Spionage-Affäre Toyota nutzte offenbar gestohlene Ferrari-Daten

Ein ehemaliger Mitarbeiter des Formel-1-Rennstalls Toyota hat die illegale Nutzung von Daten des Konkurrenten Ferrari eingeräumt. Das bestätigte der Kölner Staatsanwalt Siegmar Raupach heute gegenüber einer italienischen Sporttageszeitung. Toyota weist die Vorwürfe zurück.


Toyota-Bolide: "Gefunden, was sie suchten"
AFP

Toyota-Bolide: "Gefunden, was sie suchten"

Modena - "Der Hauptbeschuldigte hat zugegeben, das Material von Ferrari zu Toyota mitgenommen zu haben", sagte Raupach. Toyota wehrt sich derzeit allerdings gegen die Übergabe des Materials, das bei der Durchsuchung der Toyota-Werke beschlagnahmt wurde, an die italienischen Ermittler. Das sagte Raupach in der "Gazetta dello Sport".

Zu den neuerlichen Berichten erklärte Toyota in einer Stellungnahme, dass sich die Vorwürfe gegen "einzelne Personen und ihr Verhalten" richten. Das Unternehmen sei "niemals willentlich in die Beschaffung oder Verwendung von fremden Daten verwickelt" gewesen.

Bereits im Oktober 2003 hatte die Staatsanwaltschaft die Büros des Toyota-Rennstalls durchsucht. Zwei Computer-Spezialisten der italienischen Polizei unterstützten die Kölner Fahnder. "Die haben gefunden, was sie suchten", so Raupach. Der verdächtigte Ingenieur hatte bereits damals den Daten-Diebstahl zugegeben.

Toyota befürchte offenbar, dass seine Programme in Ferrari-Hände geraten. Das in Köln ansässige Formel-1-Team hatte die Daten vom ehemaligen Ferrari-Ingenieur Angelo Santini erhalten, der bei Ralf Schumachers neuem Rennstall Ende Oktober entlassen wurde.

"Ferrari bekäme mehr zurück"

Bislang hatte Toyota jede Verwicklung in den Spionagefall von sich gewiesen. Anfang des Jahres wurde die Rückgabe der Daten an die italienischen Behörden noch durch rechtliche Schritte verhindert. "Wir haben die gesamte Ferrari-Software in unsere Programme integriert. Wenn wir das Material jetzt zurückgeben würden, wäre dies ein Vorteil für Ferrari, weil es jetzt mit unseren Programmen vermischt ist. Ferrari bekäme mehr zurück, als ihnen gestohlen wurde", lautete damals die Begründung.

Ob die beschlagnahmten Daten doch ausgeliefert werden müssen, wird nun vor dem Kölner Oberlandesgericht entschieden. Der Spionageskandal war durch die Anzeige von Ferrari-Teamchef Jean Todt im April des letzten Jahres ins Rollen gekommen.

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