Schumi-Interview "Glaube nicht, dass ich noch eine Steigerung bieten kann"


Ein starkes Finale - gekrönt mit einem Sieg und der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft für Ferrari. Wann steigt die Party?


Michael Schumacher:

Wir wollen heute Abend ganz groß feiern. Mir tun nur die armen Jungs Leid, die heute Nacht die Kisten packen müssen. Aber dann können wir bei Ferrari alle glücklich und zufrieden in die Winterpause gehen.


David Coulthard hat zum Schluss hart attackiert. War der Sieg in Gefahr?


Schumacher: Es war ein hartes Rennen. Am Ende haben wir gewonnen, das ist das Einzige, was zählt. Drei Punkte wollten wir - ein Sieg ist ideal. Rubens und ich hatten ein perfektes Auto, einfach super. Es ging fast immer volle Pulle. Zum Schluss war ich am Limit, ich habe alles gegeben und konnte nicht mehr schneller.


Nach dem verkorksten Jahr 1999 sind Sie doch in dieser traumhaften Saison für alles entschädigt worden?


Schumacher: Ja, es war ein sportlich sehr erfolgreiches Jahr mit sehr viel Höhen, aber auch Tiefen. In Suzuka habe ich uns auf dem höchsten Niveau gesehen, das wir je hatten.


So könnte es im März 2001 weiter gehen.


Schumacher: Schön wär's. Die Motivation im Ferrari-Team wird ganz bestimmt nicht nachlassen. Dazu sind die Jungs viel zu sehr echte Racer.


Genau wie Sie.


Schumacher: Sicher. Aber ich glaube nicht, dass ich von mir aus eine Steigerung bieten kann.


Interessiert Sie das Bild des Michael Schumacher in der Öffentlichkeit? Oder stört es Sie, dass Sie manchmal ganz anders rüberkommen, als Sie eigentlich sind?


Schumacher: Im Großen und Ganzen komme ich so rüber, wie ich wirklich bin. Natürlich diskutiert man immer über die zehn Prozent schlechte Eigenschaften, als über die 90 Prozent gute. Ich sehe das mit einem gewissen Abstand. Letztendlich kann ich besser beurteilen, in welcher Situation ich bin, als die Presse.


Wünschen Sie sich jetzt nicht vor allem Ruhe?


Schumacher: "Vor allem vermissen Corinna und ich unsere beiden Kinder. Wenn wir dann zu Hause sind, wird der Ruhepunkt kommen: Wir haben es geschafft, wir können beruhigt in den Winter gehen. Meine Kinder interessiert es eh nicht, ob ich Weltmeister bin. Die wollen nur ihren Papa.


Wann starten Sie in den Urlaub?


Schumacher: Ich werde Anfang November für drei Monate in den Ruhestand gehen.


Aufgezeichnet von Ralf Jarkowski, dpa

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