Skandalzuschauer Franzose protestiert gegen Mercedes

Weil er offensichtlich seinen Arbeitsplatz bei dem schwäbischen Autokonzern verloren hat, hat ein französischer Zuschauer während des Formel-1-Rennens in Hockenheim für einen Skandal gesorgt.


Hockenheim - Aus Protest gegen Mercedes hat ein 47 Jahre alter Franzose am Sonntag auf dem Hockenheimring den schwerwiegenden Zwischenfall beim Großen Preis von Deutschland verursacht. Diese Darstellung gab am Abend Jochen Rüger von der zuständigen Polizeidienststelle Heidelberg nach einer ersten Einvernahme des Zuschauers. Der Mann soll bis zum Montag in Gewahrsam bleiben und dann der Staatsanwaltschaft Mannheim vorgeführt werden. Der Zuschauer war auf die Piste vorgedrungen und hatte damit sich und die Rennfahrer auf das Äußerste gefährdet. Der WM-Lauf war dadurch kurzfristig neutralisiert und in seiner Entscheidung beeinflusst worden.

Der Franzose habe "vermutlich seinen Arbeitsplatz bei Mercedes aus gesundheitlichen Gründen verloren", sagte Rüger. Dagegen habe er mit seiner spektakulären Aktion protestieren wollen. Der Mann war in ein weißes Bettlaken gehüllt, auf dem er in französischer Sprache seinen Protest artikuliert hatte.

Durch den Zwischenfall fühlt sich das Team von McLaren-Mercedes um den Sieg gebracht. Mercedes-Rennleiter Norbert Haug sagte: "Durch die vorübergehende Neutralisation des Rennens haben wir von unserem Vorsprung rund eine halbe Minute verloren. Ohne den Zwischenfall hätte sich das Rennen ganz anders entwickelt. Dann hätten wir eine Siegchance gehabt."

Der Zuschauer hatte die Piste Mitte des Rennens bei einer Führung von Mika Häkkinen und David Coulthard in der 24. Runde auf der ersten Geraden betreten, auf der die Fahrer Spitzengeschwindigkeiten von über 300 km/h erreichten. Wegen dieser großen Gefährdung war das Safty Car herausgefahren. Das Rennen war durch das Reduzieren der Geschwindigkeit und das Überholverbot vorübergehend neutralisiert worden. Dadurch hatte das Verfolgerfeld zu den führenden McLaren- Mercedes-Piloten aufrücken können.

Der Franzose hatte die Piste bereits eine Minute vor dem Start betreten, ohne dass die Sicherheitskräfte den Mann in Gewahrsam genommen hätten. Haug nannte das einen "Skandal". Dadurch sei die "lebensgefährliche Situation" erst möglich geworden. Der Mercedes- Rennleiter weiter: "Es wäre schlimm, wenn die Weltmeisterschaft dadurch entschieden werden würde. Noch schlimmer wäre es, wenn etwas passiert wäre."

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