Großer Preis von Bahrain Ein Race dauert 90 Sekunden

Vettel beim Aufwärmen raus, Hamilton in der ersten Kurve raus: Bereits nach einer Runde wusste Nico Rosberg, dass nur ein Fehler ihn den Sieg kosten konnte. Alles Wichtige zum Formel-1-Rennen.

Nico Rosberg im Mercedes
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Nico Rosberg im Mercedes

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Ausgangslage: Vor dem zweiten Grand Prix der Saison dominierten drei Themen die Szene: der anhaltende Streit um den Qualifikationsmodus, die erzwungene Rennsperre gegen Fernando Alonso nach seinem Unfall in Melbourne und die befürchtete Übermacht von Mercedes gegenüber der Konkurrenz.

Ergebnis: Nico Rosberg hat gewonnen, vor Kimi Räikkönen und Lewis Hamilton. Der Sieg des Deutschen war ungefährdet. Aber dennoch war das Rennen alles andere als langweilig. Das lag an spannenden Duellen hinter der Spitze und an absurden Regeln. Aber dazu später mehr. Hier geht es zum Rennbericht. Hier ist das Ergebnis auf einen Blick.

Die Startaufstellung: Hamilton und Rosberg standen erwartungsgemäß in der ersten Startreihe. Der Weltmeister hatte erneut die schnellste Runde im Qualifying gefahren. Dahinter die beiden Ferraris von Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen, die einzigen Autos, denen man zutraute, einen erneuten Mercedes-Doppelsieg zu verhindern.

Die Aufwärmrunde: In der Aufwärmrunde fing Sebastian Vettels Ferrari auf einmal an zu rauchen. "I think I have an engine failure", funkte der Deutsche in die Box: "Ich glaube, ich habe einen Motorschaden." Diese Befürchtung sollte sich bewahrheiten, das Rennen war für Vettel beendet, bevor die Renn-Ampel überhaupt auf Grün gesprungen war.

Die Startphase: In Melbourne hatte Hamilton von der Pole Position aus den Start verpatzt. Auch in Bahrain musste er Rosberg vorbeiziehen lassen. Als Hamilton sich gerade hinter seinem Teamkollegen in der ersten Rechtskurve einordnen wollte, wurde er von Valtteri Bottas im Williams innen angefahren. Hamiltons Frontflügel war beschädigt, auch Daniel Ricciardo wurde in die Kollision verwickelt. Einzig Bottas, der Auslöser, fuhr unbehelligt weiter. Williams durfte sich über einen exzellenten Start freuen, Bottas und Felipe Massa belegten zunächst die Plätze zwei und drei hinter Rosberg. Bottas erhielt allerdings nachträglich eine Durchfahrstrafe, weil er als Verursacher des Unfalls identifziert worden war.

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Rosbergs Sieg in Bahrain: Profiteur von Hamiltons Startproblemen
Der Ersatzfahrer: Nach Alonsos Unfall in Australien war der Spanier aus medizinischen Gründen von der Teilnahme am Rennen in Bahrain ausgeschlossen worden, sehr zu seinem Ärger und dem seines Teams McLaren. Als Ersatz für Alonso kam der Belgier Stoffel Vandoorne zu seinem ersten Formel-1-Rennen. Als sein Teamkollege Jenson Button schon gleich nach dem Start den Wagen abstellen musste, war Vandoorne der einzige McLaren-Fahrer im Feld. Am Ende wurde er Zehnter und sammelte so nebenbei noch die ersten Saisonpunkte für sein Team.

Superweiche Reifen: Die vielleicht beeindruckendste Leistung zeigte in Bahrain Romain Grosjean. Der Franzose startete in seinem Haas-Ferrari von Startposition neun. Das bedeutete, dass er der vorderste Fahrer war, der seine Reifen frei wählen durfte. Grosjean entschied sich für alte superweiche Reifen. Diese verschafften ihm einen erstaunlichen Vorteil. Grosjean fuhr bis auf den fünften Rang vor. Fast alle Teams reagierten darauf, indem sie ebenfalls die weichste Reifenmischung aufzogen. Im erst zweiten Rennen in der Geschichte des amerikanischen Haas-Rennstalls war es zum zweiten Mal eine sehr gute Leistung Grosjeans, der nicht umsonst als zukünftiger Teamkollege von Vettel im Ferrari gehandelt wird.

Schlüsselszene des Rennens: Alle Entscheidungen um den Tagessieg fielen zwischen der Aufwärmrunde und der ersten Kurve nach dem Start. Seiner zwei härtesten Konkurrenten ledig, durfte Rosberg für den Rest des Abends mit einem überlegenen Auto von vorne das Rennen zu Ende fahren. Mit seinem fünften Sieg in Serie hat der Deutsche seinen Anspruch auf den WM-Titel untermauert. Anders als in Australien wurde Hamilton diesmal allerdings ohne eigenes Verschulden um die Siegchancen gebracht. Aus einer miserablen Ausgangslage heraus fuhr der Brite noch ein gutes Rennen und wurde am Ende Dritter.

Die Erkenntnis des Rennens: Die Wüste lebt: Die Formel 1 mag sich nicht auf einen Qualifying-Modus einigen können, Mercedes mag ein zu gutes Auto haben, beides geschenkt. Aber wie schon in Melbourne bot auch das Rennen in Manama-Sakhir wieder viele faszinierende Duelle jenseits des Podiums. Neben Grosjean und Daniel Ricciardo beeindruckte auch Pascal Wehrlein in seinem zweiten Rennen im Manor auf Platz 13. Und so absurd manche Regularien auch sein mögen: In Bahrain sorgte zum Beispiel die Pflicht, während des Rennens verschiedene Reifensätze aufzuziehen, für unterhaltsame Momente. Langweilig ist die Formel 1 aktuell jedenfalls nicht.

Formel-1-Saison 2016
Die Teams und Fahrer
Mercedes
Lewis Hamilton und Nico Rosberg
Ferrari
Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen
Williams
Felipe Massa und Valtteri Bottas
Red Bull
Daniel Ricciardo und Max Verstappen
Force India
Nico Hülkenberg und Sergio Pérez
Renault
Kevin Magnussen und Jolyon Palmer
Toro Rosso
Daniil Kwjat und Carlos Sainz jr.
Sauber
Marcus Ericsson und Felipe Nasr
McLaren Honda
Fernando Alonso und Jenson Button
Manor
Rio Haryanto und Pascal Wehrlein
Haas
Romain Grosjean und Esteban Gutierrez
Der Rennkalender
20. März: Australien (Melbourne)
3. April: Bahrain (as-Sachir)
17. April: China (Shanghai)
1. Mai: Russland (Sotschi)
15. Mai: Spanien (Barcelona)
29. Mai: Monaco (Monte Carlo)
12. Juni: Kanada (Montréal)
19. Juni: Europa (Baku)
3. Juli: Österreich (Spielberg)
10. Juli: Großbritannien (Silverstone)
24. Juli: Ungarn (Mogyoród)
31. Juli: Deutschland (Hockenheim)
28. August: Belgien (Spa-Francorchamps)
4. September: Italien (Monza)
18. September: Singapur (Singapur)
2. Oktober: Malaysia (Sepang)
9. Oktober: Japan (Suzuka)
23. Oktober: USA (Austin)
30. Oktober: Mexiko (Mexiko-Stadt)
13. November: Brasilien (Interlagos)
27. November: Abu Dhabi (Yas-Insel)
Die Rekorde
Die meisten WM-Titel
Michael Schumacher (7)
Die meisten Grand-Prix-Siege
Michael Schumacher (91)
Die meisten Siege in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 13)
Die meisten Start-Ziel-Siege
Ayrton Senna (19)
Die meisten Podestplätze
Michael Schumacher (155)
Die meisten Podestplätze in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 17)
Die meisten Polepositions
Michael Schumacher (68)
Die meisten Polepositions in einer Saison
Sebastian Vettel (15)
Die schnellsten Rennrunden
Michael Schumacher (77)
Die meisten Grand-Prix-Starts
Rubens Barrichello (323)

insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
Thorkh@n 03.04.2016
1. Bottas?
Bottas hat den Unfall verursacht? Wie das denn? Er war innen und Hamilton ist von außen reingezogen. Wo hätte Bottas denn hin sollen? Weltmeister-Bonus für Hamilton?
patrick6 03.04.2016
2. Yep...
...das Rennen war kurzweilig, die Qualifikation nicht (bin das erste Mal dabei tatsächlich eingeschlafen). Ich finde, man sollte bei der Qualifikation auf den ganz alten Status wechseln: Eine Runde über 15 (meinetwegen auch 20) Minuten, fertig. Und Reifen ganz frei geben, sowohl für Qualifikation als auch Rennen. Man sieht ja schon jetzt, dass mehr Reifenauswahl das Rennen interessanter macht.
fireb 03.04.2016
3.
ja bottas hätte wohl nicht mal losfahren dürfen, krasse Fehlentscheidungen der stewards. fand Alonso's Ersatz schon klasse. Nahezu besser wie der EgoSpanier selbst ;)
cindy2009 03.04.2016
4. #1
Nicht mal Bottas hat der Entscheidung widersprochen.
emiliano-zapata 03.04.2016
5. was heißt das bitte:
"Ein Race dauert 90 Sekunden"? Kann einer mir die Bedeutung erklären? Danke, Emil
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