Vettel in der Formel 1 Im Regenbogen gefahren

Sebastian Vettel ist in Ungarn als gesellschaftspolitischer Kämpfer aufgetreten, aufs Podium gefahren – doch wurde im Nachhinein disqualifiziert. Lewis Hamilton holt sich die WM-Führung.
Sebastian Vettel setzt sich für die Rechte Homosexueller und die LGBTQ+-Community in Ungarn ein

Sebastian Vettel setzt sich für die Rechte Homosexueller und die LGBTQ+-Community in Ungarn ein

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Florion Goga / AP

Anmerkung: Inzwischen wurde Sebastian Vettel nachträglich wegen zu wenig Benzin im Tank disqualifiziert. Er verliert damit den zweiten Platz vom Großen Preis von Ungarn und 18 WM-Punkte (Lesen Sie hier mehr).

Renault und Ocon ganz oben: »Was soll ich sagen, Renault ist endlich in der Formel 1 angekommen.« Esteban Ocon konnte sein Glück beim Siegerinterview nach dem Großen Preis von Ungarn kaum in Worte fassen. Bei seinem 78. Formel-1-Start gewann der Franzose erstmals ein Rennen. Das war so nicht zu erwarten gewesen und lag auch an dem kuriosen Rennverlauf – doch das interessiert am Ende niemanden. Für Renault, das hinter dem Alpine-Team steht und den Namen des Rennstalls erst vor dieser Saison geändert hatte, war der Erfolg nicht minder wichtig. Seit der Rückkehr 2016 steckte der französische Autokonzern sehr viel Geld in die Formel 1, musste für fünf relativ erfolglose Saisons viel Kritik einstecken. Nun hat es geklappt, in Ungarn stand Ocon ganz oben.

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Das Rennergebnis: Ocon siegte vor Sebastian Vettel im Aston Martin und Weltmeister Lewis Hamilton (Mercedes). Max Verstappen verlor mit Platz zehn die WM-Führung. Lesen Sie hier mehr über den unterhaltsamen Rennverlauf.

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Geduldsfaden und Motor gerissen: Vor dem Rennen war das beherrschende Thema immer noch der Unfall von Hamilton und Verstappen vor zwei Wochen in Silverstone. Der Niederländer wollte aber nicht mehr darüber sprechen: »Wir mussten die ganze Zeit diesen dummen Scheiß beantworten«, hatte Verstappen nach dem Qualifying gesagt. »Können wir also bitte einfach damit aufhören?« Aus persönlicher Sicht hatte der Crash samt Ausfall aber noch Folgen für Verstappen: Sein Team entdeckte einen Riss im Motorblock und musste die Power Unit vor dem Start tauschen. Es war für Verstappen bereits der dritte Motorwechsel in diesem Jahr, jeder weitere bedeutet nun eine Startplatzstrafe. Und die Saison ist mit noch zwölf Rennen sehr lang. »Die letzten zwei Rennen waren total scheiße«, sagte Verstappen bei Sky.

Keine Absicht, aber: Es brauchte nur wenige Sekunden im elften Saisonrennen, ehe im brisanten Duell zwischen Mercedes und Red Bull neuer Ärger aufzog. Valtteri Bottas, der zweite Mercedes-Pilot, legte auf den wegen Regenfällen kurzfristig aufgezogenen Intermediate-Reifen einen katastrophalen Start hin. Er wollte noch vor der ersten Kurve Plätze gutmachen. Das misslang aber völlig, der Finne rauschte in Lando Norris, infolgedessen schied mit Sergio Pérez der zweite Red-Bull-Fahrer aus. Verstappen reihte sich nach dem Crash auf Platz 13 ein und kämpfte mit fehlendem Grip. Der Frust bei Red Bull war gewaltig, allerdings muss eines festgehalten werden: Es war keine Absicht von Bottas, aber ein folgenschwerer Fehler. Der Finne wird sein Cockpit bei Mercedes mit ziemlicher Sicherheit zum Saisonende verlieren.

Der von Bottas verursachte Startunfall produzierte viel Schrott und einen Restart des Rennens

Der von Bottas verursachte Startunfall produzierte viel Schrott und einen Restart des Rennens

Foto:

PETER KOHALMI / AFP

Same Love: Zu Beginn des Rennwochenendes hatten Vettel und Hamilton die ungarische Regierung für ihren Umgang mit Homosexuellen und der LGBTQ+-Community kritisiert. Vettel trug Turnschuhe mit Regenbogenmuster, sein Helm war ebenfalls in den bunten Farben lackiert. Und vor dem Start setzte er ein weiteres Zeichen: »Same Love« stand auf seinem T-Shirt, auch Haas-Pilot Mick Schumacher trug ein Shirt mit Botschaften in Regenbogenfarbe. Vettel spekulierte nach dem Rennen bei Sky, dass ihm für sein Outfit womöglich eine Strafe drohen könnte. Mittlerweile ist klar: Es bleibt bei einer Verwarnung, die mit zwei weiteren Verwarnungen zu einer Startplatzstrafre führen kann.

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Lewis allein am Start: Zu einer der kuriosesten Szenen in der Formel-1-Geschichte kam es nach dem Restart des Rennens – im Anschluss an den Bottas-Crash musste die Strecke zunächst gereinigt werden. Nach einer halben Stunde fuhren alle verbliebenen Autos raus, doch nach der Aufwärmrunde bogen alle erneut in die Boxengasse ab. Der Regen hatte aufgehört, Slicks waren nun wieder die richtige Wahl. Einzig Hamilton entschied sich anders – und stand plötzlich allein in der Startaufstellung. Eine Runde fuhr der Brite einsam an der Spitze, dann kam er ebenfalls in die Box und musste von Platz 14 aus die Jagd auf den Podestplatz starten.

So, als wäre Lewis Hamilton ganz alleine unterwegs

So, als wäre Lewis Hamilton ganz alleine unterwegs

Foto:

Bryn Lennon / Getty Images

Knapp am Sieg vorbei: Der gesellschaftspolitische Kämpfer Vettel, der vor Wochen im SPIEGEL erzählt hatte, bei der Bundestagswahl die Grünen wählen zu wollen , hätte mit etwas mehr Renngeschick seinen ersten Sieg für Aston Martin feiern können. In der 37. Runde, nach einem langen Zweikampf mit Ocon, entschied sich Vettel als Erster für den Boxenstopp. Der geplante Undercut misslang allerdings, weil er sich nach eigenen Angaben bei der Einfahrt in die Boxengasse verbremste und weil sein Team mit 3,3 Sekunden einen schwachen Reifenwechsel hinlegte. So blieb er auch nach Ocons Reifenwechsel knapp hinter dem Franzosen – und schaffte es auch in der Folge nicht zu überholen. »Natürlich bin ich ein bisschen enttäuscht, ich hatte das Gefühl, dass ich das ganze Rennen ein bisschen schneller war, ich bin aber nicht rangekommen.«

Fahrer des Tages: An diesem Nachmittag in Budapest glänzten einige Piloten, die Auszeichnung als Fahrer des Tages ging allerdings an Fernando Alonso. Der Spanier im zweiten Alpine lieferte sich über mehrere Runden einen Zweikampf mit Hamilton, der es trotz eines massiven Geschwindigkeitsvorteils zunächst nicht an Alonso vorbeischaffte. Durch diese Verzögerung konnte Hamilton die Spitze nicht mehr in Angriff nehmen – Alonso hatte somit ebenfalls seinen Anteil am ersten Alpine-Sieg in der Formel 1.

Der Wind dreht sich: Das Missgeschick von Mick Schumacher im dritten Trainingslauf hat seinen Teamchef verärgert. »Die Unfälle werden etwas häufiger und heftiger, wir machen zu viele Fehler«, hatte Haas-Boss Günther Steiner vor dem Rennen gesagt, der dabei Schumachers oft kritisierten Teamkollegen Nikita Masepin ausdrücklich von der Kritik ausnahm: »Wir sprechen nicht im Plural. Nikita hat sich gut verhalten, er hatte zuletzt keine Schäden. Aber Mick hatte die letzten Rennen einige Unfälle.« Für Steiner ist die Häufung der Crashs auch eine finanzielle Frage. Schumacher hatte nicht am Qualifying teilnehmen können, im Rennen konnte er dann nicht wie andere vom Chaos profitieren. Im Ziel lag Schumacher auf Platz 13.

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