Zum Inhalt springen

Renn-Analyse Schumacher, die Mensch-Maschine

Wenn selbst Niki Lauda nichts mehr einfällt, muss es schlimm stehen um die Formel 1. Angesichts der Vorstellungen von BMW-Williams und McLaren-Mercedes in Bahrein blieben aber viele sprachlos, zumal nicht einmal Geheimfavorit Renault richtig in Tritt kommt. Michael Schumacher dagegen scheint einen weiteren Rekord anzupeilen.
Von Jörg Schallenberg

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Heißt es. Nur in der Formel 1 gilt diese Weisheit nicht mehr. Denn da ist schon nach dem dritten WM-Lauf dieser Saison jede Hoffnung auf ein spannendes Titelrennen verflogen. Womit sollte sich jene Teams, die ihre Wagen nicht feuerrot lackieren dürfen, auch noch Mut machen? Vor dem Grand Prix in Malaysia war es die glühende Hitze, die den Bridgestone-Reifen von Ferrari den Garaus machen sollte, in Bahrein dagegen durfte man höchstens auf ein paar feine Sandkörner im Getriebe des Schumi-Flitzers F2004 spekulieren. Oder auf ungewohnte Fehler bei einer noch ungewohnten Piste.

Natürlich kam dann alles so anders wie immer: Sand im Getriebe hatte Kimi Räikkönen, und die einzige Abwechslung zum bisherigen Auftreten der McLaren-Mercedes bestand darin, dass dieses Mal auch Teamkollege David Coulthard nicht ins Ziel kam. Muss man noch irgendetwas zu den Silberpfeilen sagen? Nein. Die Fehler auf der Wüstenpiste inklusive diverser Ausrutscher produzierten dann auch alle anderen, aber nicht die Ferrari-Uhrwerke an der Spitze. Wenn man den beiden Führenden in Bahrein so zuschaute, kam man sich bisweilen vor wie bei einem Konzert der Band Kraftwerk, denn da weiß man auch nicht immer so genau, ob nun gerade Roboter oder Menschen auf der Bühne stehen.

Fast beruhigend wirkte es, wie die Mensch-Maschine Michael Schumacher nach dem Rennen über erhebliche Probleme mit Reifen und Bremsen klagte und eindrucksvoll schilderte, wie sein rechtes Vorderrad in der ersten Kurve nach dem Start blockierte, was um eine Haar dazu geführt hätte, dass Rubens Barrichello im zweiten Ferrari in ihn reingekracht wäre. Diese Saison hat bereits viele schöne Sinnbilder geliefert - dass sich die Ferraris nur selbst schlagen können, wäre das nächste gewesen. Aber nicht mal das funktioniert.

Für Karambolagen war in Bahrein Ralf Schumacher zuständig, der sich mit seinen unüberlegten Überholmanövern, wie er selbst treffend bemerkte, womöglich um einen Platz unter den ersten drei gebracht hat und später von den Rennkommissaren mit einer Verwarnung belegt wurde. Weil sich nicht mal mehr Juan-Pablo Montoya an die Fersen von Michael Schumacher heften konnte, sieht es nach dem Rennen am Golf nicht nur für McLaren-Mercedes, sondern auch bei BMW-Williams zappenduster aus. Selbst Geheimfavorit Fernando Alonso im Renault, der vergangene Saison großartige Rennen ablieferte, kommt bislang nicht richtig in Tritt. Elf Punkte nach drei Rennen sind für die gestiegenen Ansprüche im Briatore-Rennstall erheblich zuwenig, selbst wenn man mit insgesamt 22 Zählern in der Konstrukteurswertung auf dem zweiten Platz liegt.

Doch Renault kann die beinahe unfassbare Schwächephase der vermeintlich härtesten Konkurrenten nicht entscheidend nutzen. Selbst der allwissenden österreichische Billardkugel Niki Lauda fällt angesichts der freiwilligen Selbstkontrolle sämtlicher vor der Saison favorisierter Teams - außer Ferrari - nichts mehr ein. Das ist zwar einerseits ganz angenehm, spiegelt aber die herrschende Ratlosigkeit im Formel-1-Lager unangenehm deutlich wider. Optimismus herrscht in diesen Tagen - außer bei Ferrari - nur noch im Rennstall von B.A.R-Honda, wo man bereits seit Wochen unverhohlen vom ersten Sieg in dieser Saison träumt.

Da Jenson Button mittlerweile auf dem dritten Platz der Fahrerwertung liegt, hinter, na, Sie wissen schon, lächelt sogar niemand mehr über dieses kühne Ansinnen. Hinter Ferrari, das hat der Große Preis von Bahrein gezeigt, werden die Karten derzeit völlig neu gemischt, und das Ergebnis steht noch lange nicht fest. An der Spitze aber bleibt Michael Schumacher auf unabsehbare Zeit unangreifbar. Dass der Weltmeister der eigenen Erfolge irgendwann überdrüssig wird, braucht niemand zu hoffen. Es gibt schließlich noch einige Rekorde, die geknackt werden müssen - oder hat etwa zuvor schon mal jemand alle Rennen in einer Saison gewonnen? Na also.

Um die Attraktivität der Formel 1 nicht zu gefährden, wäre es dennoch schön, wenn man zumindest auf mittlere Sicht, naja, oder eher auf längere, oder eben überhaupt irgendwann einmal, einen Herausforderer für die Magier aus Maranello entdecken könnte. Und siehe da, wer saß am Rande der Piste in Bahrein? Niemand anderes als VW-Chef Bernd Pischetsrieder. Sollte Volkswagen etwa doch noch mal in die Formel 1 einsteigen? Um durch die allmähliche Verlagerung der Rennserie nach Fernost neue Märkte in Asien zu erschließen? Und nebenbei die hochnäsige Konkurrenz von BMW und Mercedes vorzuführen?

Hallo, Herr Pischetsrieder, das wäre doch eine hervorragende Idee! Aber nein. Der VW-Boss dementierte alle Überlegungen umgehend und verwies darauf, dass sein Konzern bereits über hervorragende Geschäftsbeziehungen in Asien verfügt. Stimmt auch wieder. Aber auf was soll man denn jetzt noch hoffen? Vielleicht schneit es ja in drei Wochen in Imola beim Großen Preis von San Marino. Wer baut eigentlich die besseren Winterreifen - Bridgestone oder Michelin?

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.