Regeländerung in der Formel 1 Die Party ist nicht vorbei

Die Dominanz von Mercedes in der Formel 1 ist erdrückend. Nun soll es mitten in der Saison eine neue Regel geben, die vor allem die Silberpfeile treffen könnte. An der Langeweile wird das wenig ändern.
Lewis Hamilton kann im Qualifying bald den Partymodus nicht mehr nutzen

Lewis Hamilton kann im Qualifying bald den Partymodus nicht mehr nutzen

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Bryn Lennon/ Getty Images

Lewis Hamilton kennt sich mit Partys aus. 87 Siege feierte er in der Formel 1, es fehlen noch vier bis zu Einstellung des Rekords von Michael Schumacher. 91 Pole Positions sind bereits Rekord. Zu Beginn der Saison 2018 prägte Hamilton einen Begriff, der seitdem immer wieder bemüht wird, wenn es um die Überlegenheit seines eigenen Rennstalls geht: der Partymodus.

Dabei geht es um eine spezielle Motoreinstellung bei Mercedes, mit der Hamilton und sein Teamkollege Valtteri Bottas im Qualifying mehr Leistung abrufen können. Der Partymodus kann im Kampf um die beste Rundenzeit an den Samstagen Vorteile bringen. Er ist aber nicht für die Rennen gedacht, weil Auto und Reifen mit dieser Extraleistung auf Dauer zu sehr strapaziert werden. Nun gibt sich der Motorsport-Weltverband Fia als Partycrasher, denn ab dem übernächsten Rennen im belgischen Spa soll in der Formel 1 nur noch in einem Motormodus gefahren werden.

Regeländerungen während einer laufenden Saison benötigen eigentlich entweder die Zustimmung aller Teams oder gravierende Sicherheitsbedenken - die es in diesem Fall nicht gibt. Deshalb wendet die Fia einen Trick an und wird eine sogenannte Technische Direktive herausgeben, mit der der Verband Grauzonen im Reglement auszumerzen versucht. "Die Vielzahl und die Komplexität der Modi" soll es der Fia - laut eigener Mitteilung - derzeit erschweren zu bewerten, ob alle Regeln eingehalten werden.

Warum reagiert die Fia jetzt?

Es ist zumindest ein ungewöhnlicher Zeitpunkt. Technische Direktiven gehören in der Formel 1 dazu, die Königsklasse des Motorsports steckt jedoch in einer schwierigen Phase. Da ist zum einen der Grundsatzstreit, wie drastisch in der Formel 1 kopiert werden darf. Im Mittelpunkt der Affäre steht Racing Point, ein Mercedes-Kundenteam, das illegal Teile nachgebaut haben soll. Die Strafe der Fia fiel relativ milde aus, dagegen gehen Ferrari und Renault vor - und dabei wurde die Rolle von Mercedes noch gar nicht thematisiert.

Racing Point wäre, wie auch Williams als zweiter Rennstall mit Mercedes-Motoren, vom Verbot des Partymodus betroffen. Aushilfsfahrer Nico Hülkenberg fuhr am vergangenen Wochenende im Qualifying von Silverstone auf den dritten Startplatz, das Ergebnis hatte für das Mittelfeldteam auch etwas von einer Party. Wer nun aber glaubt, die Vereinheitlichung der Motorenleistung wäre eine Reaktion auf den Kopiestreit, liegt falsch.

Denn die Formel 1 steckt zusätzlich in der Endphase der Verhandlungen über das neue Concorde-Agreement. Das ist eine Art Grundlagenvertrag zwischen der Fia, den beteiligten Teams und dem kommerziellen Rechteinhaber. In diesem Vertrag ist vor allem geregelt, wie die Einnahmen und Preisgelder auf die Teams verteilt werden, es geht aber auch um die grundsätzliche Verpflichtung der Rennställe, in einem festgelegten Zeitraum in der Formel 1 zu bleiben - und da sind Mercedes, Ferrari oder Red Bull wichtiger als Williams oder Racing Point.

Der Daimler-Konzern steckt wegen der Corona-Pandemie in einer schwierigen Situation, auch deshalb fehlte bisher die Zustimmung von Mercedes zum Concorde-Agreement. Nun gibt es aber Medienberichte über eine grundsätzliche Einigung. Die Gefahr eines Mercedes-Ausstiegs wäre somit gebannt - und die Fia kann sich wieder sportlichen Fragen widmen.

Wird die Formel 1 kurzfristig wieder spannender?

Nach den bisherigen fünf Saisonrennen mit fünf ersten Startplätzen und vier Rennerfolgen scheint sich der Trend der vergangenen Jahre zu bestätigen: Mercedes ist nur in Ausnahmefällen (Hitze, Reifen beanspruchende Strecken) zu schlagen. Der Weltmeister steht mit Hamilton im Grunde schon fest, auch wenn alle Beteiligten auf die vielen noch anstehenden Rennen verweisen. Für einen anderen Weltmeister müsste Außergewöhnliches passieren. Und da die grundsätzliche Ausrichtung der Rennwagen im kommenden Jahr nicht verändert wird, drohen anderthalb Jahre Langeweile.

"Es ist ehrlich gesagt keine Überraschung, die haben immer versucht, uns langsamer zu machen", sagte Hamilton in Barcelona vor dem nächsten Rennen (Sonntag 15.10 Uhr Liveticker SPIEGEL.de; TV: RTL und Sky) zu den Fia-Plänen: "Aber ich denke, dass es am Ende nicht zu diesem Ergebnis führen wird. Unser Team hat einfach einen guten Job mit dem Motor gemacht."

Er hätte auch sagen können: Sein Team hat einen guten Job mit dem gesamten Auto gemacht. Der Partymodus für die schnellste Qualifying-Runde ist nur einer von vielen Bausteinen in der Übermacht von Mercedes. Der Motor bleibt der beste im Feld. Die Silberpfeile haben auch aus aerodynamischer Sicht das stärkste Auto. Hamilton ist der schnellste und konstanteste Fahrer. Wirkliche Spannung wird durch die Änderung nicht entstehen.