Vettel und Hamilton Rivalen der Rennbahn

Sebastian Vettel wurde für ein unfaires Manöver gegen Lewis Hamilton bestraft. Der eine gibt sich unschuldig, der andere hält seine Wut mit Mühe im Zaum. Droht nun ein neuer Konflikt zweier Titelrivalen?

Lewis Hamilton vor Sebastian Vettel
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Lewis Hamilton vor Sebastian Vettel

Aus Baku berichtet


Sebastian Vettel hat mit dem vierten Platz beim Großen Preis von Aserbaidschan seine WM-Führung um zwei Punkte ausgebaut. Rivale Lewis Hamilton kam hinter Sieger Daniel Ricciardo und dem Ferrari-Piloten auf den fünften Platz, Vettel (153 Punkte) liegt nun 14 Zähler vor dem Briten (139). So weit das nackte Ergebnis, dabei hatte das verrückte achte Saisonrennen auf dem spektakulären Stadtkurs von Baku viel mehr zu bieten. Höhepunkt war die doppelte Kollision der beiden Top-Favoriten in der 19. Runde. Was war passiert?

In der zweiten von insgesamt drei Safety-Car-Phasen führte Hamilton das Feld an, bremste am Ausgang einer Kurve scharf ab und Vettel fuhr ins Heck seines Rivalen. Dabei beschädigte sich der Deutsche den Frontflügel und auch Hamilton musste kleinere Schäden hinnehmen. Vettel beschwerte sich sofort via Boxenfunk - und ließ sich dann zu einer Dummheit hinreißen. Der WM-Führende setzte sich neben den Mercedes, beschwerte sich gestenreich über Hamiltons Manöver und fuhr ihm dabei leicht in die Seite.

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Formel 1 in Baku: Vier Neustarts und Vettels Ausraster

Was folgte, war eine Zehn-Sekunden-Durchfahrtsstrafe für Vettel wegen gefährlichen Fahrens, die jedoch auf den Ausgang des Duells nicht den zu erwartenden Einfluss hatte. Denn fast zeitgleich musste auch Hamilton an die Box, um eine defekte Kopfstütze befestigen zu lassen. So fielen beide, in veränderter Reihenfolge, zurück ins Mittelfeld und mussten sich wieder vorkämpfen.

Schon während des Rennens stellten die beiden Streithähne ihre Sicht auf den Unfall klar. "Was habe ich Gefährliches gemacht?", fragte Vettel seinen Renningenieur. Und Hamilton beschwerte sich per Funk direkt bei Renndirektor Charlie Whiting: "Zehn Sekunden dafür? Das ist ein Witz, Charlie."

"Ich habe kein Problem mit Lewis"

Nun ist es in der Formel 1 Usus, die Deutungshoheit bei brenzligen Situationen zu behalten. In diesem Fall muss die Schuld allerdings bei Vettel gesucht werden. Hamiltons Bremsmanöver war nicht die feine englische Art, muss aber als normale Aktion eines führenden Piloten bewertet werden. Vettels zweite Aktion war jedoch pure Absicht und musste deshalb bestraft werden.

Zusätzlich zu den zehn Sekunden im Rennen erhält der 29-Jährige noch drei Strafpunkte. Damit liegt Vettel nun bei insgesamt neun Strafpunkten und führt das Register der Formel-1-Fahrer an, bei drei weiteren Punkten müsste er ein Rennen aussetzen.

Vettel selbst blieb im Anschluss bei seiner Darstellung. Sein Manöver war unnötig, dabei habe ich mir ja auch meinen Frontflügel beschädigt", sagte Vettel, der zum zweiten Mal in Folge nicht auf dem Podium landete. "Ich bin neben ihn gefahren und wir hatten einen kleinen Kontakt. Aber ich habe nur meine Hände gehoben, um ihm zu zeigen, dass das nicht richtig war." Ein größeres Problem wollte Vettel aber nicht konstruieren. "Ich habe kein Problem mit Lewis, ich respektiere ihn für seine Leistungen", sagte er. "Ich habe ihn noch nicht gesehen, aber wir werden das in aller Ruhe besprechen."

Ein paar Meter weiter klang das bei Hamilton zunächst ähnlich abgeklärt. "Diese Dinge passieren, das ist mir eigentlich egal", so der Brite beim TV-Sender Sky. "Ich möchte nichts dazu sagen." Wenig später brach es dann doch aus dem dreifachen Weltmeister heraus: "Wenn er zeigen will, dass er ein Mann ist, soll er aus dem Auto steigen und wir machen es von Angesicht zu Angesicht."

Vettel ist nicht Rosberg

Droht der Formel 1 nun ein neuer Konflikt zweier Titelrivalen, so wie es Hamilton mit seinem jahrelangen Teamkollegen Nico Rosberg zelebriert hat? Vermutlich nicht, zu groß ist der gegenseitige Respekt zwischen Vettel und Hamilton.

Der dreifache Champion Hamilton hatte nach seinem Sieg in China im April sogar eine Eskalation vorhergesehen. "Vielleicht wird es Zeiten geben, in denen wir hart gegeneinander fahren", hatte der 32-Jährige in Shanghai gesagt. "Und natürlich könnte es dann vorkommen, dass einer von uns denkt, dass etwas unfair ist oder zu aggressiv war. Wir sind aber erwachsene Männer und sind weit gekommen und wir haben viel erlebt. Der gegenseitige Respekt ist größer, als ich ihn je mit einem anderen Fahrer hatte."

In zwei Wochen beim Rennen in Österreich können die beiden zeigen, wie groß der Respekt wirklich ist.

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StefanXX 25.06.2017
1. Strafe für Vettel zu mild
So leid es mir für Vettel tut, aber mit der Strafe war er wirklich noch gut bedient. Manchmal wünsche ich mir wirklich etwas mehr Objektivität was die Moderatoren bei RTL so von sich geben, es ist schließlich nicht das erste Mal dass deren Aussagen anschließend von zahlreichen Experten wiederlegt wurden. Und so war es auch in diesem Fall. Wie kann jemand wie Christian Danner nur behaupten Hamilton müsse man bestrafen nur weil er hinter dem Safety Car "vom Gas" gegangen sei. Selbst bei einem leichten Bremsen wäre es noch eindeutig die Schuld Vettels gewesen wenn er Hamilton ins Auto fährt. Aufgrund dieser Situation also zu kommentieren Hamilton müsse in gleichem Maße bestraft werden und schon sehr realitätsfern. Vettel hingegen spielte anschließend Autoscooter, dass jemand den anderen so vorsätzlich ins Auto fährt hab ich in den letzten Jahren in der Formel 1 nicht erlebt. Sowas müsste eigentlich mindestens Punktabzug, eher eine Sperre zur Folge haben. Mit den 10 Sek. Stop-and-Go kann sich Vettel glücklich schätzen. Ich hoffe Hamilton kommt bei seinem nächsten schweren Vergehen auch so milde davon.
celtics 25.06.2017
2. Pure Racing...
So gehört sich, hart gegeneinander fahren sich aber gegenseitig respektieren. Nicht mehr oder weniger. Hoffe wir sehen mehr davon in den kommenden Rennen
ellenbetti 25.06.2017
3. Vettel 2 x falsch
1. wer auffährt hat Schuld - und der Führende gibt die Pace vor 2. wegen Aufmerksamkeitsdefizit versuchen mit schlechter Schauspieleinlage Hamilton damit in Verbindung zu bringen begeht den nächsten Fehler und fährt mit voller Absicht gegen Hamilton. Also 2 x 10 Sek. und eine Strafversetzung im nächsten Rennen wären angebracht und gerecht. Bescheuert davon zu reden beide hätten Schuld. Machen Sie das morgen auf der Strasse und lassen Sie uns wissen wie Ihr Richter entschieden hat. Bin gespannt.
wallaceby 26.06.2017
4. Die übliche antideutsche Schulddefinition a la Spiegel...
... wie in diesem Fall jetzt gegen Sebastian Vettel. Daß sie den viermaligen deutschen Formel 1-Weltmeister Sebastian Vettel in ihrem Ranking grundsätzlich immer hinter dem so "beliebten" englischen "von ganz unten sich nach oben gebissenen Migrantensohn" werten, ist ja nichts Neues. Ihre Sympathie liegt eben nun mal bei den Menschen mit "scheinbarer Benachteiligung" (was im Falle Hamilton natürlich ein großer Witz ist, da er von McLaren von Klein auf mit großem finanziellen Aufwand gefördert wurde... ganz im Gegensatz zu S. Vettel). Aber wenn sie nicht verstehen, wie ein abrupt vom Gas gehendes Formel 1 Auto sich verhält, dann sparen sie sich doch bitte ihre "eindeutige Schuldeinteilung" hier! "In diesem Fall muß allerdings die Schuld bei Vettel gesucht werden"... Sie können es einfach nicht..., hier beim Spiegel! Wenn es um eine technische Sportart wie den Formel 1-Rennsport geht, dann greifen ihre nach Straßenverkehrslogik betriebenen Definitionen einfach viel zu kurz. Hier ist eben nicht der hinterherfahrende grundsätzlich schon mal Schuld, wenn es kracht und er als der Auffahrende auch vor Gericht zu 90 Prozent die Schuld dafür trägt. In einer Safetycar-Phase ist es eben schon der Vordermann, der durch mutwillig herbeigeführtes abruptes Geschwindigkeitsabbauen an einer Stelle wo es total unnötig wäre, der den Großteil der Verantwortung dafür hat, wenn es kracht, wie im Fall mit Sebastian Vettel. Es reicht schon, wenn Hamilton nur vom Gas geht... Da muß er ja nicht mal auf das Bremspedal latschen! Daß Vettel sich dadurch extrem durch den Engländer benachteiligt sieht, kann man ihm nicht verübeln! Auch der Dr. Helmut Marko von Red Bull hat das eindeutig so gesehen. Hamilton ist ein Rennfahrer, der auch über Leichen geht, wenn es ihm den entscheidenden Vorteil bringt. Und er steht schließlich hinter Vettel in der Punktewertung. Ihre ständigen Vettel-Bashings hier sind einfach nur lächerlich! Die Hauptsache bei ihnen scheint zu sein, im Zweifelsfalle immer gegen den deutschen Fahrer. Sie können sich denken, wie das bei Leuten mit einem anderen, ausgewogeneren Gerechtigkeitsempfinden ankommt...?! Wenn sie das nicht irgendwann mal begreifen, daß ihre sympathiegetriebenen Wertungen meistens zu den falschen Schlüssen führen, dann sollten sie es lieber bleiben lassen mit ihren Formel 1- "Berichten"!
j-man 26.06.2017
5. Vettel's Strafe...
Lieber Marcus Krämer, es gibt keine 10 Sekunden Durchfahrtsstrafe, sondern entweder eine 10 Sekunden Stop & Go Strafe, bei der ein Fahrer für 10 Sekunden an seiner Box stehen muss, oder eine Durchfahrtsstrafe, wo ein Fahrer einmal durch die Boxenstrasse fahren muss, ohne dabei zum stehen zu kommen. Die Strafe für Vettel war eine 10 Sekunden Stop & Go. Meiner Meinung nach viel zu milde. Eine sofortige Disqualifikation wäre in dem Fall angemessen gewesen. Wer nun behauptet, dass Hamilton absichtlich stark gebremst hat, um Vettel in Schwierigkeiten zu bringen, liegt völlig falsch. Damit hätte er sich doch nur unnötig selber in Gefahr gebracht. Der führende Fahrer kann das Tempo diktieren und er versuchte den maximal zulässigen Abstand zum Safety Car zu regulieren. Es war vielleicht etwas ungeschickt von Hamilton, aber nicht absichtlich. Aber was dann Vettel gemacht hat, war absolut unnötig. Das er neben ihm fuhr, um dem Hamilton per Handzeichen seinen Unmut mitzuteilen war noch ok, aber ihm dann ins Auto fahren, absolut nicht. Das Gespräch mit seinen Vorgesetzten in Maranello würde ich gerne mithören. Damit hat er schließlich einen möglichen Sieg verschenkt, ein wahnsinnig teures Arbeitsgerät fast mutwillig beschädigt, so wie seinen Ruf Schaden zugefügt. Das darf keine Schule machen und gehört von daher deutlich mehr bestraft, als mit dieser 10 Sekunden Stop & Go.
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