Schumacher-Interview "McLaren kann Ferrari gefährden"

Nach sechs Jahren BMW-Williams fährt Ralf Schumacher in dieser Formel-1-Saison für Toyota. Bei der Präsentation des TF105 sprach der 29-Jährige über seinen alten Arbeitgeber, die Auswirkungen der Regeländerungen und die Erfolgsaussichten seines Bruders Michael.

Frage:

Ihr neuer Arbeitgeber Toyota hat in Barcelona das Auto für die Formel-1-Saison 2005 präsentiert. Wie ist Ihr erster Eindruck von Ihrem neuen Dienstwagen?

Schumacher: Das Auto schaut ganz gut aus und ist im Detail gut gelungen. Jetzt muss man sehen, ob alles so gut funktioniert wie sich das unsere Aerodynamiker gedacht haben. Ich gehe aber davon aus. Die Jungs haben verdammt hart gearbeitet und ich glaube, sie haben auch einen guten Job gemacht.

Frage: Welche Ziele haben Sie bei Toyota? Haben Sie einen persönlichen Zeitplan?

Schumacher: Pläne hatte ich in meinem alten Team auch, und die sind nicht aufgegangen. Deshalb bin ich vorsichtig geworden. In diesem Jahr muss Aufbauarbeit geleistet werden. Ich denke, ein realistischer Plan sollte sein, so bald wie möglich um Podiumsplätze mitzufahren. Das sollte vielleicht Mitte des Jahres in greifbare Nähe rücken. Alles andere wird sich zeigen. Es liegt an allen, am Team und an den Fahrern. Man braucht eine perfekte Symbiose, so wie das bei Ferrari seit Jahren der Fall ist.

Frage: Der Automobil-Weltverband Fia hat für 2005 das technische Reglement stark verändert, um die Autos einzubremsen. Die Wagen haben durch aerodynamische Veränderungen viel weniger Abtrieb, dazu kommt die Beschränkung auf zwei Reifensätze pro Wochenende. Können Sie von diesen Änderungen profitieren?

Schumacher: Für uns ist es eine sehr große Chance, weil alle bei Null angefangen haben, ein komplett neues Auto konzipieren mussten und sicher noch nicht das Optimum erreicht haben. Dann kommt es auf die Entwicklungsgeschwindigkeit an, und auf Grund der Möglichkeiten, die Toyota hat, personell und finanziell, glaube ich, dass das ein Vorteil für uns ist."

Frage: Wer kann denn Ihrer Meinung nach in diesem Jahr das Ferrari-Team Ihres Bruders Michael herausfordern?

Schumacher: Ich gehe von McLaren-Mercedes aus. Mit ihren Fahrern sind sie das einzige Team, das Ferrari gefährlich werden kann.

Frage: Bei BMW-Williams klagten Sie über die insgesamt kühle Atmosphäre im Team. Wie haben Sie sich bei Toyota eingelebt?

Schumacher: Bis jetzt fühle ich mich sehr wohl. Ich habe sehr schnell reingefunden. Aber das liegt an der Grundmentalität, die ist fast schon rheinisch. Das kommt mir natürlich entgegen.

Frage: Am 23. Januar veranstaltet Toyota einen Tag der offenen Tür, um Geld für die Flutopfer in Südostasien zu sammeln. Werden die Fans in Köln dann auch Sie treffen können?

Schumacher: Ich denke schon, dass ich da sein werde. Es geht darum, was dabei herauskommt. Da werden die Fahrer auch etwas dazu beitragen.

Aufgezeichnet von Thomas Straka, sid

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