"Champion ohne Krone" Motorsport-Legende Stirling Moss ist tot

Was Pelé für den Fußball und Muhammad Ali fürs Boxen sind, das ist Stirling Moss im Motorsport. Der Brite gilt als der beste Formel-1-Fahrer, der nie Weltmeister wurde. Nun ist er im Alter von 90 Jahren gestorben.
Sir Stirling Moss 2013 in seinem 1955 Ferrari 750 Monza

Sir Stirling Moss 2013 in seinem 1955 Ferrari 750 Monza

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Mark Horsburgh/ REUTERS

Die britische Motorsportlegende Sir Stirling Moss ist tot. "Er starb so, wie er gelebt hat und sah wunderbar aus", sagte seine Ehefrau, Susie Moss, der Tageszeitung "Daily Mail" : "Er ist am Ende einfach eingeschlafen. Er hat die Augen geschlossen und das war's."

Stirling Craufurd Moss gilt vielen als der beste Fahrer der Formel 1, der nie Weltmeister wurde. Viermal war Moss WM-Zweiter, dreimal Dritter. Auf 16 Grand-Prix-Siege konnte der Brite zurückblicken, damit gewann er mehr Rennen als 17 der bisherigen 33 Weltmeister. An 529 Rennen in verschiedensten Klassen nahm er teil, 212-mal ging der Sieg an ihn.

Stirling stand immer wieder dicht vor der Erfüllung seines Traums vom Titel. 1958 fehlte ihm ein Punkt hinter seinem Landsmann Mike Hawthorn - weil er selbst sich für seinen Kontrahenten eingesetzt hatte, als dieser nach Platz zwei beim Großen Preis von Portugal disqualifiziert wurde. "Ich würde das jederzeit wieder tun, weil es fair war", erklärte Moss damals.

1962 verunglückte Moss auf der Rennstrecke von Goodwood schwer. Er erlitt zahlreiche Brüche und einen Gehirnschaden, lag zwischenzeitlich im Koma. Ein Jahr später endete seine Rennfahrerkarriere auf eben jener Strecke: Auf leerem Kurs steuerte Moss im Regen einen Lotus. Nach 30 Minuten stieg er aus, sagte: "Ich reagiere nicht mehr schnell genug."

"Der mit seinem Spazierstock herumläuft und sich einfach draufsetzt, wenn er mit dir ein Schwätzchen hält" - so beschrieb Lewis Hamilton einmal Stirling Moss (hier 2009 in Silverstone)

"Der mit seinem Spazierstock herumläuft und sich einfach draufsetzt, wenn er mit dir ein Schwätzchen hält" - so beschrieb Lewis Hamilton einmal Stirling Moss (hier 2009 in Silverstone)

Foto: Luca Bruno/ AP

Moss wurde Immobilienmakler, "weil man dafür nichts können muss", wie er einmal sagte. Vom Rennfahren konnte Moss, der 2000 zum Ritter geschlagen wurde, nicht lassen. In einem James-Bond-Film fuhr er den Fluchtwagen der Bösewichte. Für eine Trickfilmserie lieh er dem Rennauto Roary seine Stimme.

"Als Stirling Moss Rennwagen fuhr, waren Männer noch Männer. Es war wirklich eine gefährliche Zeit."

Jackie Stewart, dreimaliger Formel-1-Weltmeister zwischen 1969 und 1973

Bei Oldtimer-Rennen war er bis ins hohe Alter am Start. Sogar bei den Motorsport-Festivals in Goodwood raste er noch regelmäßig durch die Fordwater-Kurve. Mit der jüngeren Generation aber wollte er nicht tauschen: "Wir hatten einfach viel mehr Spaß. Wenn die Rennflagge fiel, waren wir knallhart und kämpften gegeneinander. Ansonsten waren wir Freunde. Wir haben es fürs Amüsement gemacht."

Zum 80. Geburtstag von Stirling Moss
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Alan Crowhurst/ dpa

Was Pelé für den Fußball und Muhammad Ali fürs Boxen sind, verkörpert Stirling Moss im Motorsport. Der 80. Geburtstag des Rennfahrers wurde mit einer großen PS-Party zelebriert. Dort, wo seine Karriere begann und endete: in Goodwood.

Im Dezember 2016 erlitt Moss eine schwere Brustinfektion, im Januar 2018 erklärte er seinen Rückzug aus der Öffentlichkeit. An Feierlichkeiten zu seinem 90. Geburtstag im September 2019 nahm seine Ehefrau ohne ihn teil. Am Ostersonntag ist Sir Stirling Moss im Alter von 90 Jahren in seinem Haus in London gestorben. 

sak/sid/dpa

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