Klimaziele der Formel 1 Warum die Silberpfeile grüner werden sollen

Die Formel 1 will bis 2030 klimaneutrale Rennen veranstalten. Einige Pläne der Organisatoren klingen ambitioniert. Vor allem geht es darum, die Automobilhersteller vom Verbleib in der Serie zu überzeugen.

In elf Jahren soll die Formel 1 klimaneutral sein - Valtteri Bottas wird dann wohl nicht mehr selber fahren
Andrej Isakovic/ AFP

In elf Jahren soll die Formel 1 klimaneutral sein - Valtteri Bottas wird dann wohl nicht mehr selber fahren

Von Karin Sturm und


Lewis Hamilton und Sebastian Vettel sind die beiden Stars der Formel 1. Zusammen haben die beiden zehn WM-Titel gewonnen, ihr Wort wird gehört. Hamilton und Vettel fordern: Eine Rennserie wie die Formel 1 müsse sich ernsthaft dem Thema Klimaschutz und Umweltbewusstsein stellen. In dieser Woche, vor dem vorletzten Saisonrennen in Brasilien (18.10 Uhr Liveticker SPIEGEL; TV: RTL und Sky), stellte das Formel-1-Management von Liberty Media einen Umwelt- und Nachhaltigkeitsplan vor, der die Königsklasse bis 2030 komplett CO2-neutral machen soll.

Hamilton betont, selbst alles zu versuchen, in seinem Alltag mit gutem Beispiel voranzugehen: "Ich erlaube niemandem im meinem Büro und in meinem Haushalt, Sachen aus Plastik zu kaufen. Alles muss recycelbar sein, vom Deo bis zur Zahnbürste." Seinen Privatjet habe er verkauft: "Ich fliege jetzt viel weniger, und wenn, dann mit einer Linienmaschine. Das war eine große Veränderung für mich. Ich versuche jetzt, alle unnötigen Reisen zu vermeiden." Dazu ernähre er sich vegan, Hamilton habe einen Elektro-Smart und er plane weitere Fahrzeuge zu verkaufen. "Ich weiß, dass es keine schnelle Lösung gibt. Ich habe aber das Gefühl, dass ich mit meinen Handlungen andere dafür begeistern kann, sich ebenfalls zu ändern."

Lewis Hamilton steigt in der Boxengasse auf den Tretroller um
Laci Perenyi/ imago images

Lewis Hamilton steigt in der Boxengasse auf den Tretroller um

Und Vettel, der die Hybridtechnologie am liebsten wieder abschaffen würde, aber nach seinen TV-Interviews schon mal die von Fernsehteams liegen gelassenen Plastikflaschen einsammelt und in die entsprechenden Recyclingbehälter wirft, fordert: "Es ist ein wichtiges Thema, jeder muss seinen Beitrag leisten, auch die Formel 1. Da passiert noch viel zu wenig."

Nun ist also etwas passiert, doch was plant die Formel 1 konkret?

  • Bis 2025 sollen die Rennwochenenden nachhaltig, sprich plastikfrei und mit erneuerbarer Energie betrieben, organisiert werden.
  • Die Strecken sollen den Zuschauern umweltfreundliche Anreisen ermöglichen.
  • Die Effizienz der Hybrid-Technologie soll mit ihren Energierückgewinnungssystemen weiter vorangetrieben werden, schon heute liegen Formel-1-Wagen in Sachen Effizienz deutlich über herkömmlichen Autos.
  • Bis 2030 will die Formel 1 mit 100 Prozent synthetischem, CO2-neutralem Kraftstoff fahren. 2021 soll dieser Anteil bei 20 Prozent liegen.
  • Die Logistik rund um ein Rennwochenende, der größte Faktor bei der Umweltverschmutzung, soll "ultraeffizient" werden. Was nicht vermieden werden kann, soll durch Klimakompensation aufgefangen werden.

Gerade in den letzten beiden Punkten bleiben die Formel-1-Macher unkonkret, es liest sich wie eine Absichtserklärung. Der Motorsport im Allgemeinen und die Formel 1 im Speziellen benötigen mehr Akzeptanz bei jüngeren Zuschauern, Liberty Media passt sich deshalb dem Zeitgeist an. Es ist ein schwieriger Spagat, der unterschiedliche Reaktionen hervorruft. Umweltbewusste Kritiker monieren, Formel 1 und Klimaschutz seien völlige Gegensätze - und Kompromisse kaum möglich. Formel-1-Fans äußern auf der anderen Seite Verständnislosigkeit darüber, wie man im Sinne guten Racings überhaupt auf die Idee kommen könne, Klimaziele zu verfolgen.

Was macht Mercedes ab der Saison 2021?

Die Zielgruppe der klimaneutralen Pläne ist ohnehin eine andere: Das sind die großen Hersteller, denen man einen Anreiz schaffen will, langfristig in der Formel 1 zu bleiben. Dort, wo in den Vorstandsetagen darüber diskutiert wird, wie man sich in der Öffentlichkeit als umweltbewusst und nachhaltig präsentieren kann. Speziell bei Mercedes, wo die Umweltthematik immer wichtiger wird. Das gilt aber auch für Renault und Honda. Von allen drei derzeit in der Formel 1 vertretenen Automobilkonzernen gibt es noch keine Zusage für die Zeit nach 2020 - wenn neue Regeln greifen und Ausstiegsgedanken aufkommen könnten. Und dann gibt es da noch die Formel E, die von einigen Herstellern als echte Alternative zur Formel 1 angesehen wird.

Der Silberpfeil fliegt durchs Grün
Getty Images

Der Silberpfeil fliegt durchs Grün

Bei der Unternehmensführung von Honda soll der fehlende Erfolg ein entscheidender Faktor sein. Bei Renault und bei Mercedes geht es eher um angekündigte Sparmaßnahmen. Erst kürzlich war aus Stuttgart zu vernehmen, dass eine Milliarde Euro allein beim Personal eingespart werden muss, dazu im Konzern Stellen abgebaut werden müssen. Womit sich Vorstandschef Ola Källenius, wohl kein ganz so großer Formel-1-Fan wie sein Vorgänger Dieter Zetsche, bald schwertun könnte, ein weiteres Formel-1-Engagement mit Kosten von über 150 Millionen Euro etwa dem Betriebsrat gegenüber zu rechtfertigen.

"Es deutet zwar vieles darauf hin, dass wir weitermachen, aber in Stein gemeißelt ist noch nichts", gibt Mercedes-Teamchef Toto Wolff zu. Klimaschutz soll einer Vertragsverlängerung nicht im Weg stehen.



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
achim21129 17.11.2019
1. Warum so umständlich?
Die Formel 1 nach Brasilien einstellen und dem Klima ist mega geholfen! Ist doch ganz einfach.
c700 17.11.2019
2. Wozu?
Es gibt doch schon die Formel E. Die ist um vieles interessanter, als diese lärmenden Umweltsünder.
senapis 17.11.2019
3. Schluss mit Verschwendung!
Erste Maßnahme zur "Nachhaltigkeit" könnte sein, dass an den Boxen nur noch Reparaturen erlaubt sein sollen. Also nicht Nachtanken (erl.), evtl. Treibstoffmenge begrenzen, ein einziger Satz Reifen für das gesamte Rennen, keine technische Einwirkung auf das Fahrzeug vom Boxenteam während der Fahrt, etc. pp. Grob gesagt, der beste Fahrer soll gewinnen, nicht die beste Boxenstrategie. Downsizing ist angesagt!
2cv 17.11.2019
4. E-Fuels sind das neue Zauberwort
....e-fuels, also im Wesentlichen über Strom erzeugte Kraftstoffe, sind das neue Zauberwort. Der geneigte Leser möge sich dazu bei Wikipedia und anderen Quellen einlesen. Ein klimaneutraler überhaupt irgendeiner Maschine ist aber aus Gründen der Physik technisch nicht möglich. "Die Entropie steigt stetig. Delta S größer Null". Alles andere ist entweder Ablaßhandel oder Verdrängung des Problems in zB (1.) andere Teile dieser Welt, (2.) Nachteile anderer Energieträger wie zB Rohstoffgewinnung oder Erzeugung oder (3.) Endlagerung, oder (4.) Ersatz durch andere vgl.bare Schadstoffe
Aleae iactae sunt 17.11.2019
5. Einfach wäre, keinen solchen undurchdachten Käse
Zitat von achim21129Die Formel 1 nach Brasilien einstellen und dem Klima ist mega geholfen! Ist doch ganz einfach.
zu schreiben. Schon mal 2 weitere Gedanken gemacht?
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