"Ich sehe den Schlamassel" Selbst Hamilton stört die Eintönigkeit in der Formel 1

Die Saison ist acht Rennen alt - und immer hieß der Sieger am Ende Mercedes. Für das Produkt Formel 1 ist das ein Problem. Das sieht sogar der WM-Führende Lewis Hamilton so und kritisiert die Verantwortlichen.

Lewis Hamilton (l.) bei der Siegerehrung beim Großen Preis von Frankreich
VALDRIN XHEMAJ/EPA-EFE/REX

Lewis Hamilton (l.) bei der Siegerehrung beim Großen Preis von Frankreich


Weltmeister Lewis Hamilton kann die Kritik an der aktuellen Eintönigkeit der Formel 1 verstehen. "Ich sehe den Schlamassel, in dem wir stecken", sagte der Mercedes-Pilot im südfranzösischen Le Castellet nach seinem vierten Sieg in Serie am Sonntag. "Aber das ist nicht die Schuld der Fahrer", sagte der WM-Führende. Die Formel 1 bewege sich seit Jahren in einem konstanten "Kreislauf aus schlechten Entscheidungen", monierte der 34 Jahre alte Brite.

Mit Mercedes dominiert Hamilton seit Anfang 2014 die Formel 1. In den vergangenen fünf Jahren holte das Team alle WM-Titel. In dieser Saison haben die Silberpfeile alle bisherigen acht Rennen gewonnen, Hamilton davon allein sechs. Mit 187 Punkten steuert er wohl seinem sechsten Titel entgegen. Daher wuchs zuletzt wieder der Unmut über die Vorhersehbarkeit der Motorsport-Königsklasse.

Die Eintönigkeit liege an den Strukturen der Formel 1, die noch aus der Zeit des früheren Chefvermarkters Bernie Ecclestone stammen, so Hamilton. Die ungleiche Geldverteilung, die Schwäche des Weltverbands Fia als oberste Sportbehörde und den zu großen Einfluss der Teams auf das Regelwerk sieht er als Probleme. "Solange die Struktur im Management sich nicht ändert, wird es so bleiben wie es ist", sagte Hamilton. Und: "Wir sollten die Leute an der Spitze unter Druck setzen, die ihren Job erledigen sollten", so der fünfmalige Weltmeister.

Hintergrund: Die drei Topteams, Ferrari, Mercedes und Red Bull, erhielten in der Saison 2018 bei der Geldverteilung aus dem großen Einnahmentopf der Formel 1 15 Prozent mehr als alle anderen sieben Teams zusammengerechnet. Das berichtete die Website motorsport-total.com. In der Saison 2018 hat laut dem Portal in der Formel 1 nur ein Team finanziellen Gewinn gemacht: Mercedes.

Vettel hat bereits 76 Punkte Rückstand auf Hamilton

Schon vor einem Jahr hatte Hamilton kritische Worte gefunden: "Der Sport geht meiner Meinung nach in die falsche Richtung", sagte er nach einem langweiligen Rennen in Kanada.

Sebastian Vettel, der in Frankreich nur Fünfter wurde, hat trotzdem Hoffnung für das nächste Rennen am Sonntag in Österreich: "Was uns am meisten entgegenkommt, sind die vielen Geraden", sagte Vettel. Dort kann Ferrari seinen Topspeed ausspielen - und womöglich Mercedes ähnlich fordern wie Anfang Juni in Kanada, als Vettel nur wegen einer nachträglichen Fünf-Sekunden-Zeitstrafe das Rennen verlor. Vettel ist seit 16 Rennen sieglos. 76 Punkte liegt er als WM-Dritter hinter Hamilton zurück.

Der wünscht sich, dass er von Vettel in den nächsten Monaten wieder mehr gefordert wird. "Ich hoffe wirklich, dass Ferrari ein bisschen mehr Tempo in den Kurven zulegt, damit wir endlich Rennen gegeneinander fahren können", versicherte Hamilton. Doch danach sieht es im Moment nicht aus.

mey/dpa



insgesamt 34 Beiträge
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Redskin 24.06.2019
1. Total langweilig
Nach dem Start weiß man wie es ausgeht. Die 24 Stunden vom Nürburgring, das ist größer Sport, als der Manta wieder raus gefahren ist und alle haben applaudiert. Kann man in der Formel 1 vergessen.
hileute 24.06.2019
2. Die nächsten 5 Rennen nicht antreten
dann wird er nicht mit 200, sondern vlt nur 50-100 Punkten Vorsprung Weltmeister
Referendumm 24.06.2019
3. Heuchelei
Die Äußerungen von Hamilton sind doch maximale Heuchelei, oder: Zeigt man mit einem Finger auf andere, zeigen mindestens drei auf einem selbst. Als Rosberg noch im Team war, war zumindest das Stallduell noch spannend. Als Rosberg sich allerdings verabschiedete, nahm Toto Wolff, garantiert unter Einfluss von Hamilton, eine Schlaftablette wie Bottas, für den das Mercedes-Team sogar noch ne fette Ablöse an Williams zahlen mussten. Der eigentlich vom Team eigens aufgebaute F1-Nachwuchsfahrer Wehrlein war Hamilton und Wolff nämlich zu risikoreich, denn der hätte Hamilton unter Druck setzen können, Schlaftablette Bottas macht doch jedem und alles sofort Platz. Ähem hatte Bottas gestern zum Schluss erneut ein Nickerchen gemacht, oder nur das Gasgeben mal wieder vergessen? Der Typ ist komplett unmöglich und NICHT F1-tauglich; aber dafür wird er ja auch NICHT fürstlich bezahlt, sondern: Bottas ist eben der "Wingman" für Hamilton. Was ist, wenn Liberty Media und die FIA die Regeln für den Hybridantrieb ändern wollen. Wer schreit denn dann als erstes los und verlangt konstante Regeln? Das ist doch der liebe Toto Wolff mit seinem Mercedes-Team. Wer nimmt denn gerne maximal möglichen Einfluss, wenn Pirelli mal Reifen entwickelte, die dem Mercedes-Team nicht ganz so liegen? Und das Mercedes-Team ist dank seiner Kunden (Racing Point, Williams, die die Mercedes-Antriebe kaufen/geschenkt bekommen) auch in der Lage maximalen Druck auf Pirelli oder die FIA auszuüben. Ne Leute, ich habe totalen Respekt vor den Leistungen eines Toto Wolffs, vor Hamilton und dem Mercedes-Team. Aber so zu tun, als ob die komplett unschuldig am aktuellen Desaster sind, ist maximale Heuchelei und nur dummes Gerede!
haraldbuderath 24.06.2019
4. Hamilton/Mercedes sind Heuchler
Toto Wolff /Hamilton heucheln jetzt erst mit wo der Karren schon seit 6 Jahren im Dreck steckt, Der Hybride Motor, die scheiß Reifen, die FIA und Ihre verfluchte Regelsucht, das scheinheilige Geschwätz von Mercedes und Toto Wolff, Ferrari sucht Techniker und Spezialisten aber niemand von Mercedes meldet sich um einen fairen Wettbewerb möglich zu machen, FIA probiert es jetzt mit Kinderfahrer und Playstation, Rennkommissare, FIA verbieten durch Regelsucht und Reifenschande einen Wettbewerb unter Gleichen,Hamilton und Mercedes gewinnen ohne Gegner nach belieben, jeder dieser gewonnenen Titel wird immer einen faden Beigeschmack haben, wertloser kann ein Weltmeister nicht sein, der Fahrer ist heute ein Statist aber Medienwirksam muss er sein, der heutige Sport ist überall nur noch Kommerz und Betrug,
jens109 24.06.2019
5. 24 Stunden
habe ich teilweise gesehen. Die Arbeit von Nitro bei den notwendigen Zusammenfassungen war prima! Etwas mehr Hintergrundwissen meinerseits wäre sicherlich bei den vielen unterschiedlichen Klassen hilfreich gewesen. Sehr tolle Vielfalt und spannende Rennszenen. F1 schaue ich seit einigen Jahren nicht mehr. Früher aber mit großem Interesse. Die Elektroserie hat mich auch noch nicht überzeugen können.
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