Schumacher-Comeback Ferrari verpflichtet

Vom Berater zum Piloten: Michael Schumachers Rückkehr ins Formel-1-Auto ist eine Sensation. Als Grund nennt der Rekordweltmeister seinen Sportsgeist. Doch bei seinem ersten Comeback-Rennen muss er nicht nur eine neue Strecke, sondern auch ein komplett neues Auto kennenlernen.
Von Frieder Schilling

Michael Schumacher gibt sein Comeback. Ein einfacher Satz, bestehend aus fünf Wörtern. Aber er wirft eine Maschinerie an, die, speziell in Deutschland, ihresgleichen suchen wird. Niemand steht so sehr für die Formel 1 wie Michael Schumacher. Kein Pilot war so erfolgreich wie er, hat so viel Fans an die Strecken gelockt. 249 Grand Prix stehen in seiner Vita, 91 davon beendete er siegreich. Und ihm gelang zudem, was vielen Sportlern misslingt: der Ausstieg zum richtigen Zeitpunkt. Er ging als Vizeweltmeister.

Und nun will er sich erneut in einem Cockpit festschnallen lassen und bei Grün das Gaspedal voll durchtreten. Im Alter von 40 Jahren. Wieso?

Schumacher sprach in seiner Mitteilung von "Verbundenheit" (zum Team) und der "Herausforderung" für ihn als "Wettkämpfer". Er hat sich seit seinem Ausstieg Ende 2006 körperlich fit gehalten, kurze Ausflüge in die Welt des Motorradsports unternommen. War als Berater immer Teil der Ferrari-Familie. Zudem ist ihm über die Jahre der extreme sportliche Ehrgeiz sicherlich nicht abhanden gekommen. Der Glaube an die eigene Geschwindigkeit wird immer noch existent sein. Und damit auch das Ego.

Alle Comebacker, ausgenommen diejenigen, die unter finanziellem Druck stehen, wollen es noch mal beweisen. Sich selbst und den Anderen. Es wäre ein typischer "Schumi", wenn er praktisch aus dem Nichts käme und die bislang enttäuschende Saison der Scuderia positiv zu Ende brächte. Ein Sieg würde ihn endgültig zur Legende machen. Wer kann da widerstehen?

Die italienische "Tuttosport" meldete, Ferrari habe Schumacher mit der Verlängerung seines Beratervertrages geködert. Es gibt aber auch Stimmen, die den Ablauf etwas anders mutmaßen: Ferrari habe Schumacher, als Gegenleistung für die angeblich fünf Millionen, die er jährlich kassiert, etwas nachdrücklicher gebeten, dem Unternehmen diesen Gefallen zu tun.

Denn als reiner Berater hat er sich bislang keine großen Meriten erworben - im Gegenteil: Beim diesjährigen Rennen in Malaysia soll er die Entscheidung getroffen haben, Kimi Räikkönen Regenreifen aufziehen zu lassen, als es noch gar nicht regnete. Der Finne kroch anschließend rundenlang um die Strecke, zerstörte seine Reifen auf dem trockenen Asphalt. In der Crew sorgte diese Fehlentscheidung nicht für gute Stimmung.

Eine Rolle spielt sicherlich auch der verletzte Felipe Massa, mit dem sich Schumacher immer gut verstand. Der Brasilianer war so etwas wie ein Ziehsohn des Deutschen, lernte von ihm erstmals als Testfahrer 2003, in der Saison 2006 als Teamkollege. Massa sprach von einer "großartige Lehre". So was verbindet.

Dazu die Aussicht, noch einmal in Spa zu fahren, der Strecke, auf der Schumacher am 25. August 1991 seine Karriere begann und ein Jahr später seinen ersten Grand-Prix-Erfolg feierte. Es wird am 13. September Monza folgen. In der Heimat Ferraris werden sie Schumacher einen triumphalen Empfang bereiten. Nur wenige, die jahrelang die Huldigung der Massen genossen haben, können dieser Aussicht widerstehen.

Das Problem: Zuerst steht Valencia auf dem Formel-1-Kalender. Dort kennt der siebenfache Weltmeister keine Kurve, keine Gerade, nicht einmal die Boxeneinfahrt. Er muss den Stadtkurs im freien Training kennenlernen, um ihn dann in Qualifying und Rennen zu beherrschen.

Gleiches gilt für das Auto. Schumacher saß letztmals im April 2008 in einem Formel-1-Boliden, bei Testfahrten in Barcelona. Den aktuellen F60 hat er bislang nur von außen betrachtet, Testfahrten sind verboten. Zweifellos hat Schumacher über Zehntausende Rennkilometer bewiesen, dass er ein fahrerisches Genie ist. Doch die seit dieser Saison massiv veränderte Aerodynamik hat er noch nie als Pilot gespürt. Das Energierückgewinnungssystem Kers hatte er in keinem seiner Autos, den taktisch richtigen Einsatz muss er erst lernen.

Michael Schumachers F-1-Rekorde

Nichtsdestotrotz ist es ihm zuzutrauen, vorne mitzufahren. Andere haben bewiesen, dass es möglich ist. Der Brite Nigel Mansell beispielweise absolvierte nach dem tödlichen Unfall Ayrton Sennas 1994 vier Rennen für Williams. Im Alter von 41 siegte er beim Großen Preis von Australien.

Fährt Schumacher hinterher, wäre es auch keine Überraschung. Er könnte es auf das Auto schieben. Ferrari hat 2009 in zehn Rennen keinen Sieg errungen, stand nur drei Mal auf dem Podest (Räikkönen in Monaco und Ungarn, Massa auf dem Nürburgring). Erfolge Schumachers aber würden speziell Räikkönen hart treffen. Argumente gegen seine mögliche Ablösung durch Renault-Pilot Fernando Alonso in der kommenden Saison würden dann kaum mehr fruchten.

Gewinner gibt es bereits jetzt jede Menge. Für die Formel 1 gab es keinen besseren Zeitpunkt für die Rückkehr eines ihrer größten Helden. So mussten sich die Marketing- und PR-Strategen am Mittwoch nur wenige Stunden mit dem Ausstieg BMWs beschäftigen. Denn ab sofort gibt es nur noch ein Thema.

Gleiches gilt für die Veranstalter in Valencia, noch mehr für das belgische Spa. Ziemlich genau 100 Kilometer sind es nur von Schumachers Heimatstadt Kerpen nach Spa. Eine Invasion der Schumi-Fans ist sicher. Die Planungen werden längst laufen.

Denn Michael Schumacher gibt sein Comeback.

Mitarbeit: Hartmut Lehbrink

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