Drei Thesen zur Formel 1 Mehr Schein als Sein

Auf dem Papier ist Mercedes dominant wie immer, auf der Strecke sieht das aber anders aus. Den derzeit ärgsten Konkurrenten Red Bull freut das, vor allem Daniel Ricciardo hat einen besonderen Ansporn.

Lewis Hamilton nach seinem Sieg in Monaco
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Lewis Hamilton nach seinem Sieg in Monaco


Da war sie, die erste Mercedes-Stallorder der Saison. Weil Nico Rosberg in Monaco mit technischen Problemen gegen Lewis Hamilton im Nachteil war, musste er ihn überholen lassen. Der Weltmeister holte seinen ersten Sieg. Aber die beiden Silberpfeile laufen längst nicht mehr so zuverlässig wie noch zu Beginn der Serie, dazu häufen sich die Fehler. Mit weniger Pech hätte die Konkurrenz das längst nutzen können. Der Formel 1 tut das sehr gut.

1) Die Dominanz von Mercedes: Mehr Schein als Sein

Fünf der ersten sechs Rennen hat Mercedes gewonnen, zwei davon sogar doppelt. Viermal siegte Rosberg, einmal Hamilton. Das klingt fast noch überragender als in der Vorsaison - ist es aber nicht. Denn was auf den Ergebnislisten eindeutig aussieht, ist es auf der Rennstrecke mittlerweile kaum noch.

Zugegeben: Die ersten Rennen der Saison hatte Mercedes im Griff, Rosberg hat sie alle fast ohne Probleme gewonnen. Aber Hamilton hatte da schon mit technischen Problemen zu kämpfen. Und seit dem Großen Preis von Spanien mit Sieger Max Verstappen, als Hamilton und Rosberg sich gegenseitig ausgeschaltet hatten, beginnt die Dominanz zu bröckeln. Red Bull wird für die Silberpfeile zur Gefahr. In Monaco hätte Daniel Ricciardo ohne verpatztem Reifenwechsel gewonnen. Hamilton war im Glück.

Allzu lange wird diese Glückssträhne nicht mehr halten. Wenn Mercedes nicht schnell wieder zu alter Stärke und technischer Verlässlichkeit zurückfindet, wird es die gute Ausgangsposition verspielen. Der Formel 1 tut diese Entwicklung gut, denn spätestens seit Spanien ist die selbsternannte Königsklasse des Motorsports so spannend und unterhaltsam wie lange nicht mehr. Und das liegt in erster Linie daran, dass Mercedes schwächelt.

2) In Kanada werden die Großen zurückschlagen

Ob Mercedes diesen Trend in Kanada stoppen kann, wird von der Tagesform abhängen. Die Chancen für die Top-Teams stehen aber gut: Auf dem Hochgeschwindigkeitskurs geht es viel geradeaus, dazu gibt es schnelle und enge Richtungswechsel. Es braucht also starke Motoren, gute Bremsen und fahrerisches Können. Kurzum: In Kanada gewinnt der beste Fahrer im besten Auto - Überraschungen sind nahezu ausgeschlossen.

Davon gab es zuletzt eine ganze Menge. Neben dem Sieg von Verstappen in Spanien waren das die Plätze drei, fünf und sechs für Sergio Pérez (Force India), Fernando Alonso (McLaren) und Pérez-Teamkollege Nico Hülkenberg. Dafür landeten Sebastian Vettel und Rosberg nicht auf dem Podium, Kimi Räikkönen kam gar nicht ins Ziel. Es gab jede Menge Punkte für die kleinen Teams, die Großen verloren dafür deutlich.

Das wird in Kanada anders sein. Während der enge Stadtkurs in Monte Carlo jeden Fehler bestraft und Überholen fast unmöglich ist, kommt es in Montreal auf Leistung an. Da werden die Teams mit den starken Antriebseinheiten vorne liegen, die schnell auf die Höchstgeschwindigkeit kommen und diese lange halten können. Die mit Top-Fahrern ausgestattet sind, die Bremspunkte treffen, mit Gefühl durch enge Kurven und mit viel Kraft auf die langen Geraden kommen. Es wird das Comeback der Großen werden.

3) Ricciardo wird zu Vettels größter Gefahr

Daniel Ricciardo und Sebastian Vettel sind ganz sicher zwei Fahrer, die sowohl über die Klasse als auch über das Auto verfügen. Beide haben in Kanada schon gewonnen: Vettel 2013 und Ricciardo 2014 - jeweils im Red Bull. Der Deutsche hat das Team danach verlassen, um mit Ferrari Weltmeister zu werden. Daraus wurde in der ersten Saison -verständlicherweise - noch nichts. Aber schon jetzt lässt sich mit Sicherheit sagen: In seinem zweiten Jahr bei der Scuderia wird Vettel auch keinen Titel holen.

Und plötzlich hat der vierfache Weltmeister noch mit einer ganz anderen Sorge zu kämpfen. Sein ehemaliger Teamkollege Ricciardo droht, ihn in der WM zu schlagen. Der Australier fährt beständiger als der Deutsche, hat im Gegensatz zu ihm bisher jedes Rennen beendet und landete dabei dreimal vor Vettel. In der Gesamtwertung hat er auf Rang drei sechs Punkte Vorsprung vor seinem nur fünftplatzierten Ex-Kollegen. Wenn das auch am Ende noch so ist, wird Vettels Wechsel zu Ferrari wohl zumindest in Frage gestellt werden.

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railerowl 10.06.2016
1. Quatsch...
Mercedes ist leider weiterhin das Maß aller Rennstrecken. Nur durch die eigene Doofheit und technische Probleme können auch mal andere zum Zug kommen. Die Formel 1 ist so langweilig wie noch nie. Die künstlichen Regeln, die da Spannung bringen sollen, sind ein Witz. Solange die Teams die Regeln machen bzw. beeinflussen, wird sich daran auch nichts ändern! Um wieder richtige Spannung in die Formel 1 zu bekommen, müssen Außenstehende die Regeln festlegen. Die Motoren müssen von den Tokens "befreit" werden! Viel besser wäre es, die Luftmenge beim Ansaugen zu begrenzen und den ganzen Elektronikschrott drum herum wieder aus den Autos zu werfen. Ein 6 Zylinder Turbo mit dem normalen, erprobten Kers System wäre das optimale. Dann könnten die Werke zeigen, was sie können! Auch sollte die Aerodynamik dringend beschnitten werden, damit nachfolgende Autos auch mal wieder echte Überholmanöver zeigen können! Weg mit den Klappflügeln! Ich setzte Hoffnung auf 2017 und die neuen Regeln. Auch wenn die alten Elektronikmonster weiterhin zum Antrieb verwendet werden. Diese "Möchtegernmotoren" hören sich immer noch so an, als wenn mein Nachbar seinen Rasenmähertraktor benutzt. Mit Rennmotoren hat das nichts zu tun. Da lobe ich mir doch die ADAC Masters oder die DTM. Die Motoren haben richtigen Sound!
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