Rennen in Melbourne Button gewinnt, Vettel bestraft

Ein Crash am Anfang, einer am Ende und ein Überraschungssieger: Jenson Button vom neuen Team Brawn GP hat den WM-Auftakt der Formel 1 in Melbourne gewonnen. Sebastian Vettel schied aus und wurde als Unfallverursacher nachträglich bestraft. Ferrari erlebte ein Debakel.


Melbourne - Jenson Button sicherte sich zum Saisonauftakt der Formel 1 den Sieg beim Großen Preis von Australien. Der Brawn-Pilot, der von der Pole Position gestartet war, erreichte nach 58 Runden und einer Gesamtdistanz von 307,574 Kilometern in 1:34:15,784 Stunden dass Ziel. Für Button war es vor rund 100.000 Zuschauern im Albert Park von Melbourne erst der zweite Sieg in einem Grand Prix nach dem Erfolg am 6. August 2006 in Ungarn. Brawn GP ist das vierte Team der Formel-1-Geschichte, das gleich beim Grand-Prix-Debüt einen Sieg feiern konnte. Vor dem Honda-Nachfolger hatten dies bereits Alfa Romeo (1950), Mercedes (1954) und Wolf-Ford (1977) geschafft.

Dass sein Team die Konkurrenz auch im weiteren Verlauf der Saison so klar dominieren wird, glaubt Ross Brawn nicht. "Sie werden auch nachlegen", sagte der ehemalige Technische Direktor von Ferrari. Brawn, in der Formel-1-Szene als "Superhirn" bekannt, wurde von Start-Ziel-Sieger Button hymnisch gepriesen. "Ross, du bist eine Legende", ließ Button via Teamfunk verlauten, "das Ganze ist wie ein Märchen."

Dritter wurde Weltmeister Lewis Hamilton (Großbritannien) im McLaren-Mercedes, dahinter folgte als bester Deutscher Timo Glock. Der Toyota-Pilot war nach seiner Disqualifikation und der seines Teamkollegen Jarno Trulli im Zeittraining wegen eines nicht erlaubten Heckflügels aus der Boxengasse ins Rennen gegangen.

Nico Rosberg wurde Sechster. Dem Williams-Fahrer glückte mit 1:27,706 Minuten die schnellste Runde. Adrian Sutil belegte im Force India Platz neun. Direkt dahinter landete BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld, dessen Fahrzeug nach einer unverschuldeten Kollision in der ersten Runde so sehr beschädigt wurde, "dass da schon Hopfen und Malz verloren war".

Die Ferrari-Piloten Felipe Massa und Kimi Räikkönen gingen zum Auftakt der Formel-1-Saison leer aus. Räikkönen leistete sich einen Dreher, rutschte in die Leitplanke und ramponierte dabei sein Auto derart, dass er das Rennen später aufgeben musste. Der Finne wurde als 16. gewertet, da er bei seinem Aus bereits genug Kilometer zurückgelegt hatte, um noch im Klassement zu landen. Vizeweltmeister Massa aus Brasilien schied in der 46. Runde wegen eines Defekts aus.

Offen ist noch, ob die Ergebnisse aus Melbourne (und dem nächsten Rennen am kommenden Sonntag in Malaysia) Bestand haben werden. Am 14. April wird die Berufungsinstanz des Weltverbandes Fia über den Protest gegen Brawn, Williams und Toyota entscheiden.

Die übrigen sieben Teams der Formel 1 sind der Ansicht, dass deren Fahrzeuge wegen einer speziellen Unterbodenkonstruktion gegen das Reglement verstoßen. Der sogenannte "Diffusor" soll pro Runde einen Zeitvorteil von rund einer halben Sekunde bringen.

Hinter dem 29-jährigen Button vergab Sebastian Vettel (Red Bull) beim ersten von 17 WM-Rennen dieser Saison einen Podestplatz. Der 21-jährige Deutsche kollidierte drei Runden vor Schluss mit dem Polen Robert Kubica (BMW-Sauber) im Kampf um Platz zwei und konnte das Rennen wie sein Kontrahent nicht beenden. Dadurch holte der Brasilianer Rubens Barrichello den zweiten Platz und machte den Doppelsieg des neuen Brawn-Teams perfekt.

"Ich bin ein Idiot, es tut mir sehr, sehr leid", gab Vettel via Teamfunk zu. Weil er nach dem Crash und einem anschließenden Mauerkontakt noch eine ganze Zeit mit seinem defekten Auto auf drei Rädern weitergefahren war, wurde Red Bull von Rennkommissaren zu einer Geldstrafe von 50.000 Dollar (rund 37.600 Euro) verurteilt. Das Team hätte Vettel anweisen müssen, die Strecke zu verlassen und anzuhalten.

Mehr weh tun wird Red Bull die Strafe für Vettel: Er wird in der Startaufstellung für den Grand Prix am kommenden Sonntag in Malaysia zehn Plätze zurückgestuft. Die Stewards sahen in Vettel den Verursacher der Kollision mit Kubica.

Der Pole hatte seinem Rivalen nicht direkt die Schuld geben wollen, Vettel aber dennoch kritisiert: "Ich war sehr viel schneller als er. Sebastian ist in der Kurve eins ein bisschen weit raus gekommen. Er hat versucht, die Position zu verteidigen, ein bisschen zu viel, würde ich sagen. Er war in der Szene vielleicht ein bisschen optimistisch."



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Michael KaiRo 16.01.2009
1.
Zitat von sysopNeue Autos, neue Regeln, neue Technik: Die Formel 1 sieht 2009 ganz anders aus. Doch ändern sich damit auch die Kräfteverhältnisse? Wer ist Ihr Titelfavorit, was halten Sie von den Neuerungen in der Königsklasse?
Die Regeländerungen sehe ich weitgehendst positiv - diese dummen zigfachen Flaps sahen sowieso eher müllig aus. Hätte aber noch das "Umkleiden" der Rückspiegel wie es Ferrari jetzt getan hat, verboten - die waren wohl clever und fanden ne Lücke ;-) Die Kräfteverhältnisse dürften sich wohl eher marginal verschieben. Da bleibe ich Realist. Vor allem wünsche ich mir, dass mehr Entscheidungen auf der Rennstrecke fallen als am grünen Tisch. Aber das dürfte wohl Wunschdenken bleiben. Die Meisterschaft wird immer (nach Möglichkeit) bis zum letzten Rennen offen gehalten werden, egal ob Regelkonfrom oder nicht. Ansonsten: Schade, dass es die Sportwagen-WM der Prototypen nicht mehr gibt :-(
Cholerix, 16.01.2009
2.
Zitat von Michael KaiRoDie Regeländerungen sehe ich weitgehendst positiv - diese dummen zigfachen Flaps sahen sowieso eher müllig aus. Hätte aber noch das "Umkleiden" der Rückspiegel wie es Ferrari jetzt getan hat, verboten - die waren wohl clever und fanden ne Lücke ;-) Die Kräfteverhältnisse dürften sich wohl eher marginal verschieben. Da bleibe ich Realist. Vor allem wünsche ich mir, dass mehr Entscheidungen auf der Rennstrecke fallen als am grünen Tisch. Aber das dürfte wohl Wunschdenken bleiben. Die Meisterschaft wird immer (nach Möglichkeit) bis zum letzten Rennen offen gehalten werden, egal ob Regelkonfrom oder nicht. Ansonsten: Schade, dass es die Sportwagen-WM der Prototypen nicht mehr gibt :-(
Dem würde ich mich nachdrücklich anschlieesen wollen ! Was die 2009er F1 anbelangt: Potthäääässlich. Bislang hatten Autorennen auch stets ein ästhetisches Element. Das Thema ist in der F1 nun aber durch. Bedingt durch die Regeländerungen ist da nun was entstanden, was noch grauenhafter aussieht als in den Vorjahren diese ganzen angepappten aerodynamischen Hilfkonstruktionen. Ich fürchte, das könnte mein verbliebenes Interesse an der F1 beenden. Ich hätte zudem eine Rückbesinnung auf die "Bastelstuben" früherer Jahre bevorzugt. Die Konzerne haben letztlich noch jede gute Motorsportserie mit Geld kaputtbekommen. Gerade auch Mercedes (u.a. FIA GT97 und Gruppe C)
lynx2 16.01.2009
3. Geld kaputt machen?
Zitat von CholerixDem würde ich mich nachdrücklich anschlieesen wollen ! Was die 2009er F1 anbelangt: Potthäääässlich. Bislang hatten Autorennen auch stets ein ästhetisches Element. Das Thema ist in der F1 nun aber durch. Bedingt durch die Regeländerungen ist da nun was entstanden, was noch grauenhafter aussieht als in den Vorjahren diese ganzen angepappten aerodynamischen Hilfkonstruktionen. Ich fürchte, das könnte mein verbliebenes Interesse an der F1 beenden. Ich hätte zudem eine Rückbesinnung auf die "Bastelstuben" früherer Jahre bevorzugt. Die Konzerne haben letztlich noch jede gute Motorsportserie mit Geld kaputtbekommen. Gerade auch Mercedes (u.a. FIA GT97 und Gruppe C)
Wieso? Mercedes hat's doch! Wenn Chrysler abschmiert müssen sie nochmals eine schlappe Mrd. nachschießen. Für F1 reicht es noch dicke. Das zeigt nur, daß die Autohersteller immer noch genügend Geld haben für diesen Firlefanz. Wo ist da eine Autokrise? Daimler kann über seine Autofinanzierungstochter ja eine 100 Mio oder mehr einsacken an Staatsknete und damit weiter auch F1 finanzieren. Ist doch schön!
myspace 16.01.2009
4. .
Einheitsreifen, keine Schlupfkontrolle mehr - diese Jahr kommt es wieder auf das fahrerische Können an. Plus: Durch die neuen Aerodynamikregeln wird der Abtrieb deutlich gesenkt, gut möglich, daß es wieder ein bißchen Action mit richtige Überholmanövern gibt.
metbaer 17.01.2009
5.
Ich bin gespannt, was die neuen Regeln bringen. Vielleicht schaue ich die Formel 1 dann auch wieder mit etwas mehr Freude... die letzten Jahre machte die NASCAR- Serie in den USA dann doch mehr Spaß. Warum? Weniger Aerodynamik, weniger Elektronik, weniger Schnickschnack und einfach mehr fahrerisches Können.
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