Verstappens Sieg in Saudi-Arabien Fahrstunde mit dem Weltmeister

Was wäre die Formel 1 ohne DRS? Wer die Überholhilfe klug einsetzt, gewinnt Rennen – das weiß nun auch Max Verstappen. Lewis Hamilton ist derzeit kein WM-Kandidat – und Moral spielt in der Formel 1 keine Rolle.
Max Verstappen macht den Ausfall im ersten Saisonrennen mit dem Erfolg in Saudi-Arabien vergessen

Max Verstappen macht den Ausfall im ersten Saisonrennen mit dem Erfolg in Saudi-Arabien vergessen

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Mark Thompson / Getty Images

Wenn der Weltmeister sich selbst eine Fahrstunde gibt: Es dauerte 42 Runden, ehe der Große Preis von Saudi-Arabien, das zweite Rennen der Saison, richtig Fahrt aufnahm. Max Verstappen lag knapp hinter Charles Leclerc (Ferrari), der das erste Rennen in Bahrain gewonnen hatte. Kurz vor der Zielgeraden in dieser 42. Runde überholte der Red-Bull-Pilot. Mithilfe des Drag Reduction Systems (DRS), dem beweglichen Heckflügel, der eine Art Überholhilfe ist, konterte Leclerc prompt. Ein taktischer Fehler Verstappens, der ihm bei seinem zweiten Versuch (Runde 43) fast wieder passiert wäre. Beide Piloten bremsten unmittelbar vor der DRS-Linie hart, das hätte Verstappens Reifen beschädigen können. Doch wie in der Fahrschule kann auch ein Weltmeister aus Fehlern lernen. In der 47. Runde attackierte Verstappen später, nutzte das DRS auf der Zielgeraden für sich und ging in Führung.

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Das Ergebnis: Max Verstappen verteidigte die spät errungene Führung und gewann das umstrittene Rennen in Dschidda vor Leclerc und dessen Teamkollegen Carlos Sainz.

Geht’s raus und fahrt Rennen: Die Formel 1 steckt in einem Dilemma, auf das sie bisher nur eine Antwort kennt. Die Einnahmen müssen stimmen, Moral spielt keine Rolle . Deshalb verabschiedet sich die Rennserie vermehrt aus klassischen Motorsportländern, das Rennen in Saudi-Arabien ist das fünfte in Serie im Mittleren Osten. Durch den Raketenangriff am Freitag wurde das Dilemma größer, es gab Sicherheitsbedenken einiger Fahrer, am Ende wurden sie vom Veranstalter und den Formel-1-Bossen überzeugt. Fest steht aber auch: Saudi-Arabien ist direkt am Krieg im Jemen beteiligt, Menschenrechte werden dort immer wieder verletzt. Das hätte in die Bewertung einfließen müssen.

Die Autos sind sicher: Der Unfall von Mick Schumacher am Samstag im Qualifying hatte schlimme Befürchtungen geweckt. Doch nach einer Untersuchung im Krankenhaus war schnell klar, dass der Sohn des Rekordweltmeisters Michael Schumacher – trotz eines völlig zerstörten Wagens – keine Verletzungen davongetragen hat. »Ich bin komplett fit«, sagte der Haas-Pilot bei der Fahrerparade vor dem Rennen. »Das zeigt die Sicherheit der Autos heutzutage.« Mitfahren konnte Schumacher trotzdem nicht, sein Bolide konnte nicht rechtzeitig wieder hergestellt werden.

»Let them race«: Zu Beginn des Rennens gab es kaum Positionswechsel und keine Überholmanöver. Dabei war die Formel 1 mit ihren neuen Aerodynamik-Regeln nach dem Auftakt in Bahrain noch so gelobt worden für häufigere Rennaction. Doch es bleibt dabei: Ohne DRS, ohne ungleich abgenutzte Reifen bleibt das Überholen in der Formel 1 schwierig. Zwei Teamkollegen wollten das so aber nicht stehen lassen. Die Alpine-Fahrer Esteban Ocon und Fernando Alonso kamen sich ab der fünften Runde immer wieder sehr nah, Teamchef Otmar Szafnauer ließ sie zunächst gewähren. In der 14. Runde folgte das Machtwort, Alonso bekam freie Fahrt. Mitte des Rennens musste der Spanier jedoch sein Auto mit einem Defekt parken. Ocon sicherte auf Platz sechs wertvolle Punkte.

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Die Pole bringt kein Glück: Es hätte auch das Rennen des Sergio Pérez werden können. Immerhin hatte der Mexikaner am Samstag nach über 200 erfolglosen Versuchen seine erste Poleposition im zwölften Formel-1-Jahr errungen. Doch am Ende landete Pérez als großer Verlierer der Topfahrer nur auf dem vierten Platz – zum Teil mit Pech, zum Teil aber auch selbst verschuldet. Der Start gelang, Pérez verteidigte seine Führung und führte das Feld 16 Runden lang an. Dann verunfallte Nicholas Latifi (Williams), kurz zuvor hatte Pérez seine Reifen gewechselt. Da Latifis Wrack geborgen werden musste, kam das Safety Car auf die Strecke, und alle anderen Fahrer hatten ebenfalls die Möglichkeit, an die Box zu kommen. Das war Pech, weil Pérez an der Boxenausfahrt Sainz abdrängte, musste er seinen dritten Platz an den Spanier abgeben.

Sehr viel an Geschwindigkeit verloren: Lewis Hamilton und Mercedes

Sehr viel an Geschwindigkeit verloren: Lewis Hamilton und Mercedes

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Lars Baron / Getty Images

Ein ungewohntes Bild: Der Verlierer der Topfahrer heißt Sergio Pérez? Und was ist mit Lewis Hamilton, der als Zehnter nicht am Haas von Kevin Magnussen vorbeikam und gerade mal einen WM-Punkt einheimste? So erstaunlich das klingen mag, aber Hamilton (Mercedes) ist nach den Eindrücken der ersten beiden Rennen eben kein WM-Kandidat mehr. Mercedes hat den jahrelangen Motorenvorteil aus der Hand gegeben, derzeit kann der Antrieb der Silberpfeile mit Ferrari und Red Bull nicht mithalten. Hinzu kommt das sogenannte »Porpoising«, das Phänomen der hüpfenden Autos , mit dem Hamilton weiterhin zu kämpfen hat. Mercedes ist allerdings dafür bekannt, auch während einer Saison große Entwicklungsfortschritte machen zu können.

So geht es weiter: Die Formel 1 hat nun zwei Wochen Pause, ehe das dritte Rennen im australischen Melbourne ansteht. Leclerc wird dort als WM-Führender anreisen, er liegt mit 45 Punkten vor Sainz (33) und Verstappen (25), der nach dem Ausfall in Bahrain seine ersten Saisonpunkte einheimste. Dahinter folgen die Mercedes-Piloten, wobei Hamilton (16) hinter George Russell (22) liegt. Wird sich an der Hierarchie in Australien etwas ändern? Vermutlich nicht, erste größere Update-Pakete werden erst in Imola (24. April) oder in Barcelona (22. Mai) erwartet.

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