Rennfahrer vor Gericht Sutil zu Haftstrafe auf Bewährung verurteilt

Harte Strafe: Adrian Sutil wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der frühere Formel-1-Fahrer hatte im April einen Geschäftsmann am Hals verletzt. Offenbar verhinderte die Staatsanwältin eine Einigung zwischen beiden Parteien.

Rennfahrer Sutil: 18 Monate Haft auf Bewährung
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Rennfahrer Sutil: 18 Monate Haft auf Bewährung


Hamburg - Der frühere Formel-1-Fahrer Adrian Sutil ist im Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht München zu einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Ob Sutils Verteidigung Berufung einlegen wird, war zunächst nicht geklärt.

Zu der eineinhalbjährigen Freiheitsstrafe, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde, verhängte die Richterin eine Geldstrafe von 200.000 Euro, die an acht gemeinnützige Organisationen gehen soll.

Staatsanwältin Nicole Selzam hatte in ihrem Plädoyer sogar eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten sowie 300.000 Euro Geldstrafe gefordert. Der Versuch einer Verständigung zwischen den Parteien war am Dienstagmorgen offenbar am Einspruch der Staatsanwaltschaft gescheitert. Sie sagte in ihrem Plädoyer, dass Sutil in seinen Aussagen nebulös geblieben sei.

Seine Formulierungen hätten einstudiert gewirkt. Er sei "nicht bereit gewesen, plausibel zu erklären", was vorgefallen sei. Dass Sutil von einem Reflex spreche, sei lächerlich, sagte Selzam mit Verweis auf die Aussagen eines Sachverständigen, nach der das Glas von der Seite senkrecht auf den Hals getroffen sei.

"Abenteuerlich und mit der Lebenserfahrung nicht vereinbar"

"Ein Wegschubsen mit einem Glas ist abenteuerlich und mit der Lebenserfahrung nicht vereinbar. Profisportler haben eine Vorbildfunktion in der Öffentlichkeit, da dürfen einem solche Verfehlungen nicht unterlaufen", sagte die Staatsanwältin.

Bei einer Party in dem Edelclub M1NT nach dem Großen Preis von China am 17. April 2011 hatte Sutil den Geschäftsmann Eric Lux nach einem Streit mit einem Champagner-Glas am Hals verletzt. Sutil hatte sich im Laufe des zweitägigen Prozesses nochmals bei Lux entschuldigt.

"Es tut mir alles wahnsinnig leid. In diesem Moment habe ich nicht gewusst, nicht bedacht, dass ich ein Glas in der Hand hatte. Es ist ein Vorfall, den ich bereue. Er wird mir bestimmt eine Lehre sein", hatte er gesagt.

Der 29-Jährige war nach Ende der vergangenen Saison von seinem Team Force India ausgemustert worden. Für die neue Saison hat er noch keinen Vertrag. Offen ist, ob der Automobil-Weltverband wegen der Strafe Sanktionen gegen den Rennfahrer einleitet.

leh/sid



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duanehanson 31.01.2012
1. Ich kann mir gut ...
... vorstellen, dass dies auch der Grund für seine Ausmusterung bei Force India war. Schließlich hätte es sportlich keinen Grund gegeben, Herrn Sutil dort zu ersetzen. Möglicherweise bekommt er wegen des Vorfalls im Motorsport kein Bein mehr auf den Boden. Alle schneiden ihn und keiner sagt ihm, warum. Das wäre Aufgabe seines Managers. Der hat keinen leichten Job im Moment, Aber wenn die Dritter-Fahrer-bei-Ferrari-Gerüchte stimmen, kann man beiden nur gratulieren.
novoma 31.01.2012
2. Einfach nur traurig
Passt zur weichgespülten Kommerz-Formel 1 im PC-gendergemainstreamten 21. Jahrhundert. Wahrscheinlich hätte Wattebällchenwerfen zu einer ähnlichen Strafe geführt. Warum nicht gleich die fahrer durch Roboter ersetzen, denen jede menschliche Regung fremd ist. Selbst der zu seinen aktiven Zeiten immer unterkühlt und abweisend wirkende Niki Lauda wirkt dagegen wie eine rheinische Frohnatur. Die Zeiten eines James Hunt, Gilles Villeneuve, Graham Hill, Vittorio Brambilla und Dutzend weitren, die es nicht nur auf, sondern auch neben der Piste richtig krachen ließen, sind leider unwiderbringlich vorbei. Damals hätte man seine Meinungsverschiedenheiten jedenfalls nicht mit Champagnergläschen und Rechtsanwälten ausgetragen...
Altesocke 31.01.2012
3.
Zitat von sysopHarte Strafe: Adrian Sutil wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der frühere Formel-1-Fahrer hatte im April einen Geschäftsmann am Hals verletzt. Offenbar verhinderte die Staatsanwältin eine Einigung zwischen beiden Parteien. http://www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,812419,00.html
Das bedeutet vorbestraft, wenn ich nicht irre. Na, wird wohl keine weiteren Folgen haben.
josefsson 31.01.2012
4. Leider hat der Adrian
Zitat von AltesockeDas bedeutet vorbestraft, wenn ich nicht irre. Na, wird wohl keine weiteren Folgen haben.
alle Gelegenheiten zur Einigung mit Lux verstreichen lassen - das rächt sich jetzt und auch das ist er selbst schuld. Lux bot ihm an, die Anzeige fallen zu lassen, wenn er als Strafe drei Rennen aussetze. Fand ich ein faires Angebot, oder? Nun ja, jetzt ist ausgepokert. Er hatte Lux körperlich schwer verletzt, hätte schlimm ausgehen können, das Gericht urteilte gerecht - kein Zweifel. Dass der Adrian sich die Schweiz nicht mehr leisten kann, na sowas. Aber wenn keine Gefahr des Steuerzahlens mehr besteht, kann er ja auch in D resozialisieren. Dürfen vorbestrafte Deutsche ohne Vermögen in der Schweiz eigentlich residieren?
s!mply 24.02.2013
5. Zuständigkeit
Zitat von sysopHarte Strafe: Adrian Sutil wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der frühere Formel-1-Fahrer hatte im April einen Geschäftsmann am Hals verletzt. Offenbar verhinderte die Staatsanwältin eine Einigung zwischen beiden Parteien. http://www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,812419,00.html
Jetzt wüsste ich allerdings gerne, woher ein Münchner Gericht sich die Zuständigkeit für Streitereien in chinesischen Diskotheken herleitet.
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