Mosley vs. Dennis "Sie zerstören eine Menge"

Max Mosley und Ron Dennis sind sich vor dem Formel-1-Saisonfinale erneut mächtig in die Haare geraten. Die beiden Streithähne schreiben sich gegenseitig böse Briefe und geben diese gleichzeitig an die Öffentlichkeit.


Ron Dennis, Teammanager von McLaren-Mercedes, mit Mika Häkkinen
AFP

Ron Dennis, Teammanager von McLaren-Mercedes, mit Mika Häkkinen

Kuala Lumpur - Der seit Monaten schwelende Streit zwischen Max Mosley, Chef des Automobil-Weltverbandes (FIA), und McLaren-Boss Ron Dennis hat vor dem Saisonfinale der Formel 1 in Kuala Lumpur einen neuen Höhepunkt erreicht. Der FIA-Präsident hat Dennis in einem Brief scharf attackiert und eine Kopie dieses Schreibens an die internationale Presse gegeben.

"Irgendwo kommt der Punkt, an dem die Interessen der Formel 1 bedroht sind. Sie zerstören eine Menge, wenn Sie als Teamchef ständig unterstellen, dass die Formel-1-WM nicht anständig und fair ist. Das schreckt neue Sponsoren und neue Fans ab. Bitte durchdenken Sie die Dinge sorgfältiger, bevor Sie ihre Meinung äußern", schrieb Mosley.

Dennis, der schon vor einigen Wochen gemeinsam mit Frank Williams und Eddie Jordan einen Disput mit Mosley hatte, hatte sich zuletzt immer wieder für ein von der FIA unabhängiges Schiedsgericht ausgesprochen und vor dem Großen Preis von Japan kritisiert, dass in der dreiköpfigen Rennleitung in Suzuka nicht nur Stewards aus Ländern saßen, die nicht in die WM-Entscheidung eingebunden waren. Neben einem Schweizer und einem Japaner gehörte der Italiener Robert Causo zu diesem Gremium. Zudem war in den letzten Jahren häufiger der Eindruck entstanden, dass die FIA Ferrari bevorzugt behandelt. So wurden beispielsweise auf Drängen der Italiener 1998 die "Wunderbremse" oder in diesem Jahr ein neu entwickeltes Differenzial von McLaren verboten.

"Motorsport ist viel komplexer als die meisten anderen Sportarten, und die Formel-1-WM ist möglicherweise die komplexeste von allen. Wir tun unser Äußerstes, um sie sicher, fair und gut zu machen", meinte Mosley und empfahl Dennis: "Wenn Sie denken, dass Sie es besser können, dann können Sie ihre eigene Rennserie mit ihren eigenen sportlichen und technischen Regularien starten. Sie könnten ihre eigenen Stewards und ihre eigenen Abläufe für die Lösung von Problemen haben", sagte der Engländer. "Solange Sie die Sicherheitsregeln einhalten, wird die FIA Sie gerne unterstützen. Sie sollten aber nicht an der Formel-1-WM teilnehmen, in deren Regelkommission Sie sitzen und deren Regeln Sie seit mehr als 30 Jahren kennen und diese dann untergraben durch ständige Klagen gegenüber allen Medienvertretern, die es hören wollen", sagte Mosley. Dennis antwortete am Samstag auf die Vorwürfe ebenfalls in einem offenen Brief an Mosley. "Es war nie meine Absicht, einen Sport zu schädigen, dem ich den Großteil meines Arbeitslebens gewidmet habe", schrieb Dennis, der seine Aussagen in Japan missverstanden sieht: "Ich glaube, dass eine sorgfältige Analyse meiner öffentlichen Kommentare an jenem Wochenende zeigen wird, dass ich in der Tat fair und umsichtig war."

Er sei betrübt, dass einige seiner Aussagen als anti-italienisch oder gegen Robert Causo gerichtet interpretiert worden seien, meinte Dennis: "Ich habe sorgfältig erklärt, dass ich sicher bin, dass Mr. Causo in einer vollkommen korrekten Art in seiner Position handeln werde."

Außer dem Brief wollte Dennis am Rande des Großen Preises von Malaysia keinen weiteren Kommentar zu den Mosley-Vorwürfen abgeben. Er wolle auf jeden Fall noch persönlich den Kontakt zum FIA-Chef aufnehmen, um die Angelegenheit zu diskutieren. "Ich hoffe, ich kann alle Aussagen, die ich gemacht habe, in den richtigen Kontext setzen", so Dennis.

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