Räikkönens Formel-1-Comeback Der Eismann ist zurück

Kimi Räikkönen kehrt zurück in die Formel 1. Der ehemalige Weltmeister startet nach zwei Jahren im Rallye-Sport ab der kommenden Saison für das Lotus-Team. Die Konkurrenz freut sich auf den Könner - und auf den Freund feuchtfröhlichen Feierns.

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Hamburg - Kimi Räikkönen, der "Iceman", ist noch immer ein großer Name. Ob er tatsächlich noch einmal ein großer Fahrer werden kann, der um Siege mitfährt, wird man in der kommenden Saison sehen. Dann wird er als Rückkehrer für das Lotus-Team an den Start gehen. "Ich freue mich auf Kimi. Wenn er motiviert war - und das scheint jetzt der Fall zu sein - gehörte er immer zu den Besten", sagt sein ehemaliger Arbeitgeber, Mercedes-Sportchef Norbert Haug.

Räikkönen selbst sagt, sein "Hunger nach einer Rückkehr in die Formel 1" sei übermächtig geworden. Nach zwei Jahren im Rallye-Sport freue er sich nun sehr darauf, "dass ich dem Team auf seinem Weg an die Spitze der Startaufstellung in einer sehr wichtigen Position helfen kann".

Vor allem aber wird Räikkönen der Formel 1 dabei helfen, wieder etwas Schwung in die Königsklasse des Motorsports zu bringen. Der 32-Jährige ist neben Sebastian Vettel, Michael Schumacher, Fernando Alonso, Lewis Hamilton und Jenson Button der sechste Weltmeister. Vor allem aber ist er ein "Typ". Die großen Namen sorgten zuletzt nicht für die erhoffte Spannung im Kampf um den Titel, den Vettel in seinem Red Bull spielend leicht verteidigte. Und auch abseits des Renngeschehens herrscht meist Langeweile. Einzig Hamilton sorgte mit Rassismusvorwürfen und seiner Beziehung zum Pop-Sternchen Nicole Scherzinger für Aufregung. Zum positiven Image des Sports tragen derlei Streitigkeiten nicht bei.

Da kommt Räikkönen wie gerufen. Von 2002 bis 2006 ging er für McLaren-Mercedes an den Start. Seinen einzigen WM-Titel gewann Räikkönen 2007 im Ferrari, insgesamt kommt er auf 156 F1-Rennen und 18 Grand-Prix-Siege.

"Kimi ist ein feiner Kerl"

Doch dabei sind es weniger die sportlichen Verdienste, an die sich seine Ex- und Bald-wieder-Kollegen erinnern. "Kimi ist ein feiner Kerl", sagt Haug, und Räikkönens Landsmann Heikki Kovalainen erwartet als augenscheinlichste Folge des Comebacks, "dass die Partys nach den Rennen etwas besser werden". Auch Rekordweltmeister Schumacher, der 2003 die WM vor Räikkönen gewonnen hatte, erinnert sich an "nette gemeinsame Zeiten".

Räikkönen selbst kann sich wahrscheinlich nicht an alle seine ausgelassenen Partys erinnern. Kurz nach dem Gewinn seines WM-Titels wurde er schlafend auf einer Parkbank fotografiert, im Arm hielt er einen aufgeblasenen Gummidelfin. Mal im Gorilla-, mal im Adamskostüm feierte er in seiner Formel-1-Zeit mit Freunden - "Ich hatte ein paar Drinks", sagte er damals.

Abgesehen von solchen Eskapaden ist Räikkönen allerdings grundsolide. Er stammt aus einfachen Verhältnissen, ist Sohn eines Straßenarbeiters und einer Rentenkassen-Angestellten. Zwar ist er mit einer früheren Miss Scandinavia verheiratet, doch seit der Finne 2001 seine ersten Formel-1-Rennen für Sauber fuhr, gab er sich extrem einsilbig und weigerte sich stets, über Privates oder die eigene Gefühlslage Auskunft zu erteilen.

"Wie brillant er auch gefahren ist, Räikkönen bekommt hinterher die Zähne nicht auseinander", schrieb die "Frankfurter Allgemeine" 2003. Er selbst sagte dazu: "Ohne die Presse wäre die Formel 1 ein Paradies."

Nun hat sich Räikkönen also trotz der Presse zu einer Rückkehr entschieden. Ob er bei Lotus-Renault an glorreiche Zeiten anknüpfen kann, ist allerdings mehr als fraglich. Der Rennstall fuhr der Konkurrenz in diesem Jahr zumeist hinterher. In der Konstrukteurswertung landeten die Franzosen auf dem fünften Platz, nur knapp vor Force India.

Lotus plant noch weitere Änderungen für die Saison 2012

Ob Räikkönen den Brasilianer Bruno Senna oder den Russen Witalij Petrow ersetzt, ist unklar. Seit der schweren Verletzung von Robert Kubica im Februar ist das Team nicht sonderlich zufrieden mit der Cockpit-Besetzung. "Das gesamte Jahr haben wir gesagt, dass unser Team am Beginn einer neuen Zeitrechnung stand", sagte Teambesitzer Gerard López.

Der eigentliche Kubica-Ersatz Nick Heidfeld musste bereits während der Saison zugunsten Sennas weichen. Allerdings holte der Neffe des tödlich verunglückten Ayrton Senna in acht Rennen gerade einmal zwei Punkte. Auch Petrow war nicht sonderlich erfolgreich und landete mit 37 Punkten auf Platz zehn der Gesamtwertung - nur knapp vor Heidfeld, der seine 34 Zähler in elf Rennen einfuhr.

Als möglicher Kubica-Ersatz für 2012 galt bisher der Franzose Romain Grosjean als Favorit. Möglich ist auch, dass Grosjean und Raikkönen 2012 gemeinsam für Lotus fahren. "Kimis Entscheidung, mit uns in die Formel 1 zurückzukommen, ist der erste Schritt von mehreren Bekanntgaben, die uns in Zukunft zu einem noch ernsthafteren Mitbewerber machen werden", sagte López.

Die namhafteste Bekanntgabe aber wird Räikkönen bleiben, über den Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali einst sagte, er lebe "auf seinem eigenen Planeten". Den Finnen stören solche Aussagen wenig, er lebe sehr gut auf diesem Planeten, sagte er damals: "Es ist schön hier."

insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
wind_stopper 29.11.2011
1. Go Kimi
... das freut mich aber!
grauemasse 29.11.2011
2. wie geil ist das denn.....
endlich mal wieder einer, der "EIER" hat....
Sapientia 29.11.2011
3. Der hätte besser Gallionsfigur von Gorbatschow-Vodka werden sollen
Zitat von sysopKimi Räikkönen kehrt zurück in die Formel 1. Der ehemalige Weltmeister startet nach zwei Jahren im Rallyesport ab der kommenden Saison für das Lotus-Team. Die Konkurrenz freut sich auf den Könner - und auf den Freund feuchtfröhlichen Feierns. http://www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,800560,00.html
Kimi bekommt die Zähne nicht auseinander, kann keine Autos einstellen, letztlich geht ihm auch alles am ..... vorbei: entweder das Auto ist zufällig schnell oder eben nicht, dann gurkt er irgendwo hinten durch die Walachei oder er kippt sturzbesoffen von einem Bootsdeck auf das nächste. Aber ich kann schon die Freude mancher verstehen, die Silikon-Püppchen von blassen Fahrertypen, die aus PR-Gründen wie Marionetten wirken, da kommt Kimi mit der Pulle in der Hand gerade richtig.
Hölderlinkarussell 29.11.2011
4. Gib Gummi Kimi
Viel Erfolg für die nächste Saison und unfallfreies Fahren. Aber mit der Lotusgurke wird das wohl nix. Das ist eher ein Eingewöhnungsjahr um wieder durchzusteigen. Es hat sich ja so einiges verändert (Heckflügel, Tankverbot, Reifenlieferant, Aeropakete). Unseren Sebbel Vettel schaffst sowieso nicht. Hoffentlich ist bald März, habe jetzt schon Entzug ;o)
drnice1983 29.11.2011
5. coole Sache
Zitat von SapientiaKimi bekommt die Zähne nicht auseinander, kann keine Autos einstellen, letztlich geht ihm auch alles am ..... vorbei: entweder das Auto ist zufällig schnell oder eben nicht, dann gurkt er irgendwo hinten durch die Walachei oder er kippt sturzbesoffen von einem Bootsdeck auf das nächste. Aber ich kann schon die Freude mancher verstehen, die Silikon-Püppchen von blassen Fahrertypen, die aus PR-Gründen wie Marionetten wirken, da kommt Kimi mit der Pulle in der Hand gerade richtig.
Naja seinen WM Titel und die gewonnen Rennen zeigen doch schon, dass das nicht nur "Zufall" war, oder? Ich finds cool, denke nur leider, dass Kimi sich ähnlich wie Schumi zu viel vornimmt und doch nur meist hinterher fahren wird...
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