Michael Schumacher "Ich frage mich schon, was da passiert ist"

Er ist Rekordweltmeister und wollte in die Formel 1 zurückkehren. Michael Schumachers Comebackversuch wurde im Sommer zur Weltnachricht - mit dem SPIEGEL spricht der 40-Jährige nun erstmals ausführlich über das Scheitern des Plans, seine schwierige Rolle als Superstar und die Lust am Risiko.
Formel-1-Rekordweltmeister Schumacher: "Ich will Spaß haben"

Formel-1-Rekordweltmeister Schumacher: "Ich will Spaß haben"

Foto: ddp

Hamburg - "Ich habe ein paar Tage gebraucht, um meine Absage zu verdauen", sagt Michael Schumacher im SPIEGEL-Gespräch. Im Februar hatte sich der Formel-1-Rekordweltmeister bei einem Sturz mit dem Rennmotorrad schwer verletzt; wegen einer nicht ausgeheilten Nackenverletzung waren bei einer Ferrari-Testfahrt Schmerzen aufgetreten. Sie vereitelten das Vorhaben, nach knapp dreijähriger Rennpause wieder Grand Prix zu fahren. Schumacher musste Anfang August sein Comeback absagen, er hätte als Ersatz für den in Ungarn verunglückten Felipe Massa einspringen sollen.

Überrascht haben Schumacher die positiven Reaktionen, nachdem er Ende Juli das Comeback angekündigt hatte. "Ich war auch glücklich, es noch einmal probieren zu können. Ich habe sehr viel Unterstützung und Sympathie erlebt. Das machte das alles zu einer sehr speziellen Mission und hat mich sehr gerührt", sagt Schumacher. "Vor allem zu Beginn meiner Karriere war ich oft als Roboter dargestellt worden, als Unnahbarer, als der Unsympathische." Der Imagewandel wundere ihn. "Ich frage mich schon, was da passiert ist."

Seine Rolle als deutsches Sportidol sieht er zwiespältig. Schon während der Zeit als Rennfahrer hatte er darauf geachtet, die Privatsphäre zu schützen. "Der Rummel, die Prominenz, der Hype, danach habe ich mich nicht gesehnt", sagt er. "Ich habe damals eine Art Schutzschild mit mir getragen. Das kann ziemlich anstrengend sein." Das sei ein Grund für das Karriereende nach 16 Jahren in der Formel 1 gewesen. "Es wurde immer schwieriger, sich und den anderen gerecht zu werden."

"Das Risiko halte ich für kalkulierbar"

Wenn die Nackenverletzung kuriert sein wird, schließt Schumacher eine Rückkehr ins Cockpit nicht aus. "Ich bereue meinen Rücktritt vor drei Jahren jetzt genauso wenig wie damals. Trotzdem gibt es keinen Grund, eine endgültige Aussage zu machen. Warum sollte ich mich festlegen?" Ebenso kann er sich vorstellen, wieder Motorradrennen zu fahren. "Das Risiko halte ich für kalkulierbar, auch weiterhin."

Seine Freizeit nutzt Schumacher nicht nur, um Motorrad- und Kart-Rennen zu fahren, sondern auch um zu klettern und mit dem Fallschirm zu springen. "Ich lebe. Ich will Spaß haben. Und dazu gehören verrückte Dinge."

Was seine Zukunftspläne angeht, so lässt sich Schumacher Zeit. "Ich muss nicht Rennleiter von Ferrari sein, um ein ausgefülltes Leben zu haben", sagt er. "Aber mir ist auch klar geworden, dass irgendwann etwas Neues kommen wird, ein neues Kapitel."

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