Jährige großen Anteil am kometenhaften Aufstieg seines Schützlings. Geschickt hatte er in den vergangenen Monaten Gerüchte über ein angebliches Interesse von Mercedes und Ferrari lanciert, auch das sorgte für ein Umdenken im Red-Bull-Lager. Eigentlich sollte Verstappen erst in der kommenden Saison vom kleineren Toro-Rosso-Team zu Red Bull wechseln.

Das Risiko zahlt sich für Red Bull bei einem der seltenen Besuche von Firmeneigner Dietrich Mateschitz erstaunlich früh aus. Die Frage, ob Sportchef Helmut Marko ein Jahrhunderttalent verbrennen könnte, stellt sich nach diesem historischen Rennen in Barcelona nicht mehr. Max Verstappen hat das Zeug zum Weltmeister.

insgesamt 12 Beiträge
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pirx64 16.05.2016
1.
So läuft es halt, dieses Jahr noch mal Mercedes, nächstes Jahr Mercedes oder RB. Auf jeden Fall nicht Ferrari
salamicus 16.05.2016
2. Vettel...
...ist vier Mal Weltmeister in Folge mit Red-Bull geworden. Kaum geht mal was daneben, wechselt er zum "großen" Ferrari (schon eine Weile her, gell?)) und reißt nichts Gewaltiges mehr. Untreue zahlt sich eben nicht immer aus. Er hätte lieber beim Ausputzen der Wagenmängel helfen sollen. Glückwunsch an Verstappen!
Bueckstueck 16.05.2016
3.
Zitat von salamicus...ist vier Mal Weltmeister in Folge mit Red-Bull geworden. Kaum geht mal was daneben, wechselt er zum "großen" Ferrari (schon eine Weile her, gell?)) und reißt nichts Gewaltiges mehr. Untreue zahlt sich eben nicht immer aus. Er hätte lieber beim Ausputzen der Wagenmängel helfen sollen. Glückwunsch an Verstappen!
Was ist denn das für neidtriefender ("Untreue"? Gehts noch?) Mumpitz? Drei Jahre lang hat RB keine Siegchance. Vettel hat letze Saison mit Ferrari Siege eingefahren ohne das Mercedes Doppelausfälle hatte produzieren müssen, RB hat gar nichts gerissen, nicht mal regelmässige Podiumsplätze. Und auch dieses Jahr wird RB bestenfalls abstauben können. Dieser Sieg von Max ist ja auch den Umständen geschuldet. Keine Mercedes im Rennen und Ricciardo sowie Vettel hat man auf die - im nachhinein ersichtlich - falsche Strategie geschickt. Hätte man das nicht getan, hätte eher einer dieser beiden gewonnen, denn die waren vor ihrem dritten Stop nicht nur vor Max sondern auch schneller unterwegs. Danach waren sie deutlich schneller aber eben auch durch den Zeitverlust des extra Stops hinter ihm und Kimi.
vhn 16.05.2016
4. Als Vettel bei Red Bull Serien Sieger war...
... da haben die werten Foristen getönt, er solle mal zu Ferrari wechseln. Jetzt macht man sich über ihn lustig. Wobei längerfristig Ferrari wieder kommen wird. Das können die sich als Traditionsteam mit dem Budget nicht leisten. Glückwunsch an Verstappen. Der scheint im Gegensatz zu manch anderem Fahrer (noch) nicht so egozentriert. Bin aber gespannt auf die nächste gravierende Regeländerung. Bitte macht die F1 einfacher mit weniger komplexer Technik...
nofreemen 16.05.2016
5. Wendehälse anstatt anständige Reportage
Vor dem Rennen niedergemacht und jetzt voller Lob. Donald Trump geht es auch so. Medien eben.
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