Schumacher-Interview "Es war ein hartes Jahr"

Mit seinem sechsten Titel ist Michael Schumacher zum erfolgreichsten Formel-1-Fahrer der Geschichte aufgestiegen. Im letzten Rennen hatte der Weltmeister allerdings einige kritische Situationen zu überstehen, ehe er feiern durfte. Der Dank gilt deshalb seinem Teamkollegen und dem Rest der Mannschaft.


Michael Schumacher, Ferrari-Team: "Wir kämpfen immer"
DPA

Michael Schumacher, Ferrari-Team: "Wir kämpfen immer"

Sie haben so viele Bestmarken aufgestellt, doch jetzt haben Sie den wohl wertvollsten Rekord in der Tasche. 1957 hat Juan Manuel Fangio seinen fünften WM-Titel gewonnen, Sie gerade Ihren sechsten. Können Sie kurz Ihre Emotionen beschreiben?

Michael Schumacher:

Es war ein hartes Jahr, ein harter letzter Abschnitt der Saison, und es war ein sehr hartes Rennen, vielleicht eines meiner härtesten. Aber man muss viel mehr an das Team denken. Sie haben wieder einen unglaublichen Job gemacht. Rubens Barrichello ist fantastisch gefahren und hat mir sehr geholfen. Mein Rennen war eher durchwachsen mit einigen Zwischenfällen, ein verrückter Tag. Ich kann mich für das Team freuen, aber noch nicht für mich selbst. Ich fühle mich leer und erschöpft und bin einfach stolz, was wir erreicht haben. Ich als Fahrer und wir als Team haben Geschichte geschrieben.

Waren Sie während des Rennens immer informiert, wo Ihr Konkurrent Kimi Räikkönen liegt?

Schumacher: Ich musste immer voll fahren, nachdem ich schon früh die Nase meines Autos verloren hatte. Ich wusste, dass Montoya schon draußen war und beide McLaren hinter Rubens lagen. Man wusste nie, wie es durch die Wetterbedingungen oder die Strategien am Ende ausgehen würde. Ich musste deshalb selbst sicher stellen, zumindest Achter zu werden.

Am Ende haben Sie dann hinter Cristiano da Matta nicht mehr angegriffen. War es schwierig, die Konzentration zu halten?

Schumacher: Bei dem Zwischenfall mit Cristiano und Ralf musste ich so hart bremsen, dass ich große Bremsplatten hatte. Ich habe mich wie auf Kopfsteinpflaster gefühlt und konnte bei den Vibrationen manchmal kaum noch die Strecke sehen. Ich war besorgt, weil ich auch gemerkt hatte, dass Ralf mich im Heck getroffen hatte. Man weiß nie, wie schlimm so etwas ist. Man versucht nur noch, sein Auto so sicher wie möglich ins Ziel zu bringen.

Hatten Sie von Ralf so viel Gegenwehr erwartet?

Schumacher: Wir haben noch nie behauptet, dass wir aufeinander Rücksicht nehmen. Wir fahren für unsere Teams und nicht für den Bruder.

Sie haben Ihren sechsten Titel geholt, den neunten mit Ferrari, inklusive der Konstrukteurstitel. Was bedeuten diese Erfolge für Sie?

Schumacher: Es war merkwürdig für mich. Die meisten meiner Titel habe ich mit Siegen geholt, heute sitze ich hier, und habe eine Weltmeisterschaft mit einem achten Platz gewonnen, dem einen Punkt, der noch nötig war. Deshalb habe ich etwas gemischte Gefühle. Was unser Team erreicht hat, ist fantastisch. Wenn man sieht, was in Hockenheim und Budapest passiert ist, da hatten uns doch viele Leute schon abgeschrieben. Aber wir sind wieder da, wir kämpfen immer. Das ist eine unserer großen Stärken. Wir sind eine große Familie, und ich bin stolz darauf, ein Teil davon zu sein.

Aufgezeichnet von Thomas Straka, sid

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.