Michael Schumacher "Es gibt keine Krise"

Rechtzeitig zum Großen Preis von Deutschland am kommenden Wochenende in Hockenheim will der Ferrari-Star die derzeitige "Pechsträhne" der Scuderia beendet wissen. Um wieder in Schwung zu kommen, hat er eigens den Erholungsurlaub für Tests unterbrochen.


Michael Schumacher: "Es war Pech"
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Michael Schumacher: "Es war Pech"

München - Probleme ja, Krise nein: Auf diesen Nenner bringt Michael Schumacher vor seinem Heimspiel in Hockenheim die Situation bei Ferrari. "Es gibt keine Krise", erklärt der Spitzenreiter der Formel-1-WM vor dem Großen Preis von Deutschland (Sonntag, 14 Uhr/live bei Premiere World und RTL) in einem Interview mit der Fachzeitung "Motorsport aktuell": Wir glauben, dass wir ein bisschen zurückgefallen sind und dass wir deswegen härter arbeiten müssen, aber wir befinden uns nicht in einer Krise."

Lediglich zehn Punkte hat der 31-Jährige in den letzten vier Rennen geholt. Zuletzt hatte er eine so magere Bilanz in seinem ersten Ferrari-Jahr 1996, als er in Montreal, Magny-Cours und Budapest ausfiel und dazwischen in Hockenheim Vierter wurde. Diesmal stehen wieder drei Ausfälle (Monaco, Magny-Cours, Zeltweg) zu Buche, dazwischen der Sieg im Regen von Montreal. Daraus bezieht Schumacher seine Zuversicht. "Ich weiß nicht, ob man von einer Krise sprechen kann, wenn ich zwischendurch gewinne. Es war eher Pech", sagt der Kerpener: "In Österreich bin ich abgeschossen worden, vorher hatte ich einen Motor- und einen Aufhängungsschaden, resultierend aus einem anderen Problem."

Vor dem elften von 17 WM-Läufen führt Schumacher (56 Punkte) in der Gesamtwertung nur noch mit sechs Zählern Vorsprung vor dem Schotten David Coulthard (50) und acht Punkten vor dessen McLaren-Mercedes-Kollegen Mika Häkkinen (48) und könnte in Hockenheim erstmals in dieser Saison die Führung verlieren. Sollte Häkkinen der Sieg von Zeltweg am Dienstag wegen der "Prüfplaketten-Affäre" vom Automobil-Weltverband (Fia) doch noch aberkannt werden, würde Coulthard sogar bis auf zwei Punkte an Schumacher heranrücken.

Dass sich während einer Saison die Kräfteverhältnisse zwischen den Top-Teams Ferrari und McLaren verschieben, ist laut Schumacher nichts Ungewöhnliches: "Wenn man auf die vergangenen zwei Jahre zurückblickt, war das Ganze ähnlich, nur umgekehrt. Am Anfang des Jahres hatten wir Schwierigkeiten, Mitte des Jahres sind wir aufgekommen, am Ende waren die McLaren wieder vorne. So sehe ich das im Moment auch bei uns." Defizite sieht Schumacher in der Aerodynamik und in der Fahrbarkeit des Motors, ein konzeptionelles Problem oder Schwierigkeiten mit der Standfestigkeit gebe es nicht, auch der Motor sei nicht am Limit. Letzte Woche unterbrach er eigens einen Erholungsurlaub für weitere Tests am Ferrari.

Ein Sieg in Hockenheim, sein erster im Ferrari, könnte alle Krisenspekulationen beenden. Nach seinem verletzungsbedingten Fehlen im Vorjahr freut er sich auf die Rückkehr ins Motodrom. Der Auftritt vor ausverkauftem Haus im Badischen wird zudem nicht der letzte sein. Nachdem Schumacher sich schon vor einiger Zeit öffentlich Gedanken gemacht hat, möglicherweise erst mit 40 Jahren seine Karriere zu beenden, bestätigt er noch einmal, dass er auch im Falle eines WM-Triumphes 2000 - dem ersten für Ferrari nach 21 Jahren - den Helm nicht an den Nagel hängen würde: "Ich hätte durchaus viel Spaß daran, auch mal wieder im Weltmeisterauto zu fahren."

Einstimmen auf den Riesen-Rummel in Hockenheim, wo am Wochenende 250.000 Zuschauer erwartet werden, wird sich Hobby-Fußballer Schumacher wieder einmal auf dem grünen Rasen. Am Mittwoch (18 Uhr/live bei Eurosport) lädt der Kerpener gemeinsam mit dem Kölner Privatsender RTL zu einem Benefizspiel ins Carl-Benz-Stadion nach Mannheim ein. Die "Formel-1-Allstars" mit Schumi, Giancarlo Fisichella und Jean Alesi treffen auf ein Team aus Pop- und Medien-Stars wie Sascha, DJ Bobo oder Pur-Sänger Hartmut Engler. Unterstützung erhält das "Spiel des Herzens", das Geld für notleidende Kinder einspielen soll, auch von Ex-Fußball-Profis wie Andreas Brehme, Hansi Müller und Toni Schumacher, Ex-Skispringer Dieter Thoma, Boxer Markus Beyer und Schwimm-Europameister Mark Warnecke.

Solche Aktionen und die eigene Familie lenken Schumacher immer wieder vom Stress an der Rennstrecke ab. "Natürlich hat man manchmal gewisse Müdigkeitserscheinungen. Deshalb ist es wichtig, einen vernünftigen Ausgleich zu finden", sagt Schumacher.

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