McLaren-Mercedes Neuer Silberpfeil als Auslaufmodell

Der neue Silberpfeil MP4-18 erlebt frühestens beim drittletzten Formel-1-Grand-Prix der Saison am 14. September in Monza seine Rennpremiere. McLaren-Mercedes verkauft die verspätete Herstellung als „perfekte Basis für das nächstjährige Auto“.


MP4-18: Der neue Silberpfeil macht Probleme
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MP4-18: Der neue Silberpfeil macht Probleme

Barcelona - McLaren-Mercedes hat die Rennpremiere seines neuen Silberpfeils erneut um zwei Monate verschoben, gibt aber den Kampf um die Formel-1-WM nicht auf. Nachdem bei viertägigen Testfahrten in Barcelona beim MP4-18 erneut Probleme aufgetreten waren, wurde der früheste Einsatztermin auf den 14. September in Monza festgesetzt. Ob der neue Dienstwagen dann beim drittletzten Grand-Prix der Saison tatsächlich die späteste Premiere eines Boliden in der Formel-1-Geschichte feiert oder dieses Jahr überhaupt nicht mehr zum Einsatz kommt, ist unklar.

"Wegen des anstehenden Testverbots können wir den MP4-18 nicht in den nächsten drei Rennen zum Einsatz bringen. Wir sind nicht im gesteckten Zeitrahmen und brauchen noch zusätzliche Tests", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Die Spanien-Tests brachten die Erkenntnis, dass der neue Wagen zwar sehr schnell, aber noch viel zu unzuverlässig für die nach mehreren Verschiebungen beim McLaren-Heimspiel am 20. Juli in Silverstone geplante Rennpremiere ist. Nach mehreren Unfällen und immer noch nicht ausgestandenen Problemen mit dem Bestehen des Crash-Tests gab es diesmal Pannen am Auspuff, der Startautomatik und der Elektronik.

Bei McLaren wird inzwischen ganz offen darüber diskutiert, in diesem Jahr ganz auf den Einsatz des MP4-18 zu verzichten. Auch Haug sieht den anfälligen neuen Silberpfeil inzwischen vor allem als Investition für das Jahr 2004: "Der Bau dieses komplett neuen Autos ist nun mal eine sehr komplexe Aufgabenstellung. Die Chancen für seinen Einsatz in diesem Jahr stehen gut, auf jeden Fall ist der MP4-18 eine perfekte Basis für das nächstjährige Auto."

Die Testfahrten für das weiterentwickelte Modell sollen bereits in diesem Jahr beginnen: "Ob er dann MP4-18 oder 19 heisst, ist doch völlig egal." Deshalb, so Haug, sei die Diskussion um eine angebliche Verschwendung von 50 Millionen Euro Entwicklungskosten für ein nicht einsatzfähiges Auto Unsinn: "Wir haben kein Geld rausgeschmissen. Das ist keine Fehlkonstruktion, sondern die Bauweise der Zukunft. Wir werden die Früchte dafür ernten."

Mit der Kritik, so Haug, könne McLaren-Mercedes locker umgehen: "Bei uns herrscht keine Unruhe oder Panik." Trotzdem dürfte speziell WM-Spitzenreiter Michael Schumacher aufatmen, dass sein mit acht Punkten Rückstand zweitplatzierter Verfolger Kimi Raikkönen (Finnland) weiter auf seinen neuen Dienstwagen warten muss. Auch wenn jetzt noch mehr für einen Bruderkampf der beiden Schumis um den WM-Titel spricht, gibt zumindest Norbert Haug den Kampf um die Krone nicht auf: "Wir sind noch voll im WM-Kampf. Auch das alte Auto hat das Potenzial für Siege."

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