Schumacher-Rücktritt Die Freiheit zu gehen

Noch drei Rennen, dann ist die Ära Michael Schumacher in der Formel 1 beendet. Der Rekordweltmeister kündigte heute nach seinem Grand-Prix-Sieg in Monza seinen Rücktritt an. Kimi Räikkönen wird Schumachers Platz bei Ferrari einnehmen.


Monza - "Ich habe nicht mehr die Energie und Kraft gesehen, um in Zukunft vorne mitzufahren. Ich habe mich selbst in Frage gestellt. Deswegen habe ich diese Entscheidung getroffen", sagte Schumacher nach seinem 90. Sieg in einem Formel-1-Rennen: "Das war eine ganz harte Entscheidung. Aber irgendwann kommt einmal der Tag, an dem man sie treffen muss."

Dass er von Ferrari zur Entscheidung in Monza gedrängt wurde, dementierte Schumacher vehement: "Wer hat schon die Zeit und Möglichkeit gehabt, die ich in all den Jahren hatte ?Ferrari hat mir alle Freiheiten gelassen, die ich mir denken konnte. Sie haben auf meine Entscheidung gewartet." Außerdem dankte Schumacher seiner Familie für die Unterstützung in den 15 Jahren als Formel-1-Fahrer.

Ferrari-Boss Luca di Montezemolo würdigte Schumacher als "einen der größten Sportler aller Zeiten". Der Italiener sagte nach dem Rennen in Monza, dass Schumacher seinen Rücktritt "vor einigen Wochen" beschlossen habe.

Schon länger stand dagegen laut di Montezemolo fest, dass Kimi Räikkönen der Nachfolger von Schumacher bei Ferrari wird. Der Finne fährt in dieser Saison noch für McLaren-Mercedes. Sein Teamkollege 2007 ist der Brasilianer Felipe Massa. Schumacher wird Ferrari aber auch in der kommenden Saison erhalten bleiben. "Es gibt eine Zukunft mit Ferrari. Wir werden das Ende des Jahres bekannt geben", erklärte Schumachers Manager Willi Weber.

Spekulationen um einen Rücktritt vom Rücktritt dementierte Schumacher sogleich: "Ich würde nicht jetzt eine Entscheidung treffen, wenn ich wüsste, dass ich in ein paar Monaten wieder einsteige."

Monatelang war über Schumachers Zukunft spekuliert worden, die Stimmen, er habe den richtigen Zeitpunkt für den Abschied verpasst, wurden mit jeder Niederlage lauter. Doch der Ausnahmekönner steckte nicht auf und meldete sich nach einem Zwischenspurt im Titelrennen zurück. Mit seinem Sieg in Monza hat Schumacher seinen Rückstand in der Gesamtwertung auf Titelverteidiger Fernando Alonso auf zwei Punkte verringert.

Seine Karriere hatte der 37-Jährige am 25. August 1991 im belgischen Spa begonnen. 1994 und 1995 gewann er mit Benetton seine ersten beiden WM-Titel. Ab 1996 fuhr er für Ferrari und wurde mit den Italienern zwischen 2000 und 2004 fünf weitere Male Weltmeister. Das bedeutet in der Formel-1-Geschichte einen einsamen Rekord wie Schumachers 90 GP-Siege. Nur die Bestmarke der meisten GP-Starts, die der Italiener Riccardo Patrese mit 256 Rennen hält, wird er durch seinen Rücktritt nicht mehr erreichen.

pav/als/all/sid



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