Schumacher-Porträt Weltmeister auf dem Olymp

Mit seinem sechsten WM-Triumph hat Michael Schumacher nach Titeln die argentinische Rennfahrer-Legende Juan Manuel Fangio überholt. Doch der Ferrari-Pilot ist noch lange nicht satt. Im nächsten Jahr soll der siebte Streich folgen.


Vierter WM-Titel in Folge: Michael Schumacher hat es wieder geschafft
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Vierter WM-Titel in Folge: Michael Schumacher hat es wieder geschafft

Bereits im Alter von fünf Jahren fuhr Michael Schumacher seine ersten Kart-Rennen. Obwohl Vater Rolf von den kapitalintensiven Ambitionen seines Sohnes wenig begeistert war, blieb der Filius dem Motorsport erhalten. Michael Schumacher, dessen jüngerer Bruder Ralf für BMW-Williams in der Formel 1 fährt, wurde zeitweise von lokalen Geldgebern finanziell unterstützt.

1984 wurde der damals in Kerpen wohnhafte und am 3. Januar 1969 in Hürth-Hermülheim geborene Schumacher deutscher Junioren-Meister und sicherte sich ein Jahr danach die Kart-Vizeweltmeisterschaft. 1989 und 1990 fuhr Schumacher in der Formel 3 und erhielt vom Mercedes-Werksteam einen Testvertrag für die Sportprototypen-WM.

Deutschlands "Motorsportler des Jahrhunderts" ("Kicker") feierte am 25. August 1991 beim Grand Prix von Belgien in Spa sein Formel-1-Debüt. Mit Unterstützung seines Managers Willi Weber, aber ohne die sonst üblichen Einstiegszahlungen war er im Team des Iren Eddie Jordan untergekommen.

Wechsel zu Benetton

Noch in seiner Debütsaison wechselte der gelernte Kraftfahrzeug-Mechaniker zu Benetton-Ford. Schon beim zweiten Rennen für Benetton holte sich Schumacher mit Platz fünf zwei WM-Punkte und ließ dabei sogar seinen routinierten Teamkollegen Nelson Piquet hinter sich.

Nach einem heftigen Tauziehen um Schumacher zwischen Sauber und Benetton - es gab zwei gültige Verträge - bestritt der Deutsche die Saison 1992 letztlich für Benetton. Exakt ein Jahr nach seinem Einstieg in die Formel 1 feierte Schumacher als 23-Jähriger in Spa seinen ersten Grand-Prix-Sieg. Die Weltmeisterschaft beendete Schumacher auf dem dritten Platz.

Michael Schumacher: Der erste Streich
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Michael Schumacher: Der erste Streich

Der Mann mit dem "fast außerirdischen Talent", wie ihn einst der "Stern" pries, gewann 1994 mit Benetton die Weltmeisterschaft. Der erste Titel eines deutschen Fahrers hatte jedoch einen bitteren Beigeschmack. Beim letzten Saisonrennen, dem Großen Preis von Australien in Adelaide, flog der mit einem Zähler führende Schumacher nach einer Kollision mit seinem direkten Kontrahenten Damon Hill von der Piste - und holte sich die Formel-1-Krone. Die Kommentare ("Schummel-Schumi") scherten den abgebrühten Gewinner nicht.

1995 verteidigte Schumacher seinen Titel und wurde jüngster Doppelweltmeister der Formel-1-Geschichte. Die Erfolge machten Schumacher zum begehrtesten Fahrer im F1-Zirkus. Der Wechsel zum italienischen Traditionsrennstall Ferrari war so fast logisch. Seit 1996 fährt Schumacher für die "Roten".

Startprobleme bei Ferrari

Schumacher, der seit August 1995 mit der gelernten Bürokauffrau Corinna Schumacher verheiratet ist und zwei Kinder hat, erreichte in seiner ersten Saison für Ferrari den dritten Rang der WM-Fahrerwertung. 1997 und 1998 wurde er Vize-Weltmeister.

1999 hätte sich Schumacher bei einem normalem Saisonverlauf vermutlich seinen dritten Titel geholt - im ersten Saisondrittel war er der überragende Fahrer -, wurde dann aber durch den schweren Unfall in Silverstone aus seinen WM-Träumen gerissen. Am Ende wurde Schumacher Vierter, sein Teamkollege Eddie Irvine Vizeweltmeister.

Schumacher erlöst Ferrari

Nach 21 Jahren Warten erlöste Schumacher dann 2000 die Ferrari-Fans und holte den ersten WM-Titel für die Italiener seit Jodie Scheckters Triumph 1979.

Mit seinem vierten WM-Titel 2001 vertrieb Schumacher einen Fluch aus dem Hause Ferrari. Er ist nach der Scuderia-Legende Alberto Ascari (1952 und 1953) erst der zweite Ferrari-Weltmeister, der seinen Titel verteidigen erfolgreich konnte.

Michael Schumacher: Schnellster Weltmeister aller Zeiten
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Michael Schumacher: Schnellster Weltmeister aller Zeiten

Seinen fünften WM-Triumph sicherte sich Schumacher vergangenes Jahr in Rekordtempo. Bereits nach 11 von 17 Rennen stand er nach seinem Sieg beim Großen Preis von Frankreich am 21. Juli 2002 in Magny-Cours als Weltmeister fest - so schnell wie bislang kein zweiter Fahrer.

Nach WM-Titeln zog Schumacher ("Ich bin überwältigt") damals mit dem Argentinier Juan Manuel Fangio gleich. "Was Fangio damals geleistet hat, kann ich nie erreichen. Deshalb möchte ich mich auch nicht mit ihm vergleichen", gab sich Schumacher dennoch bescheiden, "damals war der Rennsport wesentlich gefährlicher, eine ganz andere Herausforderung."

Harter Kampf mit Montoya und Räikkönen

Zu einer großen Herausforderung für Schumacher wurde die diesjährige Saison. Der Formel-1-Fahrer mit den meisten Grand-Prix-Siegen (70) und WM-Punkten (1038) musste sich lange Zeit der Angriffe von Juan Pablo Montoya (BMW-Williams) und Kimi Räikkönen (McLaren-Mercedes) erwehren. Die Entscheidung fiel erst im letzten Rennen beim Großen Preis von Japan in Suzuka, wo sich Schumacher mit dem achten Platz den entscheidenden WM-Punkt holte.

Dass der sechste WM-Titel Schumachers letzter sein wird, ist unwahrscheinlich. Den Mann treibt der Ehrgeiz. Und ans Aufhören, wie oft kolportiert wird, denkt er nicht. Im Juni dieses Jahres verlängerte Michael Schumacher seinen Vertrag bei Ferrari bis Ende 2006.

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