Formel-1-Fahrer Sebastian Vettel über Klimaschutz »Ich bin kein Heiliger«

Sein Bolide verbrennt Unmengen an Sprit pro Rennen – von der Energiebilanz des kompletten Formel-1-Zirkus ganz zu schweigen. Pilot Sebastian Vettel hegt Zweifel, ob das alles so richtig ist.
Sebastian Vettel mit Klimaschutz-Shirt vor dem Grand Prix in Miami (am 5. Mai)

Sebastian Vettel mit Klimaschutz-Shirt vor dem Grand Prix in Miami (am 5. Mai)

Foto: GREG NASH / EPA

In der Formel 1 geht es normalerweise um Rundenzeiten, Vertragspoker und den taktischen Kleinkrieg mit der Konkurrenz – das hat nicht zuletzt die höchst beliebte Netflixserie »Drive to Survive« gezeigt. Doch manchmal mischen sich auch leise Töne darunter. Rennfahrer Sebastian Vettel etwa empfindet einen Konflikt zwischen seinem Beruf und seinem Engagement für den Umweltschutz.

»Ein Auto zu fahren, ist meine Leidenschaft, und jedes Mal, wenn ich in ein Auto steige, liebe ich es«, sagte Vettel am Donnerstagabend in der Talksendung »Question Time« beim britischen Sender BBC . »Wenn ich aus dem Auto aussteige, denke ich natürlich auch: Ist das etwas, was wir machen sollten – um die Welt reisen und Ressourcen verschwenden?«

Auf die Frage der BBC-Moderatorin, ob er als Fahrer der Formel 1, »einer der am meisten Benzin verschwendenden Sportarten«, nicht ein Heuchler sei, stimmte Vettel zu. »Da haben Sie recht«, sagte der 34-Jährige. »Ich bin kein Heiliger. Ich mache mir Sorgen um die Zukunft. Die Fragen um Energie und die Abhängigkeit von Energie beschäftigen mich. Wir müssen aufhören, von Energie abhängig zu sein. Und das können wir. Es gibt Lösungen dafür.«

Mit Blick auf seinen Beruf als Rennfahrer warb Vettel allerdings um Verständnis. »Auf der anderen Seite unterhalten wir die Leute auch«, sagte der Aston-Martin-Pilot. »Während der Coronapandemie waren wir eine der ersten Sportarten, die wieder losgelegt haben. Als allen der Kopf explodiert ist, gab es wieder Formel-1-Rennen im Fernsehen.«

Ex-Weltmeister zur Abhängigkeit von Russland

Gleichzeitig stelle er sich selbst viele Fragen und versuche seinen Teil zum Umweltschutz beizutragen. »Ich frage mich: Muss ich jedes Mal ein Flugzeug nehmen«, sagte Vettel. »Nicht, wenn ich mit dem Auto fahren kann. Es gibt Dinge, die ich kontrollieren kann, und andere Dinge, die außerhalb meiner Kontrolle liegen.«

Mit Blick auf russisches Gas sagte Vettel, Deutschland hätte die Bedrohung schon vor langer Zeit erkennen müssen. »Wir sollten nicht davon abhängig sein. Wir müssen in den nächsten Gang schalten und uns bereit machen für die Zukunft«, sagte der Weltmeister der Jahre 2010 bis 2013. »Und wir müssen sicherstellen, dass wir auf einem Planeten leben, der morgen noch so angenehm ist wie heute.«

jok/dpa