Formel 1 Darum geht es bei der Trennung zwischen Sauber und Kaltenborn

Sie hatte großen Anteil an der Rettung von Sauber, genießt in der Formel 1 hohes Ansehen. Trotzdem muss Teamchefin Monisha Kaltenborn den Rennstall verlassen. Der Grund ist offenbar ein Streit um Pascal Wehrlein.
Monisha Kaltenborn

Monisha Kaltenborn

Foto: Mark Thompson/ Getty Images

Für die meisten in der Formel 1 kam die Trennung sehr überraschend: Monisha Kaltenborn und das Sauber-Team gehen ab sofort getrennte Wege. Der Grund dafür sind offenbar unüberwindbare Differenzen im Bezug auf die Teamführung zwischen Kaltenborn auf der einen und den neuen Teambesitzern Longbow Finance auf der anderen Seite.

Longbow Finance ist eine in der Schweiz ansässige Investmentfirma. Sie ist eng vernetzt mit der schwedischen Tetra-Laval-Gruppe  (Tetra Pak), deren Mitbesitzer Finn Rausing schon seit Langem die Karriere seines schwedischen Landsmannes, des Rennfahrers Marcus Ericsson, fördert. Von dieser Seite aus hieß es zwar stets, dass die Investition in das Sauber-Team und die Unterstützung für Ericsson zwei voneinander unabhängige Dinge seien. Aber schon der Sauber-Pilot Felipe Nasr, der 2015 und 2016 an der Seite des Schweden fuhr, soll daran gezweifelt haben. Es heißt, er habe gefürchtet, im Vergleich mit Ericsson benachteiligt zu werden.

Jetzt entzündeten sich die Differenzen zwischen Kaltenborn und Sauber offenbar daran, wie mit den starken Leistungen von Pascal Wehrlein umzugehen sei. Der stellte in seinen ersten Rennen für Sauber nach der Rückkehr aus seiner Verletzungspause seinen Teamkollegen deutlich in den Schatten.

Pascal Wehrlein

Pascal Wehrlein

Foto: Mark Thompson/ Getty Images

Auf der derzeit laufenden Fia-Sport-Konferenz in Genf war aus verschiedenen Quellen zu hören, dass Kaltenborn sich für die Gleichberechtigung beider Piloten eingesetzt habe. Und das war offenbar ein Grund für die Trennung. Die direkt Beteiligten schweigen noch darüber, was auch juristische Gründe haben dürfte, solange Auflösungsverträge und Abfindungen zu verhandeln sind.

Tatsächlich gibt es Hinweise auf ein Ungleichgewicht zwischen den Sauber-Piloten. So wirkte Wehrlein zeitweise sichtlich frustriert darüber, dass speziell an seinem Auto immer wieder die gleichen Probleme auftraten, vom beschädigten Unterboden bis zum instabilen Heck. Warum diese nie gelöst wurden, bleibt rätselhaft. Es heißt, Technikchef Jörg Zander habe sich früh auf die Seite Ericssons und dessen Managers Eje Elgh geschlagen.

Saubers Vorstandschef Pascal Picci bestreitet, dass es eine Sonderbehandlung zugunsten des Schweden gibt. "Das ist nicht nur offensichtlich unwahr, sondern steht auch ganz im Gegensatz zur seit langer Zeit bestehenden, uneingeschränkten Verpflichtung des Teams zum fairen Wettbewerb", wird Picci in einer Mitteilung zitiert.

Die Frage ist, wie es jetzt weitergeht. Als neuer Teamchef ist Colin Kolles im Gespräch, der schon bei einigen Formel-1-Teams (Force India, HRT, Caterham) gearbeitet hat, teils als Teamchef, teils als Berater. Dabei überstand der deutsch-rumänische Zahnarzt, der immer auf die Unterstützung von Ex-Formel-1-Boss Bernie Ecclestone bauen konnte, auch einige Skandale und Skandälchen mehr oder weniger unbeschadet.

Was macht Wehrlein?

Kolles soll schon mehrfach versucht haben, bei Sauber einzusteigen. Bei der neuen Formel-1-Führungsriege von Chase Carey bis Ross Brawn ist er nicht so gut angesehen wie bei Ecclestone. Es wird interessant sein, wie sich diese Beziehung entwickelt, falls Kolles tatsächlich neuer Teamchef bei Sauber werden sollte.

Für Wehrlein, den der Abgang von Kaltenborn treffen dürfte, stellt sich die Frage, ob er in der neuen Konstellation bei Sauber eine faire Chance hat, sein Können unter Beweis zu stellen. Das wiederum könnte Mercedes auf den Plan rufen. Denn dorthin hat Wehrlein enge Kontakte, er gilt als potenzieller Kandidat für eines der Mercedes-Cockpits. Daher könnten die Silbernen versuchen, Wehrlein so schnell wie möglich anderswo unterzubringen. Bei Renault steht Joylon Palmer dank schwacher Leistungen unter Beobachtung - und Mercedes-Chef Toto Wolff unterhält gute Beziehungen zu den Franzosen.

Und Kaltenborn? Sie genießt bei vielen Entscheidungsträgern in der Serie hohes Vertrauen, führte das Sauber-Team durch die finanzielle Krisen und fand einen Investor. Damit hatte sie großen Anteil an der Sicherung von 350 Arbeitsplätzen. Die Chancen stehen gut, dass Kaltenborn auch künftig in der Formel 1 bleiben wird - in welcher Funktion auch immer.

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