Rennen in Monaco Räikkönen siegt, Schumachers zoffen sich

Kimi Räikkönen hat auch den Großen Preis von Monaco gewonnen. Der Spanien-Sieger fuhr von der Pole-Position zu einem sicheren Erfolg, Nick Heidfeld wurde Zweiter. Weltmeister Michael Schumacher hatte beim sechsten Saisonrennen keine Chance, dafür aber anschließend ordentlich Ärger mit seinem Bruder.


Verärgerter Ralf Schumacher: "Manchmal schaltet Michael sein Gehirn nicht ein"
AFP

Verärgerter Ralf Schumacher: "Manchmal schaltet Michael sein Gehirn nicht ein"

Hamburg - Nach 78 Runden und 260,520 Kilometern in Monte Carlo lag Räikkönen deutlich vorn. Der McLaren-Mercedes-Pilot, der die Qualifikation gewonnen hatte, war bereits vor 14 Tagen in Spanien siegreich. "Es war ein herrlich herausgefahrener und sehr spezieller Sieg, ich bin unheimlich glücklich", sagte Räikkönen, der sich auch von einer Safety-Car-Phase nicht aus dem Konzept bringen ließ. "Wir werden um die WM kämpfen", verkündete der 25-Jährige nach dem 45. Sieg von Mercedes im 200. Grand-Prix-Rennen.

"Kimi war einfach exzellent, er hat am ganzen Wochenende keinen Fehler gemacht", lobte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug seinen Spitzenfahrer für dessen Start-Ziel-Sieg, "ein Ein-Stopp-Rennen von der Pole aus zu gewinnen, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen." Auch beim nächsten Rennen am kommenden Sonntag auf dem Nürburgring will Räikkönen wieder angreifen. "Ich mag die Strecke und wir sind dort schnell. Ich gehe zuversichtlicher an den Start als hier", so der Vizeweltmeister von 2003 über den Großen Preis von Europa.

Fotostrecke

12  Bilder
GP von Monaco: Stars und Sternenkrieger im Fürstentum

Trotz Räikkönens Sieg liegt in der Fahrerwertung Fernando Alonso deutlich vorn. Der spanische Renault-Pilot, der in Monaco Vierter wurde, hat nach sechs von 19 WM-Rennen 49 Punkte auf seinem Konto. Räikkönen ist mit 27 Zählern Zweiter vor Jarno Trulli (Toyota), der als Zehnter auf dem traditionsreichen Straßenkurs ohne Punkte blieb. Das Rennen in Monaco hatte mit einer Gedenkminute für den verstorbenen Fürst Rainier begonnen.

Einen hervorragenden zweiten Platz beim Rennen im Fürstentum mit einem Rückstand von 13,8 Sekunden belegte BMW-Williams-Fahrer Heidfeld. Für den Deutschen war es das beste Ergebnis seiner F1-Karriere. Heidfelds australischer Teamkollege Mark Webber fuhr als Dritter ebenfalls einen Podestplatz heraus. "Es ist fantastisch und ein tolles Gefühl", freute sich Heidfeld.

Sieger Räikkönen: "Wir werden um die WM kämpfen"
DPA

Sieger Räikkönen: "Wir werden um die WM kämpfen"

"Das Auto war einfach sehr gut. Auch die Mechaniker haben bei unseren Stopps einen tollen Job gemacht", verteilte Heidfeld Lob ans ganze Team. Mit einem spektakulären Manöver hatte der 28-Jährige in der 72. Runde sogar Alsonso überholt. "Ich bin volles Risiko gegangen", kommentierte Heidfeld seinen gelungenen Coup, "jetzt will ich in dieser Saison noch Rennen gewinnen." Auch BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen war begeistert: "Beide haben ein überragendes Rennen abgeliefert. Das war ein Befreiungsschlag für das Team."

Michael Schumacher holte in seinem 150. Rennen für Ferrari lediglich zwei WM-Punkte. Die Titelverteidigung ist für den WM-Neunten bei 37 Punkten Rückstand auf Alonso so gut wie ausgeschlossen. "Ferrari hat den Titel endgültig verloren. Nicht Michael, sondern Kimi und ich sind jetzt zu schlagen", tönte Alonso. Der zweite Ferrari-Fahrer Rubens Barrichello belegte den achten Platz.

Schumacher, der in Monaco schon fünfmal gewinnen konnte, hatte erneut Pech. In der 24. Runde kollidierte er mit dem vor ihm fahrenden Schotten David Coulthard (Red Bull), verlor seinen Frontflügel und musste in die Box. An dem Unfall traf Schumacher keine Schuld, Minardi-Pilot Christian Albers hatte sich nach einem Fahrfehler in der Loews-Kurve auf der Strecke quergestellt und zwang seine Kollegen zu einem ungewollten Bremsmanöver.

Nach 78 Runden lag Schumacher 37,2 Sekunden hinter Räikkönen. "Ich hatte schon schönere Momente in meiner Karriere, aber das Rennfahren macht mir auch so noch Spaß. Ich gebe jedenfalls nicht auf", sagte Schumacher, "Nase weg, Pit-Stop, Überrundung - heute kam alles gegen uns zusammen, was möglich ist."

Genervter Schumacher: "Ich gebe nicht auf"
AP

Genervter Schumacher: "Ich gebe nicht auf"

Juan Pablo Montoya, der wegen einer Strafe vom letzten Platz starten musste, wurde im McLaren-Mercedes Fünfter. Der ebenfalls aus der letzten Reihe ins Rennen gegangene Toyota-Fahrer Ralf Schumacher schaffe noch Rang sechs. Im Training am Samstag hatte der Deutsche einen schweren Unfall ohne Verletzungen überstanden.

Dass er kurz vor der Zieldurchfahrt bei Tempo 250 von seinem Bruder touchiert wurde, regte Ralf Schumacher fürchterlich auf. "Für mich hat er sie manchmal nicht alle, manchmal schaltet er sein Gehirn nicht ein", schimpfte Ralf Schumacher, "aber es bringt nichts, mit ihm darüber zu reden, er sieht es ja doch nicht ein."

Michael Schumacher sah in der Tat nicht ein, dass er wieder einmal überaus rabiat gefahren war. "Ich lag sieben Hundertstel hinter ihm. Ich finde, in so einer Situation muss man einfach alles probieren. Ich bin Vollblutrennfahrer", sagte der 36-Jährige, "wir fahren Rennen und machen keine Kaffeefahrt. Die Attacke war gerechtfertigt."



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.